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MITSUBISHI X RED BULL EXTREME SAILING TEAM

Smells like team spirit!

Einmal Rasen ohne Räder – und ohne Straße: Die Extreme Sailing Series sind im Segeln in etwa, was die Formel 1 für den Motorsport ist – die Königsklasse. GC32 heißt die Bootskategorie, in der mit höchster Professionalität und High-Tech-Einsatz unglaubliche Leistungen zustande kommen. Ganz vorne mit dabei das Red Bull Team mit den österreichischen Segel-Legenden Hans-Peter Steinacher und Roman Hagara. Beim letzten Einsatz in Portugal mit an Bord und noch immer etwas wackelig auf den Beinen: Motorprofis.at
Mitsubishi ist mit dem L200 „Official Team Supplier” beim Red Bull Sailing Team, aus gutem Grund: „Ein Pickup ist für uns Segler perfekt. Man kann sich ja oft nicht vorstellen, was wir so mitschleppen: Das ganze Neopren-Gewand, die stinkenden Stiefel, all das schmeißt man einfach auf die Ladefläche, ohne das man Angst hat beim Einladen Kratzer zu machen” erzählt der zweifache Olympiasieger Hans-Peter Steinacher. Den L200 Pickup von Mitsubishi schätzt die österreichische Segel-Legende auch „weil er eine gute Kombination aus einer tollen Elektronik und einer gewissen Robustheit hat”.
 
Auf dem Festland bewegt sich das Red Bull Sailing Team also mit dem Mitsubishi L200, am Wasser ist es in den Extreme Sailing Series unterwegs, die im Segeln in etwa das sind, was die Formel 1 für den Motorsport ist. Was das bedeutet, wollten wir genauer wissen und sind beim letzten Einsatz in Portugal an Bord gegangen.
 
Der Lärm ist immens. Die beiden Rümpfe zischen durch das Wasser, knallen hart auf die Wellen, tauchen ein, heben sich wieder, Gischt hochreißend, die Segel schlagen in den Windböen, dazu das Rattern der Takelage. Knappe Zurufe der Besatzung, präzise Informationen, völlig ohne Hektik. Jeder kennt seinen Platz, seine Aufgabe, macht seinen Job. Die Einweisung als Neuling war kurz und bündig: Nicht im Weg sein, Kopf runter, bloß kein Seil anfassen. Letzteres wäre ohnehin illusorisch – sobald das Rennboot Fahrt aufnimmt ist man vor allem mit Festhalten beschäftigt. Die Extreme-Sailing-Webseite hat einen griffigen Vergleich parat: Wer wissen will, wie sich das ganze anfühlt soll einfach bei etwa 75 km/h und stürmischem Regen den Kopf aus dem Autofenster halten. Das vorher zu lesen wäre zumindest eine Warnung gewesen.
Und plötzlich Stille. Das ganze System in völliger Ruhe, nur noch ein stetes Pfeifen begleitet uns. Der Katamaran schießt über den Wellen dahin – wortwörtlich, denn der GC32 ist nichts anderes als ein windbetriebenes Tragflächenboot. Die Flügel – hier Foiles genannt – sind der letzte Kontakt zum Wasser, das Tempo atemberaubend, wir fliegen einen Meter über der Dünung dahin. Am Vorabend hat Hans-Peter Steinacher die Frage nach dem Schönsten in seinem Sport so beschrieben: „Der Moment, wenn du das ganze Ding völlig beherrscht, wenn alles passt und du weißt, das ist der perfekte Zustand und du steuerst ihn.“ Den haben wir dort draußen über den Wellen, man spürt es einfach, wenn er da ist. Das Hochgefühl darüber hält den ganzen Tag an.
Wer glaubt, Rennboote fahren heutzutage noch auf dem Wasser, hat wahrscheinlich auch noch ein Kabel an der Computermaus: Sie fliegen darüber!Wer glaubt, Rennboote fahren heutzutage noch auf dem Wasser, hat wahrscheinlich auch noch ein Kabel an der Computermaus: Sie fliegen darüber!
Keine Entwicklungs-Wettrennen, sondern nur welche, die sich auf dem Wasser abspielen: Die Normierung der GC32-Boote schließt Geheimniskrämerei und Materialschlachten aus.Keine Entwicklungs-Wettrennen, sondern nur welche, die sich auf dem Wasser abspielen: Die Normierung der GC32-Boote schließt Geheimniskrämerei und Materialschlachten aus.
Was steckt in und hinter der GC32-Klasse?
Wer sich nur alle paar Jahre und auch dann nur als Gast auf ein Boot verirrt, empfindet den Ritt auf einem GC32-Katamaran wie jemand, der noch nie ein Auto gelenkt hat und dann plötzlich in einem F1-Cockpit mitfährt. Die Klasse besteht seit 2016, entworfen wurde sie vom deutschen Segler-Design-Papst Dr. Martin Fischer – dem Mann, der die windbetriebene Tragflächentechnik überhaupt entdeckt, fahr- und wettbewerbstauglich tauglich gemacht hat. Rümpfe und Mast bestehen aus Carbon, womit der GC32 nur rund 950 Kilo auf die Waage bringt. 12 Meter misst der Katamaran in der Länge, 16,5 Meter streckt sich der Mast über dem Deck in den Himmel. 60 m2 Fläche am Hauptsegel, bis zu 90 am großen Vorsegel, 23,5 am kleinen. Beeindruckende Zahlen, die nicht annähernd wiedergeben, was sich damit draußen auf dem Wasser anstellen lässt. Wer das erste Mal einen Blick auf das Meer unter sich wirft und feststellt dass sein Boot es gar nicht mehr berührt, bekommt zumindest eine Ahnung davon. Und dabei war das nur die Trainingsfahrt vor dem Rennen, eine kleine Aufwärmrunde für die Mannschaft.
 
