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SEAT-INTERVIEW (TEIL 1)

Vom Sorgenkind zum Superstar

Seat ist die große Überraschung am Automarkt und liegt in Österreich schon auf Platz drei hinter VW und Skoda. Im ersten Teil des Motorprofis-Interviews erklärt Markenchef Wolfgang Wurm, warum der einstige Sanierungsfall jetzt durchstartet, wofür man in Barcelona mehr Bewusstsein hat als in Wolfsburg, warum man bei der neu gegründeten Marke Cupra viele Lederjacken sieht und wer Seat womöglich gerettet hat.
Seat ist die am schnellsten wachsende Automarke. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Marktanteil in Österreich auf über sechs Prozent verdoppelt. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis?
Wurm: Seat hat sukzessive sein Image verbessert. Ging es früher darum, das die Menschen Seat überhaupt kennen, so stehen wir nun mehr und mehr auf der Shoppingliste der Kunden. Man verbindet mit Seat inzwischen ein frisches, vom Design geprägtes Image.
Der Seat-Käufer ist statistisch immer noch der jüngste Autokunde, aber er kann heute innerhalb der Marke aufsteigen: Die Sturm-und-Drang-Phase im Ibiza erleben, das erstes Gehalt in einen Leon investieren, die Familie im Ateca und die Enkelkinder im Tarraco kutschieren – das wäre die gesamte Lebenszeit, über die wir den Kunden begleiten können.
Wichtig ist auch, was der Handel daraus macht: Ist die Betreuung vor Ort gut, fühlt sich der Kunde gut aufgehoben, bekommt er ein gutes Service. Es ist leicht, das erste Auto zu verkaufen. Das zweite ist schon schwieriger.
 
Wie loyal sind denn die Seat-Kunden?
Wurm:
Wir sind bei den Loyalitäts-Werten in Richtung Volkswagen unterwegs. Das ist ein Schatz den man behüten muss, es gibt nichts Wertvolleres als einen Kundenstamm, der gerne bei der Marke bleibt.
Fünf Jahre Garantie oder auch gute Wiederverkaufswerte sorgen für diese Kundenbindung – und daran arbeiten wir ganz stark, das ist auch ein zähes Ringen jeden Tag. Daher gehen die Verschiebungen nach oben im Markt ganz langsam. Runter kommt man schnell.
 
Auf welche Modelle stützt sich der aktuelle Seat-Erfolg?
Wurm: Wir haben kein Modell in den Top 10, aber zwischen dem zehnten und zwanzigsten Platz gibt es einen Seat nach dem anderen. Diese Breite ist ein großer Vorteil, wenn einmal ein Modell wegfällt, hat die Marke noch weitere Füße, auf die sie sich stützen kann.
 
Wie ist es Seat gelungen, so durchzustarten?
Wurm: Seat hat heute ein super Team an der Spitze: Mit dem Vorstandvorsitzenden Luca de Meo, der das Beste aus einem Auto rausholen kann. Und mit Vertriebsvorstand Wayne Griffith, der die Geschichte auch auf die Straße bringt. Das ist eine gute Kombination. Es hängt immer auch an den Leuten, es hilf nichts.
Wurm über Synergien: „Natürlich ist das…Wurm über Synergien: „Natürlich ist das…
…deutsche Ingenieurswesen eines der besten……deutsche Ingenieurswesen eines der besten…
…und das Design in Barcelona etwas schicker…und das Design in Barcelona etwas schicker".
Dabei war Seat lange das Sorgenkind im VW-Konzern…
Wurm: Die Marke hat lange Zeit kein Geld verdient. Das hat der VW-Konzern nur verkraften können, weil er an anderer Stelle verdient hat.
Ich weiß auch nicht, ob es Seat heute geben würde, wenn Ferdinand Piëch nicht zur Marke gehalten hätte, als es nicht so gut gelaufen ist. Er war immer ein Verfechter von Seat, hat die Spanier und die Marke sehr gemocht. Der Ibiza mit Porsche-Motor hat das sportliche Gen von Beginn an in die Marke gebracht und heute hat Cupra nicht ganz umsonst den alten Porsche-Schriftzug. Das kommt aus der Geschichte heraus.
 
Wie eigenständig ist Seat im VW-Konzern?
Wurm: Die vormals kleinen Marken Skoda und Seat emanzipieren sich heute. Und ich glaube auch, es muss jede Marke für sich kämpfen, um das Beste rauszuholen. Wobei der Erfolg eines Modells durch Kooperation im Konzern entsteht: Natürlich ist das deutsche Ingenieurswesen eines der besten der Welt. Natürlich ist Design in Barcelona ein bisschen schicker, weil Zara und Mango auch schicker ist, weil eben mehr Modebewusstsein vorhanden ist. Wenn man aus beiden Welten das Beste herausnimmt, dann kann ein besonderes Auto wie zum Beispiel die Kombiversion des neue Leon (Österreich-Start im Frühjahr 2020, Anm. der Redaktion) entstehen. Er hat eine sehr schöne Außenform und ist zudem sehr praktisch. Schöne Autos müssen nicht unpraktisch sein.
 
Auf besondere Autos zielen Sie auch mit Cupra ab. Wie läuft es mit der neu gegründeten Marke?
Wurm: Der Marke geht es – ich möchte fast sagen überraschend – gut. Das hätten wir nicht ganz so eingeschätzt. Im Jahr 2019 werden wir über 500 Cupra verkaufen, davon rund 400 Stück des 300 PS starken Kompakt-SUV Cupra Ateca.
 
Soll Cupra zu einer gehobenen Premiummarke reifen?
Wurm: Das Image von Cupra ist sportlich, aber auf lässige Art. Früher wären wir bei diesem Interview beide mit Krawatte dagesessen. Heute kommen bei Seat die Kollegen auch mal mit Lederjacke, Jeans und Sneakers in das Meeting. Das ist nun möglich und das entspricht auch mehr der Marke Cupra: Sie ist nicht für den Banker im förmlichen Dreireiher, für ihn gibt es klassische Premiummarken. Wer aber jung oder dynamisch genug ist, der kommt eben in Sneakers oder Lederjacke – oder auch mal in einem Cupra.
 
Ist es nicht sehr schwer, eine neue Automarke ohne Geschichte aufzubauen?
Wurm: Ich sehe es umgekehrt. Bei einer historischen Marke ist man immer gebunden, wenn das Design zu sehr abweicht, heißt es schnell: das ist kein Mini mehr oder das ist kein Beetle mehr. Wenn man aber keine Vorgeschichte hat, stattdessen nur eine tabula rasa und eine guten Designer, dann ist das viel spannender. Wir haben mit Cupra die jüngste Automarke. Es ist schöner, die Legenden von morgen zu schaffen, als die von gestern zu kopieren.
 
Auf welche Technologien und Modelle setzt Cupra bei seiner Weiterentwicklung?
Wurm: Cupra wird immer sportlich sein. Die Marke steigt bei 300 PS sein, aber Cupra wird hybridisiert und elektrifiziert werden. Neuen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen, funktioniert über den Spaßfaktor besser als über den Verzicht.
Das gilt nächstes Jahr für den neuen Cupra Leon und den Cupra Formentor, das erste eigenständige Modell der Marke (beide sind als Plug-in-Hybrid mit rund 50 Kilometer elektrischer Reichweite geplant; Anm. der Redaktion). Und auf der Vienna Autoshow im Jänner sehen Sie am Beispiel der Tavascan-Studie, wie sich Cupra ein elektrisches SUV-Coupé vorstellt.

Wolfgang Wurm ist Geschäftsführer von Seat in Österreich. Mit über 20.000 verkauften Autos und einen Marktanteil von mehr als sechs Prozent darf er sich 2019 über ein neues Rekordergebnis freuen, das auch international etwas Besonderes ist: Bis auf das Heimatland Spanien übertrifft der Österreich-Marktanteil alle anderen Seat-Märkte. Im heimischen Markenranking liegt Seat damit bereits auf Platz drei hinter VW und Skoda.


Teil 2 des Seat-Interviews lesen Sie hier: Markenchef Wolfgang Wurm über die große Elektro-Offensive im nächsten Jahr, welche andere Technologie eine sofortige CO2-Reduktion bringen würde und was das mit dem Borkenkäfer zu tun hat.

Erfolg auf breiter Basis. Wurm: „Wir haben kein Modell in den Top 10, aber zwischen dem zehnten und zwanzigsten Platz einen Seat nach dem anderenErfolg auf breiter Basis. Wurm: „Wir haben kein Modell in den Top 10, aber zwischen dem zehnten und zwanzigsten Platz einen Seat nach dem anderen".
Schon Platz drei hinter VW und Skoda: Seit dem Jahr 2000 hat sich der Seat-Marktanteil in Österreich auf über sechs Prozent verdoppelt.Schon Platz drei hinter VW und Skoda: Seit dem Jahr 2000 hat sich der Seat-Marktanteil in Österreich auf über sechs Prozent verdoppelt.
Und der nächste Hit kündigt sich an: Der neue Leon startet am 16. April in Österreich – als Hatchback (im BIld) und als großer Kombi.Und der nächste Hit kündigt sich an: Der neue Leon startet am 16. April in Österreich – als Hatchback (im BIld) und als großer Kombi.
Die neu gegründete Marke Cupra startet überraschend durch und steht für lässiges Premium. Wurm: „Sneakers und Lederjacke statt DreireiherDie neu gegründete Marke Cupra startet überraschend durch und steht für lässiges Premium. Wurm: „Sneakers und Lederjacke statt Dreireiher".
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Star des (nächsten) Jahres: Cupra bekommt Ende 2020 mit dem Formentor das erste eigenständige Modell. Über 300 PS, aber elektrisch in der Stadt.Star des (nächsten) Jahres: Cupra bekommt Ende 2020 mit dem Formentor das erste eigenständige Modell. Über 300 PS, aber elektrisch in der Stadt.
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