loading...

Test: Jeep Compass 4xe

Test: Jeep Compass 4xe

Der Sportkletterer

Der jeepigste aller aktuellen Jeeps: Ein spezieller Motor an der Hinterachse rüstet den Compass 4xe für Kletterpassagen, aber auch für sportives Bergstraßenfahren mit 375 PS. Soviel Technik gibt es zwar nur in der Topversion, der Preis für das Paket ist aber attraktiv.
Um welches Auto geht es?
Wer von jedem Jeep ein Wrangler-ähnliches Fahrgefühl erwartet, hat die Entwicklung der Marke bereits seit den 1980er-Jahren verpasst – mit dem Cherokee baute Jeep ja damals schon ein hochgestelltes Familien-Freizeit-Fahrzeug. Dass heute allerdings fast jede Marke ein SUV anbietet, macht es den Traditionsherstellern nicht leichter, sich weiter abzuheben.
 
Das gilt natürlich auch für den Anfang 2026 in dritter Generation gestarteten Compass, der zunächst nur in Frontantriebsversionen mit Hybrid- oder Elektroantrieb und einem Leistungsspektrum von 145 bis 231 PS erhältlich war. Mit hohem Reisekomfort und familienfreundlicher Außenlänge ist er konsequent am Kompakt-SUV-Markt ausgerichtet. Technisch bauen Opel, Peugeot und Citroen auf der gleichen STLA Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns auf. Optisch werden innen und außen Jeep-Elemente eingeflochten. Es handelt sich also bisher um eine Designentscheidung.
 
Beim Compass 4xe ist das etwas anderes, das Topmodell der Baureihe ist der jeepigste aller aktuellen Jeeps. Über einen nur von Jeep verwendeten Hinterachsmotor bekommt der 4xe nicht nur mehr Kraft und Gefühl fürs Klettern, sondern auch 375 PS für sportliche Landstraßenetappen. Dazu kombiniert wird eine große 96-kWh-Batterie für vernünftige Reisereichweiten. Der Modellname 4xe leitet sich vom klassischen Allradantrieb 4x4 („four-by-four“) ab, wobei das „x“ für den Allrad und das „e“ für den elektrischen Antrieb steht – man sagt also Compass „four-by-e“ (Aussprache „four-by-i“). Die Modellpositionierung kann man aus zwei Perspektiven sehen: Puristen werden bedauern, dass es den Compass 4xe nur in dieser Topversion gibt. Kluge Rechner dürften feststellen, dass der Preis für das Einmal-alles-Paket durchaus attraktiv ist. Zu den Konkurrenten zählen zum Beispiel die Volkswagen-Gruppe mit VW ID.4 GTX 4Motion, Skoda Enyaq RS und Cupra Tavascan 4Drive sowie der ebenfalls auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten basierende Ford Explorer AWD, aber auch der Hyundai Ioniq 5 mit Allradantrieb.
 
Wie schaut er aus?
Mit einer Frontpartie aus schwarz-grauem Kunststoff unterscheidet sich die Allradversion des Compass auf den ersten Blick von den vorne teillackierten Frontantriebsversionen. Das verhindert Kratzer und zahlt gleichzeitig auf das 4x4-Image ein, so eine Funktionskleidung tragen SUVs ja normalerweise nicht. Auffällig ist noch der rote Abschlepphacken am Heck, nahezu unsichtbar dagegen die zum Schutz vor Ästen nach oben verlagerte Frontkamera. Durch das um zehn Millimeter höhere Fahrwerk beträgt die Bodenfreiheit beim Allradmodell 21 Zentimeter – keine Sensation für die Offroad-Welt, aber gut für ein SUV. Das gilt in ähnlicher Form auch für die dank kurzer Überhänge ambitionierten Böschungswinkel von 31 Grad vorne und 28 Grad hinten, den Rampenwinkel von 17 Grad und die Wattiefe von 48 Zentimetern.
 
Das Compass-Design hat modernen SUV-Charakter, garniert mit klassischen Jeep-Elementen, die bei keinem Modell fehlen dürfen: Dazu gehören Radausschnitte in leicht eckiger Form und sieben schwarze Rechtecke mit LED-Beleuchtung, die auch im Elektro-Zeitalter an den klassischen Jeep-Kühlergrill mit ebenso vielen Lüftungsschlitzen erinnern.
 