Teamgeist in neuer Konstellation
Die tritt im portugiesischen Lagos in leicht veränderter Zusammensatzung an. Roman Hagara fehlt, allerdings aus einem ehrenwerten Grund: Die olympischen Spiele in Tokio, bei denen er das österreichische Team als Coach begleitet. Seinen Platz als Steuermann an Bord übernimmt mit dem Australier Nathan Outteridge ein anderes Ausnahmetalent – in seiner Vita finden sich unter anderem Begriffe wie Olympiasieger, Weltmeister und America’s Cup-Racer. Corona-bedingt ist es heuer schon das zweite Gastspiel – hier Act genannt – der Extreme Sailing Tour in Lagos. Die Liga versucht, mögliche Reise-Untiefen die das Jahr noch bereithält auf diese Art möglichst zu umschiffen. Beim ersten Act Anfang Juli legte die Red Bull-Crew erst eine spektakuläre Kenterung hin um sich dann dennoch auf Platz 2 hochzukämpfen – smells like team spirit! Der Titelverteidiger und auch heuer vorerst Platzhirsch auf dem Siegerpodest: Die schweizer Alinghi – ein Name, der seit mittlerweile zwei Jahrzehnten im Segeln Klassensiege abhakt. Und ein Team, das ebenso lange besteht, fest eingespielt und professionell bis in den kleinsten Muskel. Schwierig zu schlagen, aber nicht unmöglich.
Bis zu 75 km/h erreicht der Hightech-Katamaran GC32 und fährt damit in der Königsklasse des Segelsports.Bis zu 75 km/h erreicht der Hightech-Katamaran GC32 und fährt damit in der Königsklasse des Segelsports.
Foiles heißen die verstellbaren Tragflächen, mit denen die Boote bei Topspeed bis zu zwei Meter über dem Wasser fliegen.Foiles heißen die verstellbaren Tragflächen, mit denen die Boote bei Topspeed bis zu zwei Meter über dem Wasser fliegen.
Meer statt Piste
Hans-Peter Steinacher ist mit Umweg über den Ski-Sport zum Segeln gekommen. Was seltsam klingen mag, weil sich da außer Wasser in unterschiedlichen Aggregatzuständen wenig Berührungspunkte auftun. Der junge Herr Steinacher ist seinerzeit bereits auf dem Weg zum Brettl-Profi und in seiner Altersklasse schon recht erfolgreich. Bis irgendwie klar wird, dass er nicht die ausreichende Körpermasse aufbauen kann, die es nun einmal braucht, damit die Physik hilfreich mitanpackt. Als also heraus ist, aus ihm wird kein Grissmann 2.0, findet er den Weg vom Schnee aufs Wasser. Und bringt dort prompt an, was er beim Skifahren gelernt hat: Seinen Körper aktiv einsetzen – womit er letztendlich den Segelsport mitrevolutioniert. Damals hängen die Leute nur einfach im Trapez draußen, starre Gegengewichte im Dienst der Trimmung. Steinacher macht mehr draus, bewegt sich mit, schafft so ganz andere Arten von Ausgleich. Und zusammen mit dem präzisen Taktiker Roman Hagara schließlich als einzige Österreicher 2000 und 2004 zwei Goldmedaillen bei olympischen Sommerspielen.
 
Vom Winde verweht
Am ersten Renntag vor Portugal spielt das Wetter nicht mit. Zwar meint es an der südwestlichsten Ecke Europas die Sonne gut, aber auch der Wind – zu gut zum Segeln leider. Die Böen erreichen Sturmstärke, die schweizer Black Star geht baden, Ruder und Foiles nach oben, Mast unten – zu allem Überdruss verhakt er sich auch noch am Meeresgrund. Aber keine Verletzungen außer vielleicht ein bisschen am Stolz. Über Nacht wird das Boot wieder fit gemacht, was an Material nicht im eigenen Fundus ist, steuern die anderen Teams bei – beim Extreme Sailing ist auch der Zusammenhalt untereinander besonders. Die Boote sind durch das Reglement normiert, womit Logistik und Kosten beherrschbar bleiben – und dank der Teilegleichheit eben gegenseitig ausgeholfen werden kann. Black Star macht das beste draus und kopiert den Red Bull-Wiederaufsteher vom Vormonat – die Schweizer werden in Portugal an diesem Wochenende insgesamt auf Platz 2 landen.
 
Die goldene Mitte
Am zweiten Tag startet die Tour früher – die Wetterdaten sind so exakt wie beim Flugverkehr und sagen für den Morgen und Vormittag guten Wind voraus, später wieder raue Verhältnisse. Gewertet wird das Durchfahren der dafür gesetzten Wendebojen – welchen Weg der Hightech-Katamaran zwischen denen nimmt, bleibt den jeweiligen Teams überlassen. Wer das Glück hat, die Manöver von einer der Begleitboote beobachten zu können, kommt in einen besonderen Genuss: Das unglaubliche Zusammenspiel der Mannschaft mitzuerleben. Da arbeiten nicht einfach vier Menschen – es ist die Choreografie einer perfekten Einheit, kompakt, koordiniert und präzise. Aber durchaus mit individuellem Charakter: Die Red Bull Crew wählt öfters ganz eigene Wege zwischen den Bojen, während die anderen meistens im Pulk unterwegs sind. Mal klappt es damit besser, mal weniger gut – am Ende des Events wird es die goldene Mitte: Platz drei von sechs Teams ex aequo mit der französischen Zoulou. In der nach zwei Acts noch inoffiziellen, weil erst nach drei zählenden Gesamtwertung, ebenfalls Platz drei – für ein Team, das in dieser Zusammenstellung zum ersten Mal segelt, ein grandioses Ergebnis. Den Sieg holt sich erwartungsgemäß die Alinghi. Die Jagd auf sie findet in der nächsten Runde vor Sardinien statt, dann ist auch Roman Hagara wieder mit im Team.
Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher in Action – die zweifachen Olympiasieger sind auch in der GC32 Extreme Sailing Tour vorne dabei.Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher in Action – die zweifachen Olympiasieger sind auch in der GC32 Extreme Sailing Tour vorne dabei.
Auf dem Festland ist das Red Bull Extreme Sailing Team (hier Roman Hagara) mit dem …Auf dem Festland ist das Red Bull Extreme Sailing Team (hier Roman Hagara) mit dem …
Pickup L200 von Mitsubishi unterwegs (im Bild Hans-Peter Steinacher).Pickup L200 von Mitsubishi unterwegs (im Bild Hans-Peter Steinacher).
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