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INTENSIV-TEST: HONDA CIVIC 1.0 VTEC TURBO SPORT LINE

Eine Frage der Technik

Der neue Civic Sport Line zitiert das Design des kultigen Type R und unterstreicht das Talent der Sportmarke Honda: Durch ihre hochwertige Technik können die Japaner auch ein sparsam-komfortables Alltagsauto richtig flott machen. Wie sich das anfühlt, erklärt der Intensiv-Test.
Im Intensiv-Test tritt der überarbeitete Civic an – was ist neu bei Hondas Kompaktklasse?
Honda hat seinen Civic – der beständig zu den fünf meistverkauften Autos der Welt zählt und in diesem Ranking deutlich vor dem Golf liegt – im Detail überarbeitet. Der Jahrgang 2020 bekam innen wie außen einen kleinen Feinschliff und wurde um eine neue Sportvariante erweitert. Kein Zufall, denn über die gesamte Modellpalette gesehen ist jeder vierte in Europa verkaufte Honda inzwischen ein Sportmodell.
 
Woher kommt die hohe Sport-Quote?
Hondas Designansatz ist grundsätzlich sportlicher als bei anderen Marken. Der Civic kann auch nach Jahren noch mit seinen dynamischen Proportionen überraschen – und das motiviert die Kunden natürlich, gleich eine Sportvariante zu nehmen. Zumal Honda diese wirklich schön durchkomponiert: Anders als bei den deutschen Premiummarken müssen keine langen Aufpreis-Listen bemüht werden – was weniger individuell ist, aber im Ergebnis hochwertig, und preislich um Welten günstiger.
 
Generell wird Sport bei Honda richtig groß geschrieben, oder?
Die Japaner sind Serien-Weltmeister in der Moto GP und jagen zusammen mit dem österreichischen Red Bull-Team inzwischen auch in der Formel 1 den Titel. Im seriennahen Motorsport wurde der Civic Type R TCR nach 14 Meisterschaften und 65 Rennsiegen im Jahr 2019 zum „Model of the Year“ gekürt. Bei den Straßenautos ist Honda Vorreiter für sauberen Sport: der NSX bringt Hybrid in die 911er-Liga, der Honda E ist ein betont sportlicher Start in die elektrische Ära.
 
Was macht die neue Sport Line des Civic aus?
Die optische Nähe zum kultigen Civic Type R, denn die Sport Line gibt es jetzt sowohl für Hondas 320-PS-Supersportler als auch für den getesteten 126-PS-Alltags-Civic. Während sie beim Type R die dezentere Variante ohne monströsen Bügelbrett-Heckflügel ist, bedeutet sie für den 1,0 VTEC eine besonders dynamische Spielart. Wobei sich beide Modelle trotz fast 200 PS Abstand außen nicht stark unterscheiden, das ist der Clou.
Dass die Sport Line im 1,0 VTEC sowohl mit der preiswerten Comfort-Ausstattung als auch mit der besonders reichhaltigen Executive-Variante kombiniert werden kann, zeigt dass Honda guten Sport für möglichst viele Fahrer anbieten will. Immerhin 5.000 Euro liegen zwischen den zwei Varianten.
Optische Nähe zum kultigen Civic Type R: Die neue Sport Line gibt es für Hondas 320-PS-Supersportler und für den getesteten 126-PS-Alltags-Civic.Optische Nähe zum kultigen Civic Type R: Die neue Sport Line gibt es für Hondas 320-PS-Supersportler und für den getesteten 126-PS-Alltags-Civic.
Hinten schärfen die neuen coolen Metallklingen den Auftritt nochmal nach.Hinten schärfen die neuen coolen Metallklingen den Auftritt nochmal nach.
Auch die schwarzen Elemente im vorderen Stoßfänger bekommen Klingen.Auch die schwarzen Elemente im vorderen Stoßfänger bekommen Klingen.
In der Ausführung dem Type R sehr ähnlich: Der Heckspoiler ist gar nicht so klein, aber nah an der Karosserie montiert und dadurch – realtiv – dezent.In der Ausführung dem Type R sehr ähnlich: Der Heckspoiler ist gar nicht so klein, aber nah an der Karosserie montiert und dadurch – realtiv – dezent.
Wie schaut das Sport-Line-Outfit im Detail aus?
Klar ist: Für einen sportlichen Auftritt hat der Civic die besten Grundvoraussetzungen in der ganzen Kompaktklasse. Der Honda ist länger als die meisten Konkurrenten und relativ breit, zu diesem sportiven Grundlayout kommt eine niedrige Dachlinie im Stil von Coupés. Auch im Detail zieht der Civic seinem Designansatz durch, indem er vorne wie hinten monströse Lufteinlässe andeutet, die zwar nicht durchlässig sind, aber den Auftritt nachhaltig prägen. Genau dort ist Honda jetzt in die Feinabstimmung gegangen: Statt einem Gitter sind die schwarzen Elemente im vorderen Stoßfänger nun glatt und mit einer coolen Metallklinge betont. Auch hinten schärfen die neuen Klingen den Auftritt nochmal nach. Die Ausführung ist dem Type R sehr ähnlich, das gilt auch für weitere Sport-Line-Elemente: Wie den Heckspoiler, der gar nicht so klein, aber nah an der Karosserie montiert und dadurch dezent ist. Oder die Front- und Seitenschweller, die aus schwarz glänzendem Kunststoff gefertigt sind. Und natürlich die supercoole Dachspoiler-Abwandlung, bestehend aus zwei Flappen. Auch ohne die drei Enrohre des Type R gibt es einen schönen Heckdiffusor, und die Alufelgen sind im 1,0 VTEC zwar zwei Zoll kleiner, aber durch die schwarze Lackierung ebenso edel.

Wie wirkt sich die Sport Line im Innenraum aus?
Wie im Type R werden rote Ziernähte als hochwertiges Stilelement eingesetzt und auf den schwarzen Sitzbezügen, dem Lederlenkrad, der Schaltknauf-Ummantelung und den Türverkleidungen verarbeitet. Aus dem Fußraum blinzeln gebohrte Aluminium-Pedale hervor, die durch ihre Noppen angenehm rutschfest sind.
 
Wie gut ist der Innenraum insgesamt?
Für uns einer der besten in der Kompaktklasse. Weil der Civic für einen Kompakten außergewöhnlich lang ist und Honda den Platz in der Breite sehr gut nutzt, sitzt man in Reihe eins bequemer und weiter auseinander, als man es in der Kompaktklasse gewohnt ist – fast wie in einer großen Mittelklasse-Limousine. Aber auch die ganze Ausführung des Innenraums ist außergewöhnlich hochwertig und fühlt sich nach höheren Segmenten an. Zudem wirkt sich Hondas Erfahrung und Akribie durch hervorragende Ergonomie aus. Sitzposition, Ablagemöglichkeiten und Bedienlogik sind tadellos.
Es mag auf den ersten Blick spektakulärere Innenräume in der Kompaktklasse geben, aber der Civic hat eines der Cockpits, mit denen man richtig zusammenwächst, die man nicht mehr hergeben will. Glauben Sie uns.
 
Wobei der sportliche Zugang auch im Cockpit zu beachten wäre – oder?
Ja, wer eine erhöhte Sitzposition sucht, ist hier falsch. Im Civic sitzt man durch das sportive Konzept sogar tiefer als in anderen Kompakten, muss sich ein bisschen runter heben. Aber falls sie es mit dem Kreuz haben, gibt es ja immer noch den HR-V.
 
Was könnte man innen noch besser machen? Und wo hat Honda im neuen Jahrgang nachgebessert?
Vor allem beim Touchscreen hat Honda optimiert. In die einzelnen Themenbereiche wie Telefon, Musik und Navigation kann man durch neue Tasten nun direkt einsteigen, das ist sehr angenehm. Auch der Drehregler für die Laustärke ist ein Segen. Weiterhin muss man sagen, dass das Layout des Multimediasystems moderner sein könnte, allerdings ist die Bedienung sehr logisch und alle wichtigen Funktionen sind vorhanden. Es gibt also effektiv wenig zu bekritteln im Innenraum, nur die Abdeckung am Lenkrad könnte man optimieren und die Armauflage in der Mittelkonsole ein paar Zentimeter länger machen.
Qualität setzt sich durch: Der geräumige und hochwertig gemachte Innenraum gehört zu jenen Cockpits, mit denen man richtig zusammenwächst.Qualität setzt sich durch: Der geräumige und hochwertig gemachte Innenraum gehört zu jenen Cockpits, mit denen man richtig zusammenwächst.
Rote Nähte am schwarzen Lederlenkrad.Rote Nähte am schwarzen Lederlenkrad.
Rot lackiertes Aluminium, rot vernähtes Leder.Rot lackiertes Aluminium, rot vernähtes Leder.
Angedeutete Ziernähte im Kunststoff.Angedeutete Ziernähte im Kunststoff.
Adaptive Dämpfer vergrößern den zwischen Sport und Komfort.Adaptive Dämpfer vergrößern den zwischen Sport und Komfort.
Digitale Tempoanzeige und sehr großer Drehzahlmesser.Digitale Tempoanzeige und sehr großer Drehzahlmesser.
Mit 4,50 Metern Länge ist der Civic überdurchschnittlich groß für die Kompaktklasse – und das spürt man auch im Kofferraum. Kleiner Anstieg nach hinten.Mit 4,50 Metern Länge ist der Civic überdurchschnittlich groß für die Kompaktklasse – und das spürt man auch im Kofferraum. Kleiner Anstieg nach hinten.

Fahren wir los. Wie passen die Sport Line und der Motor mit nur 998 Kubikzentimetern Hubraum zusammen?
Das ist das wirklich Erstaunliche an diesem Auto. Es zeigt das Talent der Sportmarke Honda, die durch ihre hochwertige Technik auch ein sparsam-komfortables Alltagsauto richtig flott machen kann: Niedriger Schwerpunkt, exakte Lenkung und eine Fahrwerksabstimmung auf der knackigeren Seite machen das Handling unterhaltsam. Bemerkenswert dabei: trotz sportiver Grundausrichtung bleibt das Auto komfortabel – wer den Schwerpunkt niedrig hält, kommt auch gut um die Kurve, wenn er das Fahrwerk nicht zu hart macht. Und adaptive Dämpfer erleichtern den Spagat ja zusätzlich.
Aber auch der 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbo wirkt außergewöhnlich feingeschliffen. Durch die gleichmäßige Kraftentfaltung hat er eine fast elegante Art, wer hätte das bei einem Dreizylinder für möglich gehalten! Man beginnt den Motor sehr zu schätzen, auch weil er von unten heraus flott antritt und den recht leichten Civic auch insgesamt gut beschleunigt. Wir waren immer wieder sehr flott unterwegs. Irgendwann merkt man schon auch, dass man eben nur 126 PS unter der Haube hat – aber auf der Autobahn hat uns das nie gestört, und wenn wir Überland auf zwei, drei Überholmanöver verzichtet haben, war es viel. Akustisch bleibt der Dreizylinder im Alltag erstaunlich im Hintergrund. Erst wenn man den Motor voll ausdreht, hört man ihn stärker, ohne dass er aufdringlich wird. Und schließlich ist das Motor-Downsizing bei Honda auch ein ökologisch-ökonomischer Erfolg: Der Motor ist fast so sparsam wie ein Diesel, in der Regel steht im Schnitt ein Sechser vor dem Komma.


Wie fällt das Fazit nach dem Intensiv-Test mit dem Civic Sport Line aus?
Die Sportmarke Honda hat das seltene Talent, ein sparsam-komfortables Alltagsauto richtig flott zu machen. In der neuen Sport Line zitiert der Civic das Design der kultigen Rennstreckenrakete Type R. Sportlich wertvoll macht ihn die hochwertige Technik: Wer die Lenkung so gut einstellt und den Schwerpunkt so niedrig hält, kommt auch gut um die Kurve, wenn er das Fahrwerk nicht zu hart macht. Und wer einen Dreizylinder-Turbo mit nur 998 Kubikzentimetern Hubraum so lebhaft und elegant macht, erzeugt auch mit kleinem Motor großen Fahrspaß.

Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Die Sportmarke Honda hat das seltene Talent, ein sparsam-komfortables Alltagsauto richtig flott zu machen.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Die Sportmarke Honda hat das seltene Talent, ein sparsam-komfortables Alltagsauto richtig flott zu machen."

DATEN & FAKTEN

Honda Civic 1.0 VTEC Turbo Executive Sport Line

(Mai 2020)

Preis

31.390 Euro. Einstiegspreis Civic: 22.890 Euro.

Antrieb

Dreizylinder-Reihenmotor mit Turbo-Aufladung, 12 Ventile, zwei obenliegende Nockenwellen (DOHC) Leichtmetall-Motorblock und -Zylinderkopf, variable Ventilsteuerung VTEC mit Dual VTC, 998 cm3, 126 PS, 200 Nm. 6-Gang-Schaltgetriebe. Frontantrieb.

Abmessungen

Länge 4.518 mm, Breite 1.799 mm, Höhe 1.434 mm. Radstand 2.697 mm. Kofferraumvolumen 420 – 1.267 Liter.

Gewicht

Eigengewicht 1.281 - 1.362 kg, max. Gesamtgewicht 1.775 kg.

Fahrwerte

Vmax 205 km/h, 0-110 in 11,2 sec, Normverbrauch 6,2 l/100 km, CO2-Emission 140 g/km.

Testverbrauch

6,5 Liter.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

8 Punkte

Vernunft

9 Punkte

Preis-Leistung

8 Punkte

Gesamturteil

9 Punkte
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