loading...

Test: firefly

Test: firefly

Die kleine Senator-Lounge

Der großzügige, wohnlich eingerichtete Innenraum und die geschmeidige, gut gedämpfte Fahrt machen den firefly zum derzeit komfortabelsten Vier-Meter-Auto. Ein gelungener kleiner Luxus für Kurz- und Mittelstrecken.
Um welches Auto geht es?
Um den firefly, klein geschrieben. Die Marke ist das Modell, wie es im alten Jahrtausend bei Mini war. Hinter firefly steht der der junge chinesische Premiumherstellers Nio. Den Beispielen von BMW/Mini und Mercedes/smart folgend, führt er seinen ersten Kleinwagen als eigene Marke. Der Newcomer aus Shanghai ist 2018 in die Großserienproduktion von SUVs und Limousinen wie dem ET5 eingestiegen. Inzwischen baut Nio rund 300.000 Fahrzeuge pro Jahr und hat so manchen etablierten Hersteller im Börsenwert überholt. In Deutschland, England und den USA sind internationale Ingenieurs- und Designzentren entstanden, hinter dem firefly-Projekt stand maßgeblich das Team aus München. Stolz ist man bei Nio auf die eigenständige Entwicklung von Elektromotoren, Steuergeräten, Betriebssystemen und nicht zuletzt Chips, die auf dem Leistungsniveau des US-Giganten Nvidia sind. Nio ist Tech- und Autofirma, technisch anspruchsvoll und preislich im Premiumsegment angesiedelt. Die Expansion nach Europa läuft seit 2022, mit der ungarischen AutoWallis Gruppe gibt es seit 2025 einen Importeur für Österreich. Auf die ersten Niederlassungen in Niederösterreich und Salzburg sollen weitere in allen Bundesländern folgen.
 
Beim firefly muss man nicht nur wegen der ähnlichen Silhouette an den inzwischen nicht mehr angebotenen Honda e denken. Der Japaner war von 2020 bis 2024 das fahrerisch beste Stadtauto, aber eben auch ziemlich teuer, nicht sehr geräumig und in der Reichweite limitiert. Der firefly will daran anknüpfen, aber günstiger, größer und reichweitenstärker sein. Die Konkurrenten im B-Segment sind unter anderem Mini, Renault 4, Renault 5, Hyundai Inster, Peugeot 208, Citroen C3 und künftig der VW ID. Polo.
 
Wie schaut er aus?
Die Silhouette erinnert an den Honda e, der sich wiederum ein bisschen am Designklassiker Golf I orientiert hatte. Im Vergleich zum Japaner ist der Chinese mit 4,00 Metern Länge, 1,56 Metern Höhe und 1,78 Metern Breite aber wuchtiger, er will nicht den Fehler des Honda e machen, der für Familien ein bisschen zu klein war.
 
Die glatte Karosserie mit bündigen Türgriffen wirkt sauber verarbeitet und erfüllt atmosphärisch den Premiumanspruch der Marke. Viele schauen den firefly an, was sicher am modernen Design mit noch unbekanntem Logo liegt, aber auch an den vielen kleinen Augenringen, die vorne und hinten leuchten. Das wirkt sympathisch, aber nicht zu niedlich, und ist jedenfalls Unisex.
Viele schauen den firefly an, was sicher am modernen Design mit noch unbekanntem Logo liegt, aber auch …Viele schauen den firefly an, was sicher am modernen Design mit noch unbekanntem Logo liegt, aber auch …
… an den vielen kleinen Augenringen, …… an den vielen kleinen Augenringen, …
… die vorne und hinten leuchten.… die vorne und hinten leuchten.
Der firefly will an den Honda e anknüpfen – der von 2020 bis 2024 das fahrerisch beste Stadtauto war – aber günstiger, größer und reichweitenstärker sein.Der firefly will an den Honda e anknüpfen – der von 2020 bis 2024 das fahrerisch beste Stadtauto war – aber günstiger, größer und reichweitenstärker sein.
Was bietet der Innenraum?
Er fühlt sich wie ein hochwertiger Rückzugsort an, eine kompakte Senator Lounge, ein kleiner Luxus. Durch den textilbezogenen Wulst und die mit der Mittelkonsole zu einem sofaartigen Ensemble verbundenen Sitze, hat die erste Reihe eine gewisse Wohnzimmer-Atmosphäre. Das Raumgefühl ist luftig, weil das Armaturenbrett niedriger und das Dach höher als üblich ansetzt. Durchaus empfehlen würden wir die unvernünftige helle Einrichtungsvariante, weil sie so angenehm freundlich ist. Mit dem in der zweiten (und höchsten) Ausstattungsstufe serienmäßigen, für die Klasse sehr großen Panoramaglasdach wird es noch freundlicher.
 
Den angestrebten Premiumeindruck kann der firefly vermitteln. Die Materialien wirken hochwertig, ohne gleich luxuriös zu sein, ähnlich wie in der Senator Lounge. Die Verarbeitung ist supersauber. Etwas mehr offene Ablagen könnte es in der Mitte geben, man muss seinen Krimskrams ein bisschen schlichten. Oder das verstecktes Fach zum herausziehen unterhalt der Mittelarmlehne nutzen. Wie der ID.3 verzichtet der firefly auf einen Starknopf, das erspart dem Fahrer einen Arbeitsschritt. Nach einem Zug am rechten Lenkstockhebel, der für die Wahl der Automatikstufe zuständig ist, geht die Fahrt los. Warum das Lenkrad unten so abgeflacht ist, erschließt sich nicht, man gewöhnt sich aber.
 
Vor sich hat der Fahrer ein kleines, aber übersichtliches Fahrerdisplay mit gut lesbarer Tempoanzeige und Darstellung der Navigation. Knöpfe gibt es am Armaturenbrett gar keine, man muss als firefly-Fahrer also bereit sein, die meisten Funktionen über den High-Tech-Touchscreen zu bedienen. Temperatursteuerung, Lüftungsstufen und Lautstärke können auch über Zweifinger-Wischgesten am Bildschirm eingestellt werden. Alternativ kann man den KI-Sprachassistenten mit einem „Hey Lumo“ um Mithilfe bitten, was bei einigen Dingen funktioniert, bei anderen nicht, aber nach einer Kennenlernphase jedenfalls immer besser klappt. Insgesamt funktioniert die Bedienung ziemlich friktionsfrei, muss man sagen, auch wenn man kein Digital Native ist. Apple CarPlay und Android Auto verbinden kabellos. Updates werden Over-the-Air in das Auto eingespielt.
 
Zu beanstanden gibt es innen wenig. Das Abschalten der Assistenzsysteme benötigt ein paar Schritte. Und die Nutzung der Handy-App ist quasi obligat. Mit der alternativ angebotenen NFC-Karte entfällt der schlüssellose Zugang und das Auto stellt sich auch ab, wenn man zum Öffnen des Garagentors aus dem Auto aussteigt.
 
