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INTENSIVTEST: RENAULT ZOE R110

INTENSIVTEST: RENAULT ZOE R110

Keine weiteren Fragen

Das können die wenigsten Elektroautos von sich behaupten: Gespeist mit der elektrischen Routine von Renault hat sich der Zoe zu einem Auto entwickelt, dass in ein ganz normales Leben passt. Wichtigste Merkmale: Die Reichweite löst keine Ängste und der Preis kein Kopfschütteln aus. Eine Bedingung gibt es aber.
Wo ist der Zoe im Elektroauto-Kosmos zu verorten?
In der bisher relativ leeren Vernunftecke. Renault schafft es mit dem Zoe, einen erheblichen Preisabstand zu den wichtigsten Konkurrenten herzustellen.

Grob gerechnet ist das wie viel? Und warum?
Kia e-Niro (plus 4000 Euro) und Nissan Leaf (plus 7000 Euro) haben eine ähnliche Reichweite, sind aber eine Fahrzeugklasse über dem Zoe angesiedelt. Der BMW i3 (plus 8000 Euro) ist ähnlich konzipiert, hat aber den üblichen Premium-Aufschlag. VW e-Golf (plus 7000 Euro) und Hyundai Ioniq Elektro (plus 2000 Euro) sind zwar größer, haben aber kleinere Batterien. Der neue Hyundai Kona Elektro wiederum dringt nicht nur bei Batteriekapazität und Reichweite in neue Sphären vor, sondern auch beim Einstiegspreis (plus 14.000 Euro).

Ist der Zoe also günstig?
Ein normaler Clio ist natürlich weiterhin deutlich günstiger, aber ein Zoe-Preiszettel löst kein Kopfschütteln mehr aus: Nimmt man die Basisversion (Zoe Life R90) her und zieht alle aktuellen Boni von Renault (4800 Euro) und vom Staat (1500 Euro) ab, kommt man von 25.290 Euro auf schlanke 18.990 Euro runter – nicht übel, selbst wenn noch die Batteriemiete von monatlich 69 bis 109 Euro (je nach Kilometerleistung) dazukommt.
Relevante Aufpreise wären: Batterie kaufen statt leasen (plus 8200 Euro, nicht empfehlenswert), nächsthöhere Ausstattung (plus 2100 Euro, empfehlenswert), Motorvariante R110 mit 108 PS statt R90 mit 92 PS (plus 300 Euro, warum also nicht?), Sitzheizung (216 Euro, Pflicht – mehr dazu später).
Uneingeschränkt günstig, das wäre noch wichtig, ist ein Zoe übrigens für alle, die in den Genuss eines Dienstwagens kommen: Durch den Entfall des Sachbezugs bei Elektroautos hat man einige Hunderter mehr im Börsel - pro Monat!
Ein Wert aus der Praxis: 221 Kilometer Winter-Reichweite bei 83 Prozent voller Batterie.Ein Wert aus der Praxis: 221 Kilometer Winter-Reichweite bei 83 Prozent voller Batterie.
Der neue Zoe R110 hat 16 PS mehr als der R90, und die machen sich durchaus bemerkbar.Der neue Zoe R110 hat 16 PS mehr als der R90, und die machen sich durchaus bemerkbar.
Aber: Wie schaut es in der Praxis mit der Reichweite aus? Wie gut bewegt sich der Zoe durch den Alltag?
Der Zoe ist durchaus ein normales Auto für ein normales Leben geworden. Seit Renault die Zoe-Batteriekapazität auf 41 kWh nahezu verdoppelt hat, ist Reichweiten-Angst eigentlich kein Thema mehr.
 
Ernsthaft?
Naja, längere Autobahnfahrten wie Wien-Salzburg sind sowieso ein Fall für das Zweitauto oder die Westbahn, selbst die reichweitenstarken Luxusschlitten von Tesla und Jaguar schaffen sie noch wie vor nicht mit Leichtigkeit.
Man geht also grundsätzlich von einem kleineren Radius aus und in dem funktioniert der Zoe ganz wunderbar, auch auf der Autobahn: Einmal Wien-Parndorf und zurück (rund 100 Kilometer) mit der Freundin schafft der Zoe viel lockerer als die Kreditkarte.
Die offizielle angegebene Reichweite von 300 Kilometern bei warmem Wetter ist zum Beispiel für Pendler vollkommen realistisch. Wer nur in der Stadt fährt, wird sogar darüber kommen, weil viel Bremsenergie in die Batterie zurückfließt. Nur auf der Autobahn muss man mit deutlich weniger als der Normreichweite kalkulieren, also rund 150 bis 180 Kilometer.
Für kaltes Wetter gibt Renault aber eine Reichweite von nur 200 Kilometern an…
…und stapelt damit de facto zu tief: In unserem Test bei höchst unfreundlichem Winterwetter haben wir locker 250 Kilometer und darüber geschafft, ohne auf viel Komfort zu verzichten. Heizung drosseln, dafür Sitzheizung einschalten und Jacke anlassen ist auf den kurzen Stadtrouten sowieso praktischer und klappt auf den halblangen Strecken eigentlich auch problemlos.
Größer musss nicht sein: gilt für das Auto und die Reichweite. Dann stimmt auch der Preis.Größer musss nicht sein: gilt für das Auto und die Reichweite. Dann stimmt auch der Preis.
41 kWh Batteriekapaziät, ein gutes Maß.41 kWh Batteriekapaziät, ein gutes Maß.
Blaue Elektroauto-Insignien.Blaue Elektroauto-Insignien.
Sehr schöne Frontlichter.Sehr schöne Frontlichter.
Lohnt sich die neue, getestete Zoe-Variante R110, die 16 PS mehr hat als der R90?
Wir sind keine Verzichtsprediger, nur weil wir im Elektroauto sitzen. Und ausstattungsbereinigt beträgt ja auch der Aufpreis vom R90 auf den R110 nur 300 Euro. Also her mit dem stärkeren Motor!
Spürbar ist die Extrapower auch. Das bereits gute Ampelstartgefühl verbessert sich noch etwas. Aber vor allem beim Überholen und Spurwechseln, ausgehend von 60, 70, 80 km/h, legt der Zoe R110 entschlossener los. Das zeigt auch der Beschleunigungswert auf 100 km/h, der mit 11, 6 Sekunden auf dem Niveau normaler Verbrennungsmotoren liegt.
Die elektrische Abstimmung insgesamt ist tadellos, was das Ansprechverhalten und die Intensität der Rekuperation betrifft etwa. Man spürt die Erfahrung der Renault-Allianz, sie bringt in Europa mit Abstand die meisten Elektroautos auf die Straße (mit Zoe und Leaf).

Wie ist das Zoe-Feeling abgesehen vom Elektroantrieb?
Ähnlich dem Clio. Der Innenraum ist pragmatisch, man sitzt angenehm und alles funktioniert gut. Das Handling ist durch den niedrigen Schwerpunkt unterhaltsam agil. Komfortseitig ist alles in bester Ordnung. Auf der Autobahn wird es dann lauter, aber da fährt man in der Regel ja nicht ewig. Das Platzangebot ist mit 338 bis 1.225 Litern Kofferraumvolumen im Klassenschnitt.
Alles in Ordnung: Komfortables und hochfunktionales Interieur im Clio-Stil.Alles in Ordnung: Komfortables und hochfunktionales Interieur im Clio-Stil.
Wir sind Frühaufsteher: Standheizung mit Timer, sehr angenehm.Wir sind Frühaufsteher: Standheizung mit Timer, sehr angenehm.
Gilt für alle E-Autos: Laden sollte man zuhause können.Gilt für alle E-Autos: Laden sollte man zuhause können.
Wie schaut es mit dem Laden aus?
Der Zoe R110 beherrscht wie der R90 das beschleunigte Aufladen (dreiphasig/22 kW) in nur 2 Stunden und 40 Minuten, die Regel waren bei unseren Ladevorgängen in Wien auf Smatrics- und Wien-Energie-Stationen eher viereinhalb Stunden (dreiphasig/11 kW). Für ganz Eilige kann die Zoe-Variante Q90 (88 PS) sogar mit 37 kW laden – dann ist die Batterie nach 65 Minuten zu 80 Prozent voll, wenn man eine entsprechenden Powercharger findet. In der Praxis ist aber das Laden ebenso wie die Reichweite – kein Thema.

Warum denn nicht?
Weil ein Elektroauto sowieso nur Spaß – und Sinn – macht, wenn man zuhause und/oder am Arbeitsplatz laden kann. Die öffentlichen Ladestationen sind praktisch für Notfälle, aber zum turnusmäßigen Laden einfach zu teuer (zudem immer wieder besetzt oder ausgefallen). Daher: wer eine Wallbox hat, wird sein Elektroauto lieben. Ohne Wallbox wird es keine schöne Beziehung werden.
 
Das Zoe-Testfazit?
Renault ist in Europa die Nummer eins bei Elektrofahrzeugen und der Zoe ist gespeist mit der elektrischen Routine des Pioniers: Preis und Reichweite sind so vernünftig kalkuliert, dass sie in ein ganz normales Leben passen. Das können die wenigsten Elektroautos von sich behaupten.  
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Das in Summe der Eigenschaften wohl vernünftigste Elektroauto am Markt – wichtigste Merkmale: Die Reichweite löst keine Ängste und der Preis kein Kopfschütteln aus.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Das in Summe der Eigenschaften wohl vernünftigste Elektroauto am Markt – wichtigste Merkmale: Die Reichweite löst keine Ängste und der Preis kein Kopfschütteln aus."

DATEN & FAKTEN

Renault Zoe Limited R110

(Februar 2019)

Preis

27.390 Euro plus Batteriemiete (69 bis 109 Euro pro Monat je nach km-Leistung). Inklusive Batterie 35.890 Euro. Förderungen reduzieren den Preis erheblich, zum Beispiel: Zoe Life R90 ab Listenpreis 25.290 Euro, minus aller Boni von Renault (4800 Euro) und vom Staat (1500 Euro) nur 18.990 Euro.

Antrieb

Synchronmotor, Bi-modales Bremssystem für Rekuperation der Bremsenergie, Dauerleistung 53 kW (72 PS), kurzfristige Spitzenleistung 80 kW (108 PS), maximales Drehmoment 220/250 Nm von 1.500 bis 3.395 U/min; Lithium-Ionen-Batterien, 41 kWh; Reduktionsgetriebe – Bedienung wie bei Automatik; Frontantrieb.

Abmessungen

Länge 4.085 mm, Breite 1.730 mm, Höhe 1.562 mm, Radstand 2.588 mm. Kofferraumvolumen: 338 Liter (Rückbank aufgestellt), 1.255 Liter (maximal bei Rückbank umgeklappt).

Gewicht

Eigengewicht 1.575 kg. Höchstzulässiges Gesamtgewicht 1.954 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 135 km/h. 0 – 100 km/h 11,4 Sekunden.

Testverbrauch

18,5 kWh/100 km (Preis je kWh circa 15 bis 20 Cent).

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

8 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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