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INTENSIV-TEST: KIA PROCEED 1.5 T-GDI

Sagen Sie nicht Kombi

Das Shooting Brake-Konzept verbindet Design mit Nutzwert und gibt eine schöne Antwort auf den SUV-Boom. Jetzt fährt der ProCeed mit einem 160-PS-Mild-Hybrid, der wie ein Diesel sparen, aber auch Sportmöglichkeiten für die ganze Ceed-Familie bieten soll. Die neue Variante im Motoprofis-Test.
Kia interpretiert den Kombi neu. Was steckt hinter dem Konzept „Shooting Brake“?
Kompakte Kombis sind unglaublich praktisch, sie gehören bisweilen zu den sinnvollsten Autos überhaupt, weil sie enormes Ladevolumen mit vernünftigen Abmessungen und Preisen vereinen. Leider sind kompakte Kombis nicht besonders sexy und daher oft nur als Firmenwagen im Einsatz.
Kia nutzt den Umstand, dass diese Karosserieform sogar so praktisch ist, dass man ihr Ladevolumen wegzwicken kann, um den Designern sportliche Gestaltungsmöglichkeiten zu geben – und am Ende trotzdem noch ein sinnvolles Auto herauskommt. Das Ergebnis ist ein Shooting Brake, dessen Name daran erinnert, das es ursprünglich der englische Adel war, der auf diese Idee kam: Die Snobs wollten ihre Sportcoupés eben auch zum Jagen nutzen verpassen ihnen ein Kombiheck.
Indes bleibt Shooting Brake als Konzept etwas Besonderes, neben Kia mit dem ProCeed haben nur noch Porsche mit dem Panamera Sport Turismo und Mercedes mit dem CLA Shooting Brake diese Idee verwirklicht.

Was heißt „Shooting Brake“ für das ProCeed-Design?
Eine niedrige Dachlinie fällt beim ProCeed über eine sehr schräg gestellte Heckscheibe dynamisch nach hinten ab. Das Heck selbst ist eine sehr schöne Rundung, die durch schmale Lichter in die richtige Proportion gesetzt und per Leuchtband veredelt wird. Die Silhouette wurde nach Kräften gestreckt, zwar ist der ProCeed technisch mit dem Golf-Gegner Ceed verwandt, er ragt mit 4,60 Metern Außenlänge aber über die Kompaktklasse hinaus.
Treffen sich Coupé und Kombi: Die niedrige Dachlinie fällt über eine sehr schräg gestellte Heckscheibe dynamisch nach hinten ab.Treffen sich Coupé und Kombi: Die niedrige Dachlinie fällt über eine sehr schräg gestellte Heckscheibe dynamisch nach hinten ab.
Schöne Rundung, per Leuchtband veredelt.Schöne Rundung, per Leuchtband veredelt.
Hochwertige LED-Lichter, sportliche Lufteinlässe.Hochwertige LED-Lichter, sportliche Lufteinlässe.
Die Silhouette wurde nach Kräften gestreckt, der ProCeed ragt mit 4,60 Metern Außenlänge über die Kompaktklasse hinaus.Die Silhouette wurde nach Kräften gestreckt, der ProCeed ragt mit 4,60 Metern Außenlänge über die Kompaktklasse hinaus.
Dem ProCeed steht ein kleines Update bevor…
Das Testmodell ist noch Jahrgang 2021. Zum Modelljahr 2022 (ab Anfang Oktober erhältlich) macht sich die Ceed-Familie etwas frisch, es gibt ein kleines Facelift mit dezenten Retuschen, dazu neuen Felgen und Farben sowie erweitertem Assistenz- und Infotainment-Funktionen.
 
Neu ist der 1,5-Liter-Motor des Testwagens – was bietet er?
Für viele Käufer ist er wohl die goldene Mitte, denn die ProCeed-Einstiegsvariante mit 120 PS ist mehr auf Designfans ohne große sportliche Ansprüche zugeschnitten und die Topversion mit 204 PS muss man sich schon leisten wollen.
Dazwischen ersetz jetzt der 160 PS starke 1.5 T-GDI den bisherigen 140-PS-Turbo-Benziner, wobei die erhöhte Leistung auch etwas früher verfügbar ist (bei 5.500 statt 6.000 U/min). Das Maximal-Drehmoment wächst von 242 auf 252 Newtonmetern und liegt weiter bei 1.500 Touren an, bleibt aber jetzt etwas länger aufrecht (bis 3.500 U/min statt 3.200/min). Im Hintergrund arbeitet eine 48-Volt-Elektrounterstützung, durch dieses Mild-Hybrid-System kann das Auto „segeln“, also in Gleitphasen den Motor abschalten. Auch die Beschleunigung unterstützt das Batteriesystem mit sanftem Elektro-Anschub.
Der neue Motor steht für alle vier Varianten der Ceed-Familie zur Verfügung, also den normalen Ceed, den Kombi Ceed Sportswagon, den Crossover XCeed und den hier getesteten Shooting Brake ProCeed. 
 
Wie fährt sich der neue 1.5 T-GDI?
Gut. Der neue Motor hat jene Ausgewogenheit, die man haben sollte, wenn man in der Mitte der Preisliste steht. Er kann einerseits sportliche Fahrer zufriedenstellen, denn er tritt durchaus entschlossen an, wenn man das will, und er marschiert ordentlich, wenn man ihn ausdreht. Andererseits bleibt der Vierzylinder-Turbo gelassen und unauffällig bei entspannter Fahrweise, ist also auch eine gute Wahl für komfortorientierte Fahrer. Das automatische 7-Gang-Doppelkupplungssystem harmoniert in beiden Fällen.
Für diesen technisch verblüffend abgeklärten Kia ist der 1.5 T-GDI eine souveräne Ergänzung, zumal der Verbrauch nicht wesentlich höher als bei Dieselmotoren ist: Wir waren in der Stadt mit 6,8 Liter unterwegs und kamen im Gesamtschnitt auf 6,2 Liter. Auch Werte unter sechs Liter sind absolut möglich.
Größtmöglichen Klarheit: Es gibt in der Kompaktklasse aufregendere Innenräume, aber kaum angenehmere.Größtmöglichen Klarheit: Es gibt in der Kompaktklasse aufregendere Innenräume, aber kaum angenehmere.
Entspannende Geräuschkulissen können eingespielt werden.Entspannende Geräuschkulissen können eingespielt werden.
Verkehrsinformationen, Parkgaragen und Spritpreise werden live übermittelt.Verkehrsinformationen, Parkgaragen und Spritpreise werden live übermittelt.
Sportliche Sitze und Sitzbezüge mit Alcantara, Ledereinsätzen und farbigen Ziernähten in der „GT LineSportliche Sitze und Sitzbezüge mit Alcantara, Ledereinsätzen und farbigen Ziernähten in der „GT Line".
Die individualisierbaren Digitalarmaturen im Sportmodus.Die individualisierbaren Digitalarmaturen im Sportmodus.
Das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe agiert abgeklärtDas Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe agiert abgeklärt
Beim 1.5 T-GDI mit Automatik und 48-Volt-Mild-Hybridsystem ist der Stauraum etwas reduziert – auf immer noch gute 472 bis 1.423 Liter.Beim 1.5 T-GDI mit Automatik und 48-Volt-Mild-Hybridsystem ist der Stauraum etwas reduziert – auf immer noch gute 472 bis 1.423 Liter.
Diesel oder Plug-in-Hybrid gibt es nicht?
Der ProCeed beschränkt sich auf Benziner, aber die restliche Ceed-Familie fährt auch mit Diesel (CRDi) und Plug-in-Hybrid (PHEV).
 
Überzeugt das Fahrwerk?
In der neuen Generation fährt der Ceed mit der Abgeklärtheit der deutschen Klassenprimusse. Der Fortschritt steckt im Detail, erzeugt aber in Summe ein neues Fahrgefühl. Klar ist auch, dass der ProCeed trotz seiner Coupé-Designelemente kein forscher Leistungssportler ist: Mit einer gelungenen Balance aus Handling und Komfort ist seine Abstimmung ausgewogen im besten Sinn.
 
Wie viel Platz gibt es im Shooting Brake-Kofferraum?
Gegenüber dem klassischen Ceed SW, der einer der geräumigsten Kompakt-Kombis ist, büßt der ProCeed grundsätzlich erstaunlich wenig Stauraum ein: 594 bis 1.562 Liter sind voll familientauglich (und nicht ganz unwesentlich: der direkte Konkurrent CLA Shooting Brake hat einen kleineren Kofferraum). Beim getesteten 1.5 T-GDI mit Automatik und 48-Volt-Mild-Hybridsystem ist der Stauraum etwas dezimiert – auf immer noch gute 472 bis 1.423 Liter. Wer das volle Volumen will, hat drei ProCeed-Optionen: Den gleichen 160-PS-Motor mit Schaltgetriebe, aber ohne 48-Volt-System, sowie die 120- und die 204-PS-Variante.
Vom normalen Kombi übernimmt der ProCeed eine geradezu pedantische Detailbesessenheit: Haken, Ösen, Schienen, Netze, Fernentriegelung für die Fondlehnen, Staufach für die Laderaumabdeckung… 

Was kann man über das Cockpit sagen?
Es ist klassischer gestaltet als das Außendesign, vergleichsweise konservativ. Es gibt in der Kompaktklasse aufregendere Innenräume, aber kaum angenehmere. Kia hat sich hier ganz offensichtlich am langjährigen VW-Konzept der größtmöglichen Klarheit orientiert. Die Bedienlogik und die Übersichtlichkeit des Multimediasystems zum Beispiel sind hervorragend.
Die Sitzbezüge der getestete „GT Line“ mit Alcantara, Ledereinsätzen und farbigen Ziernähten sind durchaus nobel.
 
Wie schaute es preislich aus?
Design mit Nutzwert verbindet das Shooting Brake-Konzept des ProCeed auf schöne neue Art – sagen Sie also nicht Kombi zu ihm. Der neue 1.5 T-GDI mit 48-Volt-Mild-Hybridsystem, der auch in allen anderen Ceed-Modellen zum Einsatz kommt, ist ähnlich sparsam wie ein Diesel und durchaus sportlich unterwegs.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Der neue 1.5 T-GDI mit 48-Volt-Mild-Hybridsystem, der auch in allen anderen Ceed-Modellen zum Einsatz kommt, ist ähnlich sparsam wie ein Diesel und durchaus sportlich unterwegs. Design mit Nutzwert verbindet das Shooting Brake-Konzept des ProCeed auf schöne neue Art – sagen Sie also nicht Kombi zu ihm.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Der neue 1.5 T-GDI mit 48-Volt-Mild-Hybridsystem, der auch in allen anderen Ceed-Modellen zum Einsatz kommt, ist ähnlich sparsam wie ein Diesel und durchaus sportlich unterwegs. Design mit Nutzwert verbindet das Shooting Brake-Konzept des ProCeed auf schöne neue Art – sagen Sie also nicht Kombi zu ihm."

DATEN & FAKTEN

Kia ProCeed GT-Line 1.5 T-GDI ISG 48V DCT7

(August 2021)

Preis

37.890 Euro inkl. Topausstattung GT Line. ProCeed-Einstiegspreis: 33.290 Euro.

Antrieb

4-Zylinder Turbo-Benzinmotor mit Direkteinspritzung, 1.482 ccm, 160 PS bei 5.500 U/min, 253 Nm bei 1.500 – 3.500 U/min. 7-Gang-Automatik (Doppelkupplungsgetriebe). Frontantrieb.

Abmessungen

Länge 4,60 m, Breite 1,80 m, Höhe 1,42 m; Radstand 2.650 mm. Kofferraumvolumen 472 – 1.423 Liter.

Gewicht

Eigengewicht ca. 1.363 – 1.464 kg. Höchstzulässiges Gesamtgewicht 1.900 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, 0-100 in 8,8 sec. WLTP-Normverbrauch 5,6 – 6,0 Liter, C02-Emission 126 – 136 g/km.

Testverbrauch

6,2 Liter.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

8 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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