Der Honda e war für den Familienalltag ein bisschen zu klein, der firefly ist es nicht. Kopf- und Beinfreiheit in Reihe zwei sind besser als in den meisten B-Segment-Konkurrenten und entsprechen eher C-Segment-Fahrzeugen wie dem ID.3. Erstaunlich großzügig ist auch das Kofferraumvolumen von 404 bis 1.253 Litern, mit dem überdurchschnittlich großen Frunk eingerechnet sind es 496 bis 1.345 Liter. Eine Ladekante muss beim Befüllen überwunden werden. Die Fondlehnen werden im Verhältnis 40:60 geklappt, ein doppelter Kofferraumboden inklusive Unterflurfächern ebnet die Ladefläche zur den umgelegten Rücksitzlehnen hin. Unter dem Beifahrersitzt und unter einem Rücksitz gibt es auch noch unsichtbare Ablagefächer. Dort dürfte der Laptop selbst bei Einbrüchen nicht wegkommen, sofern die Einbrecher keine Testberichte lesen.
Der textilbezogene Wulst und die mit der Mittelkonsole zu einem sofaartigen Ensemble verbundenen Sitze geben der ersten Reihe Wohnzimmer-Atmosphäre.Der textilbezogene Wulst und die mit der Mittelkonsole zu einem sofaartigen Ensemble verbundenen Sitze geben der ersten Reihe Wohnzimmer-Atmosphäre.
Die meisten Funktionen sind über den High-Tech-Touchscreen zu bedienen.Die meisten Funktionen sind über den High-Tech-Touchscreen zu bedienen.
Kleines, aber übersichtliches Fahrerdisplay mit Darstellung der Navigation.Kleines, aber übersichtliches Fahrerdisplay mit Darstellung der Navigation.
Den Premiumeindruck kann der firefly vermitteln. Die Materialien wirken hochwertig, ohne gleich luxuriös zu sein, ähnlich wie in der Senator Lounge.Den Premiumeindruck kann der firefly vermitteln. Die Materialien wirken hochwertig, ohne gleich luxuriös zu sein, ähnlich wie in der Senator Lounge.
Hier dürfte der Laptop selbst bei Einbrüchen nicht wegkommen.Hier dürfte der Laptop selbst bei Einbrüchen nicht wegkommen.
Man muss schlichten: Etwas mehr Ablagen könnte es in der Mitte geben.Man muss schlichten: Etwas mehr Ablagen könnte es in der Mitte geben.
Erstaunlich großzügig ist auch das Kofferraumvolumen von 404 bis 1.253 Litern, mit dem überdurchschnittlich großen Frunk eingerechnet 496 bis 1.345 Liter.Erstaunlich großzügig ist auch das Kofferraumvolumen von 404 bis 1.253 Litern, mit dem überdurchschnittlich großen Frunk eingerechnet 496 bis 1.345 Liter.
Welche Technik kommt zum Einsatz?
Wie der eine Klasse größere ID.3 und seine Verwandten hat der firefly einen Hinterradantrieb, im B-Segment leistet sich der Chinese als einziger diese Technik. Auch das Fahrwerk mit Mac-Pherson-Vorderradaufhängung und Fünf-Lenker-Hinterradaufhängung ist eine aufwändige Konstruktion. Der Elektromotor im Heck kommt auf 143 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 200 Newtonmetern. Das sind normale Werte für die Klasse, sie reichen für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,1 Sekunden. Das Leergewicht liegt knapp unter 1.500 Kilo.
 
Auf Langstrecken ist der firefly nicht ausgelegt. Bei der Batterie begnügt er sich mit der günstigeren LFP-Zellchemie und 41,2 kWh Nettokapazität für 330 Kilometer WLTP-Reichweite, beim DC-Schnellladen mit 100 kW Ladeleistung. Das entspricht dem aktuellen Schnitt im elektrischen B-Segment. Die Kunden werden den firefly mehrheitlich für Kurz- und Mittelstrecken einsetzten und zu Hause an die AC-Wallbox anhängen, wo er über das dreiphasige Bordladegerät mit bis zu 11 kW lädt. Zusätzlich kann der firefly über die Vehicle -to-Load-Funktion (V2L) externe Geräte mit bis zu 3,6 kW versorgen.
 
Wie fährt sich der firefly?
Dass der firefly eine kleine Senator Lounge für die Stadt ist, liegt nicht nur am für die Klasse großzügigen und wohnlich eingerichteten Innenraum, sondern auch an der geschmeidigen und gut gedämpften Fahrt. Weil vom Fahrwerk keine Stöße und Geräusche durchkommen, wird man angenehm entkoppelt. Durch den Heckantrieb ist die Lenkung frei von Antriebseinflüssen und der Wendekreis sehr klein. Der Antrieb bleibt völlig unauffällig, er ist nicht zu hören und spritzig. Daraus entsteht ein Premiumstandard, der in der Vier-Meter-Klasse des B-Segments sonst nicht vorkommt, sondern erst in gut gemachten Autos des C-Segments und aufwärts. Das können die elektrischen Renault so nicht leisten und weil auch ein Mini natürlich auf der sportlichen Seite daherkommt, ist die Fahrt dort deutlich unruhiger. Vergleichbar mit dem firefly-Standard wäre aus der nächsthöheren Klasse das oft unterschätze, hochwertige ID.3-Fahrgefühl. Die Kombination aus klarem Komfortbekenntnis und technischem Premiumansatz zahlt sich für den chinesischen Herausforderer aus, er schafft sich damit ein Alleinstellungsmerkmal als derzeit komfortabelstes B-Segment-Auto. Als gelungener kleiner Luxus für Kurz- und Mittelstrecken.
 
Sportliche Ziele verfolgt der firefly nicht wirklich, Fahrwerk und Lenkung sind gemütlich abgestimmt. Die Ambitionen auf der Langstrecke sind mit Autobahnreichweiten von gut 200 Kilometern ebenfalls überschaubar. In der Stadt und auf den Landstraßen drumherum kommt der firefly dagegen auf 13,5 bis 16 kWh Durchschnittsverbrauch und schafft 300 bis 350 Kilometer Reichweite.
 
Wie ist der Preis einzuschätzen?
Die Preisliste ist einfach zu lesen, es gibt eine Antriebs- und zwei Ausstattungsvarianten. Der hier getestete firefly select um 29.990 Euro hat nahezu Vollausstattung, der firefly comfort um 32.290 Euro echte Vollausstattung inklusive Massagefunktion, Sitzbelüftung, Panoramaglasdach und Duft-Diffusor. Reine Geschmacksache, welchen man nimmt.
Der firefly ist nicht billig, aber durch die Vollausstattung relativiert sich der Preis deutlich. Unterm Strich ist der Mini teurer, Renault 4 und Renault 5 kommen über Aktionen in die Nähe, der Citroen C3 ist günstiger. Allen Konkurrenten voraus hat der firefly den Premium- Komfort, einigen ist er auch bei der Innenraumgröße überlegen. Mehr Sportsgeist und Historie bringen anderen mit.
 
Das Fazit?
Mit seinem klaren Komfortbekenntnis und technischem Premiumansatz schafft sich der firefly ein Alleinstellungsmerkmal als derzeit komfortabelstes B-Segment-Auto. Durch den großzügigen, wohnlich eingerichteten Innenraum und die geschmeidige, gut gedämpfte Fahrt ist er ein gelungener kleiner Luxus für Kurz- und Mittelstrecken.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Das derzeit komfortabelste B-Segment-Auto. Durch den großzügigen, wohnlich eingerichteten Innenraum und die geschmeidige, gut gedämpfte Fahrt ist der firefly ein gelungener kleiner Luxus für Kurz- und Mittelstrecken.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Das derzeit komfortabelste B-Segment-Auto. Durch den großzügigen, wohnlich eingerichteten Innenraum und die geschmeidige, gut gedämpfte Fahrt ist der firefly ein gelungener kleiner Luxus für Kurz- und Mittelstrecken."

DATEN & FAKTEN

firefly

(Mai 2026)

Preis

29.990 Euro bis 32.290 Euro.

Antrieb

Heck-Elektromotor mit Permanentmagnet-Technologie, Leistung 105 kW / 143 PS, Maximales Drehmoment 200 Newtonmeter. 1-Gang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb. LFP-Batterie mit 41,2 kWh Netto-Kapazität, DC-Laden mit bis zu 100 kW, AC-Laden dreiphasig mit bis zu 11 kW. Vehicle -to-Load-Funktion (V2L).

Abmessungen

Länge 4.003 mm, Breite 1.780 mm, Höhe 1.557 mm, Radstand 2.615 mm. Kofferraumvolumen 404 – 1.253 Liter bzw. 496 bis 1.345 Liter inkl. Frunk.

Gewicht

Leergewicht 1.467 kg – 1.492 kg. Zulässiges Gesamtgewicht 1.858 – 1.875 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 150 km/h, Beschleunigung 0 – 100 km/h in 8,1 Sekunden, WLTP-Verbrauc 14,5 – 15,2 kWh, WLTP-Reichweite 320 – 330 km.

Testverbrauch

15 kWh.
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT