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Fernando Alonso im Interview

Fernando Alonso im Interview

Alonso: „Es gibt keine Ausreden mehr."

Fernando Alonso ist der Methusalem der Formel 1 – und seit einigen Wochen auch ihr Rekord-Halter. Noch nie war ein Pilot über eine so lange Zeitspanne im Grand-Prix-Sport aktiv wie der stolze Spanier. Hier erzählt er im Motorprofis-Interview von seinem besten Jahr und der Rückkehr seines Instinktes. Mittlerweile ist klar: Ab 2023 fährt er für Aston Martin.
Fernando, macht das Fahren mit den 2022er-Autos, die eine neue Aerodynamik und neue Reifen haben, mehr Spaß?
Das Reglement ändert nicht so viel für uns, es macht dadurch nicht mehr oder weniger Spaß. Wichtiger ist, wie weit vorne man ist. Wenn Du um Siege kämpfen kannst, genießt Du es mehr. Wir sind heuer stärker, daher macht es mehr Spaß als im Vorjahr. Und ich selbst bin auch konkurrenzfähiger. Letztes Jahr musste ich mich wieder an die Formel 1 gewöhnen und bin immer irgendwelchen Vorgaben gefolgt. Heuer dagegen fahre ich mehr nach meinem Instinkt und fühle mich wieder genauso wohl wie 2016, 2017 oder 2018.
 
War es diesmal anders, nach Österreich zu kommen?
Definitiv, es fühlt sich wie ein halber Heim-Grand-Prix an, weil ich zuletzt einige Zeit in Österreich verbracht habe mit meiner österreichischen Freundin. Nachdem ich den Winter in Österreich verbracht habe, bin ich jetzt viel stärker (lacht) – als Spanier ist man solche Temperaturen nicht gewöhnt, wissen Sie. Also ist es schön, jetzt im Sommer zu kommen und soviel Grün zu sehen.

Viele Teams in der Formel 1 haben heuer Probleme mit dem Hoppeln der Autos. Wie geht es Ihnen?
Wir sind okay. Wir hatten zwei schwere Rennen, muss ich sagen, eines davon war Barcelona – aber ich denke, wir haben das Problem dort verstanden. Man braucht kein FBI für dieses Problem. Wir haben verschiedene Wege, es zu stoppen.
 
Gibt es Strecken, auf denen Sie schon in diesem Jahr aus eigener Kraft gewinnen können?
Das glaube ich nicht, aber wir haben zum Beispiel in Silverstone schon gesehen, dass wir in die Top 5 kommen können – wenn dann irgendetwas passiert, bis Du sofort mal Zweiter oder Dritter. Es werden mehr Möglichkeiten dieser Art kommen während des Jahres und ich denke, einige Podiumsplätze sind weiter das Ziel für uns.
 
Sie fahren seit 21 Jahren in der Formel 1. Welches Auto war am lustigsten zu fahren?
Ich denke, in den frühen 2000er-Jahren war es am lustigsten zu fahren. Das waren die V10-Autos, die viel Kraft hatten und sehr, sehr leicht waren. Das Mindestgewicht betrug damals 600 Kilo, jetzt sind es 790 Kilo plus 100 Kilo Benzin am Start. An Sonntagen sind die Autos daher anders zu fahren. Ich denke schon, dass wir alle den Lärm von früher vermissen, als man aus dem Hotel rausging und dort schon den Sound gehört hat, diese Dinge.
Alpine war Alonsos Priorität „weil ich dieses Team liebe.Alpine war Alonsos Priorität „weil ich dieses Team liebe." Doch Alpine setzt ab 2023 auf Piastri, er geht zu Aston Martin.
Rekordhalter Alonso: „Ich sehe keine Nachteile durch das Alter, wenn ich das Rennen beende, fühle ich mich, als könnte ich noch drei Rennen fahren.Rekordhalter Alonso: „Ich sehe keine Nachteile durch das Alter, wenn ich das Rennen beende, fühle ich mich, als könnte ich noch drei Rennen fahren."
Alonso über Spielberg: „Fühlt sich wie ein halber Heim-GP an, weil ich zuletzt einige Zeit in Österreich verbracht habe mit meiner österreichischen Freundin.Alonso über Spielberg: „Fühlt sich wie ein halber Heim-GP an, weil ich zuletzt einige Zeit in Österreich verbracht habe mit meiner österreichischen Freundin."
Hilft die Erfahrung in der modernen Formel 1?
Ja, man macht viele Fehler in seiner Karriere, die man wahrscheinlich kein zweites Mal macht. Man macht neue Fehler, aber die alten nicht mehr. Daher ist es schön, die Erfahrung zu haben. Das Problem ist, dass die Formel 1 sehr fordernd ist und dir die ganze Energie saugt. Nach ein paar Jahren ist man total leer, und so habe ich mich 2018 gefühlt, ich war mental und körperlich leer. Daher war ich der Erste, der die Hand gehoben und gesagt hat: Ich stoppe hier und probiere andere Sache. Ich liebe Motorsport weiterhin, aber nicht Formel 1. Ich kann nicht jedes Wochenende auf diesem Level weitermachen. Dann habe ich andere Sachen probiert, irgendwann habe ich mich dann bereit gefühlt, zurückzukommen, meine Batterien waren wieder aufgeladen. Und ich liebe den Sport immer noch.
Ich fühle mich stark wie immer und ich habe die Erfahrung. Als wir zum Beispiel nach Kanada kamen und es im Training regnete, war ich weit vorne in der Startaufstellung, weil ich die Situation kannte. Und ich sehe keine Nachteile durch das Alter, wenn ich das Rennen beende, fühle ich mich, als könnte ich noch drei Rennen fahren. Es gibt also kein Fitnessproblem.
 
Sind Sie bereit für weitere Jahre mit Alpine?
Ja, ich fühle mich frisch und bin motiviert, weiterzumachen. Alpine wird meine erste Priorität sein, weil ich dieses Team liebe und es während meiner ganzen Karriere in der Formel 1 meine Familie war. Es müssen beide Seiten zustimmen, ich werde also niemandem Druck machen, aber ja, ich denke wir werden uns in der Sommerpause hoffentlich irgendwann hinsetzten und etwas finalisieren. Wir brauchen zwei bis drei Jahre, bis wir wieder um die Weltmeisterschaft kämpfen können. Das ist das Ziel. Und ich glaube, wir sind dieses Jahr einen Schritt näher als letztes Jahr. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, zum Beispiel in Bezug auf das Budget, weil es nun gedeckelt ist, das ist für alle gleich. Jetzt liegt es an uns, und ich denke wir haben sehr talentierte Leute im Team.

Nachtrag 1. August: Am 1. August wurde bekannt, dass Alonso Alpine verlässt und ab 2023 zu Aston Martin wechselt. Das heißt, dass Alpine auf die Jugend und das Riesen-Talent Oscar Piastri setzen wird.
Mit Alpine-Chef Laurent Rossi bei der Vertragsunterzeichnung für 2022 – Verlängerung möglich: „Ich fühle mich frisch und bin motiviert, weiterzumachen.Mit Alpine-Chef Laurent Rossi bei der Vertragsunterzeichnung für 2022 – Verlängerung möglich: „Ich fühle mich frisch und bin motiviert, weiterzumachen."
F1-Autos wiegen heute 790 Kilo plus 100 Kilo Benzin, früher 600 Kilo – Alonso: „Ich denke, in den frühen 2000er-Jahren war es am lustigsten zu fahren.F1-Autos wiegen heute 790 Kilo plus 100 Kilo Benzin, früher 600 Kilo – Alonso: „Ich denke, in den frühen 2000er-Jahren war es am lustigsten zu fahren."
Teamkollege Ocon hat Vertrag bis 2024: Alpine musste sich für 2023 zwischen Alonso und Piastri entscheiden.Teamkollege Ocon hat Vertrag bis 2024: Alpine musste sich für 2023 zwischen Alonso und Piastri entscheiden.
Alpine A522, unterwegs in Österreich.Alpine A522, unterwegs in Österreich.
Alpine A110, ebenfalls unterwegs in Österreich.Alpine A110, ebenfalls unterwegs in Österreich.
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