In den Außenabmessungen ist die dritte Compass-Generation deutlich gewachsen (und der 4xe ist durch die speziellen Stoßfänger noch etwas länger), sie hat in der Länge bis zu 19 Zentimeter, in der Breite acht Zentimeter und im Radstand 16 Zentimeter zugelegt: 4,59 Metern Außenlänge und 2,79 Metern Radstand sind großzügige, aber nicht überbordende Werte für ein Kompakt-SUV des C-Segments. Es handelt sich um den üblichen, sehr beliebten Kompromiss zwischen Familien- und Stadtkomfort.
Sieben schwarze Rechtecke mit LED-Beleuchtung erinnern auch im Elektro-Zeitalter an den klassischen Jeep-Kühlergrill mit ebenso vielen Lüftungsschlitzen.Sieben schwarze Rechtecke mit LED-Beleuchtung erinnern auch im Elektro-Zeitalter an den klassischen Jeep-Kühlergrill mit ebenso vielen Lüftungsschlitzen.
Über einen nur von Jeep verwendeten Hinterachsmotor bekommt der 4xe mehr Kraft.Über einen nur von Jeep verwendeten Hinterachsmotor bekommt der 4xe mehr Kraft.
Die Overland-Ausstattung umfasst schwarz-rote Beklebungen der Fronthaube.Die Overland-Ausstattung umfasst schwarz-rote Beklebungen der Fronthaube.
Wenn der Compass 4xe auf rutschigem Waldboden mit einem Rad in der Luft hängt, werden hohe Kräfte gut dosiert auf die Räder mit Traktion übertragen.Wenn der Compass 4xe auf rutschigem Waldboden mit einem Rad in der Luft hängt, werden hohe Kräfte gut dosiert auf die Räder mit Traktion übertragen.
Was bietet der Compass 4xe im Innenraum?
Das Allradmodell hebt sich durch spezielle braun-schwarze Sitzbezüge mit strapazierfähiger Kunststoffbeschichtung ab. Auf der Rückseite der Vordersitze ist ein Molle-System zum Fixieren von Taschen und Ausrüstungsgegenständen integriert. Serienmäßig sind auch robuste Gummifußmatten. Lenkrad und Windschutzscheibe können im 4xe beheizt, die Sitze optional auch gekühlt werden.
 
Das Compass-Innendesign forciert den Abenteuer-Look der Marke mit einem kantigen Armaturenbrett und rutschfesten Ablagen, die groß und praktisch sind. Der Fahrer blickt auf ein angenehm reduziertes 10-Zoll-Display und kann sich optional ein Head-up-Display dazunehmen, dass sogar die Navigations-Hinweise von Android Auto übernimmt. Das Multimediasystem mit dem großen 16-Zoll-Touchscreen im Querformat integriert an den Seiten auch die Temperatursteuerung. Unter dem Bildschirm und am Lenkrad gibt es zudem Tasten, deren Haptik aber nicht ganz optimal ist. Die Multimedia-Software arbeitet flott und ist weitgehend logisch aufgebaut. Die Materialwahl ist ein Mix aus harten Kunststoffen und Soft-Touch-Flächen mit Ziernähten. Der rote Selec-Terrain-Bereich für die Allrad-Modi und das beleuchtete Fahrstufenrad setzten Designakzente.
 
Der Innenraum ist geräumig wie von einem C-Segment-SUV mit 4,55 Meter Außenlänge erwartet. Auf den Vordersitzen ist genügend Platz in jeder Richtung, auch die hinten Sitzenden können sich über ziemlich gute Beinfreiheit freuen, die Kopffreiheit ist ohnehin kein Thema. Hinter der Heckklappe wartet ein bis zu 515 Liter fassender Gepäckraum – das ist sehr ordentlich. Die Rücksitze können im Verhältnis 40:20:40 nach vorne umgelegt werden und ergeben eine fast ebene Ladefläche.
Das Compass-Innendesign forciert den Abenteuer-Look der Marke mit einem kantigen Armaturenbrett und rutschfesten Ablagen, die groß und praktisch sind.Das Compass-Innendesign forciert den Abenteuer-Look der Marke mit einem kantigen Armaturenbrett und rutschfesten Ablagen, die groß und praktisch sind.
Roter Selec-Terrain-Bereich für die Allrad-Modi, beleuchtetes Fahrstufenrad.Roter Selec-Terrain-Bereich für die Allrad-Modi, beleuchtetes Fahrstufenrad.
Dickes Lenkrad, etwas gewöhnungsbedürftige Lenkradfernbedienung.Dickes Lenkrad, etwas gewöhnungsbedürftige Lenkradfernbedienung.
Das Allradmodell hebt sich durch spezielle braun-schwarze Sitzbezüge mit strapazierfähiger Kunststoffbeschichtung ab. Molle-System auf der Rückseite.Das Allradmodell hebt sich durch spezielle braun-schwarze Sitzbezüge mit strapazierfähiger Kunststoffbeschichtung ab. Molle-System auf der Rückseite.
Was schaut das Technik-Paket im Detail aus?
Der Compass 4xe basiert auf dem Dualmotor-Prinzip mit je einem Antriebsmodul an jeder Achse. Die maximale Leistung beträgt 157 kW vorne und 132 kW hinten, das maximale Drehmoment 345 Newtonmeter vorne und 232 Newtonmeter hinten. Besonders ist dabei der Heckmotor, er wurde speziell für Jeep entwickelt und hat die höchste Leistung und das höchste Drehmoment aller STLA Medium-Modelle. Ein 14:1-Reduktionsventil fungiert als Untersetzungsgetriebe, wodurch bis zu 3.100 Newtonmeter Raddrehmoment an den Hinterrädern aufgebaut werden können (nicht zu verwechseln mit dem Motordrehmoment). Das Selec-Terrain-System hat einen Sport-Modus mit 30:70-Drehmomentverteilung sowie die Offroad-Modi 4WD Lock/Snow/Sand-Mud mit 50:50-Aufteilung.
 
Die Systemleistung beträgt 375 PS, ein sehr hoher Wert für Kompakt-SUVs. Aus dem Stand sind in 5,4 Sekunden die 100 km/h erreicht, bei 180 km/h wird abgeregelt. Das 4xe-Modell zieht die Energie serienmäßig aus einer Long-Range-Batterie mit Lithium-Ionen-Zellchemie und rund 96 kWh Netto- sowie 103 kWh Bruttokapazität. Je nach Reifengröße beträgt die WLTP-Reichweite 571 bis 60 Kilometer. DC-Laden mit 160 kW bringt die Batterie in 27 Minuten von 20 auf 80 Prozent.
Der Allradantrieb wirkt nicht nur im Gelände. Sportiv lässt sich der 375 PS starke Compass 4xe auch auf asphaltierten Bergstraßen bewegen.Der Allradantrieb wirkt nicht nur im Gelände. Sportiv lässt sich der 375 PS starke Compass 4xe auch auf asphaltierten Bergstraßen bewegen.
Wie fährt sich der Compass 4Xe?
Wir waren zuerst im Gelände und hatten dort die 50:50-Sperre sowie den Match-Modus aktiviert. Eine Taste für das Untersetzungsgetriebe gibt es ohne mechanischen Durchtrieb natürlich nicht mehr. Die Kompetenz des elektronischen Allradantriebs ist dann aber schön zu sehen, wenn der Compass 4xe auf rutschigem Waldboden mit einem Rad in der Luft hängt. Nach einer kurzen Erstkalibrierung werden hohe Kräfte auf die Räder mit Traktion übertragen — und weil der elektrische Antrieb sofort das maximale Drehmoment liefert, aber auch weil Traktionskontrollen und Getriebe gut abgestimmt sind, lässt sich der Compass 4xe wohldosiert aus der Schräglage befreien. Auch beim Powerdrift auf Erdboden zeigt sich bis an die Belastungsgrenze der Hinterreifen, wie viel Kraft gezielt dorthin geleitet wird. Da sollte dann auf Schneefahrbahnen auch guter Wintersport möglich sein.
 
Sportiv lässt sich der Compass 4xe auch auf asphaltierten Bergstraßen bewegen. Wie sein Sprintwert von gut fünf Sekunden auf Hundert schon andeutet, hat er mit Steigungen kein Problem. Die Seitenneigung des Fahrwerks ist für ein SUV gering, der Grip ist gut, und auch in der Kraftverteilung ist das elektronische 4xe-System so aktiv, dass sich dieser Jeep kraftvoll ohne Untersteuern aus der Kurve ziehen lässt. Die Bremen sind vernünftig dosierbar, die Lenkungen ist zwar kein Sportgerät, aber auch kein Stimmungskiller. Auch wenn der Compass 4xe mit seiner großen Batterie satte 2.350 Kilo wiegt – mit ambitioniertem Tempo über die Land- und Bergstraßen zu eilen, ist mit ihm eine durchaus schlüssige Angelegenheit. Gleichzeitig ist der Komfort so gut, wie ihn Familien brauchen. Der Antrieb lässt sich im Alltag gut dosieren, es kommt keine Hektik auf, wie sie sportive Modelle manchmal zeigen. Zwar ist das Abrollen bei groben Unebenheiten hör- und spürbar, darüber hinaus ist das Fahrwerk aber ausgewogen abgestimmt. Antriebsgeräusche sind nicht zu hören, Windgeräusche stets moderat.
 
Die Reichweite mit der 96-kWh-Batterie ist gut. Der erste Test zeigt: Um die 21 kWh Verbrauch und somit gut 550 Kilometer Reichweite dürften bei moderater Fahrweise auf jeden Fall machbar sein, auch auf der Autobahn sind zwischen 300 und 400 Kilometer am Stück realistisch.
 
Wie ist der Preis einzuschätzen?
Den 4xe-Allradantrieb gibt es für den Compass nur in der technischen Topversion mit 375 PS und großer 96-kWh-Batterie, somit bewegt sich der Listenpreis je nach Ausstattung zwischen 53.800 Euro (Upland) und 57.300 (Overland). Jeep geht aber bei Finanzierung auf 49.600 Euro Aktionspreis runter und bietet Raten ab 315 Euro pro Monat. Für so ein Technik-Paket ist das ein attraktiver Preis und unterhalb einiger direkter Konkurrenten. Bestellungen für den Compass 4xe sind seit Juni 2026 möglich, die Auslieferungen starten im Dezember 2026.
 
Das Fazit?
Durch einen speziell entwickelten und nur bei Jeep eingesetzten Motor an der Hinterachse ist der Compass 4xe ein besserer Kletterer als die meisten SUVs, durch stolze 375 PS und eine gelungene Abstimmung aber auch ein sportives Auto auf der Straße. Dass es diese Technik nur in der Topversion mit hoher Leistung und großer Batterie gibt, treibt den Preis für die Allradversion – für das hochentwickelte Paket ist die Jeep-Kalkulation aber attraktiv.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Der speziell entwickelte und nur bei Jeep eingesetzte Motor an der Hinterachse macht den Compass 4xe zu einem besseren Kletterer als die meisten SUVs, mit stolzen 375 PS und gelungener Abstimmung aber auch zu einem sportivem Auto auf der Straße.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Der speziell entwickelte und nur bei Jeep eingesetzte Motor an der Hinterachse macht den Compass 4xe zu einem besseren Kletterer als die meisten SUVs, mit stolzen 375 PS und gelungener Abstimmung aber auch zu einem sportivem Auto auf der Straße."

DATEN & FAKTEN

Jeep Compass 4xe

(August 2026)

Preis

53.800 bis 57.300 Euro. Aktionspreis bei Finanzierung ab 49.600 Euro.

Antrieb

Zwei Synchron-E-Motoren, Leistung 375 PS, Drehmoment 345 Nm vorne / 232 Nm hinten, Automatik, Allradantrieb. Batteriekapazität: 96 kWh. DC-Laden mit bis zu 160 kW, AC-Laden mit 11 kW / 22 kW.

Abmessungen

Länge 4,59 Meter / Breite mit eingeklappten Spiegeln 1,93 Meter / Höhe 1,68 Meter. Radstand 2,79 Meter. Kofferraumvolumen 515 – 1.572 Liter.

Gewicht

Eigengewicht: 2.347 kg. Anhängelast gebremst: 1.300 kg.

Fahrwerte

0-100 km/h 5,4 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit 180 km/h. WLTP-Normverbrauch 19,5 – 20,7 kWh. WLTP-Reichweite 571 – 606 km.
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT