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BMW-STAR LUCAS AUER IM INTERVIEW

"BMW kann alles lösen!"

Es ist der spekakulärste Transfer der DTM-Winterpause. Der Tiroler Lucas Auer, einst im Mercedes auf Titelkurs und zuletzt als Red Bull Junior in Japan in Aktion, wechselt zu BMW, und kehrt damit in die beste Tourenwagen-Meisterschaft Europas zurück. Im Interview spricht der 25-jährige Kufsteiner über seine Motive und seine Ziele 2020. Plus: Die schönsten Bilder aus seiner Japan-Zeit.

Du kehrst in die DTM zurück. Ich gehe davon aus, dass du auch in Japan Möglichkeiten gehabt hättest. Ist es eine rein sportliche oder auch eine emotionale Entscheidung? Weil ein Tiroler meist lieber in den Bergen lebt als in einem Moloch wie Tokio.
Ich hätte das Projekt in Japan auch noch weiter durchziehen können, aber ich hatte bei BMW von Anfang an ein gutes Gefühl. Und am Ende haben wir ein Paket geschnürt, bei dem ich nicht mehr lange überlegen musste.


Ist Japan abgeschlossen? Oder darfst du neben dem BMW-Programm auch in anderen Serien fahren?
BMW und DTM müssen Priorität haben. Aber wenn es die Möglichkeit gibt, dass du dich noch weiterentwickelst, dann legt dir keiner Steine in den Weg.


Auch bei anderen Marken?
Da muss man abwarten. Die DTM mit BMW hat Priorität.


Es ist kein Geheimnis, dass du bei BMW schon für 2019 auf der Wunschliste warst. Wart ihr danch immer in Kontakt?
Wir hatten schon ein paar Mal Kontakt und haben im Vorjahr nach dem Mercedes-Ausstieg intensiv miteinander gesprochen. Danach gab es nie einen Abbruch des Kontakts. Ich war immer informiert, was wer macht - und wir haben dann die Gespräche wieder aufgenommen.


Wer ist dein Hauptansprechpartner? Mike Krack von BMW-Motorsport?
Ja. Mike und Jens.


Wie viel kriegt man als Mercedes-Werksfahrer von einem gegnerischen Team wie BMW mit? Trifft man sich da eh im Hotel an der Bar,  oder kennst du nur einige wenige Leute aus deiner ersten DTM-Ära?
Ein paar Leute kennt man schon, weil dafür läuft man sich zu oft über den Weg. Man kennt sich also schon ein bisschen aus, aber man beurteilt natürlich von außen, was man sieht. Man überlegt, was wer machen könnte. Man kennt auch ein paar Leute –  aber viel kann man nicht herausquetschen, weil jeder nur am eigenen Erfolg interessiert ist.


 

2018 lieferten sich Philipp Eng und Lucas Auer einige spannende Duelle. Nun werden die beiden einzigen österreichischen DTM-Sieger bei BMW Teamkollegen.2018 lieferten sich Philipp Eng und Lucas Auer einige spannende Duelle. Nun werden die beiden einzigen österreichischen DTM-Sieger bei BMW Teamkollegen.

Wie intensiv hast du die DTM verfolgt? Du warst zuletzt am Nürburgring und in Hockenheim bei den Rennen vor Ort.
Ich habe mir schon die meisten Rennen angeschaut. Ich bin ein Freak und schaue mir das meiste an, auch in Japan. Teilweise habe ich das ganze Rennen auf YouTube aus der Onboard-Kamera angeschaut. Weißt du, wie langweilig das ist, bis es losgeht? (lacht) Trotzdem waren die Rennen gut. Jedes Wochenende haben ja andere Fahrer die Onboard-Kamera.

Wie hast du die Saison von BMW in der DTM erlebt?
Sie sind mega gestartet, aber dann wurden sie von Audi überholt. Ich bin der Falsche, um die Gründe zu beurteilen, aber schon jetzt bei den Young-Driver-Tests haben sie wichtige Fortschritte gemacht. Das ist auch das Lässige bei BMW: Wenn man diese Vergangenheit anschaut - wie erfolgreich sie sind, egal wo – das ist schon cool.


Hast du eine Erklärung, wieso die Leistung so eingebrochen ist?
Nein, da bin ich echt der Falsche.


Aber es sind Probleme, die man über den Winter lösen kann, oder?
BMW kann alles lösen.


Wie gut kennst du deine neuen Kollegen?
Mit Philipp Eng ist es immer lustig, mit Timo Glock auch. Oder auch nicht so, wenn er dich abschießt (lacht). Die meisten kenne ich, aber keinen wirklich gut. Am ehesten noch Philipp, aber auch ihn habe ich eigentlich erst in der DTM kennengelernt - bei den Fahrerbesprechungen.


Ist das "Derby" gegen Eng ein Prestigeduell, weil er aus dem gleichen Land ist?
Mir wäre das wurscht, denn ich möchte am Ende oben stehen. Wer auch immer dann der größte Herausforderer ist, den gilt es zu schlagen.


 




 

BMW-Sportchef Jens Marquardt bemühte sich schon seit längerer Zeit um die Dienste des Tirolers.BMW-Sportchef Jens Marquardt bemühte sich schon seit längerer Zeit um die Dienste des Tirolers.

Sind die neuen Motoren in der DTM eine große Umstellung?
Nein. In Japan war das sehr ähnlich, denn in der Super Formula sind die Motoren ganz ähnlich wie beim Honda Super GT. Den kenne ich natürlich. Die DTM hat sich natürlich auch ein bisschen verändert. Die Autos sind leichter, die Aero hat sich ein bisschen verändert. Das Wichtigste ist der Reifenverschleiß. Autofahren ist Autofahren, aber du brauchst ein Reifenverständnis. Die Reifen sind zwar noch die gleichen, aber da muss ich sicher wieder in Schwung kommen. Das Änderungen am Auto selbst sehe ich nicht dramatisch.


Passiert da viel in einem Jahr?
Da die Autos mehr PS haben und die Gewichtsverteilung anders ist, sind Warm-up und Philosophie ein bisschen anders. Die gilt es abzuchecken.


Wie unterschiedlich sind die Autos von Mercedes und BMW generell? Rechnest du mit einer schwierigen Umstellung?
Ich glaube schon, dass jeder seine eigene Set-up-Philosophie hat. Das macht es ab und zu schwieriger oder leichter. Die Autos unterscheiden sich nicht sehr, aber bei den Dingen, die du verändern kannst, hat sicher jeder seine eigene Philosophie. Und das siehst du auch auf der Strecke. Das eine Auto liegt schlechter über die Bodenwellen als ein anderes. Da gibt es Unterschiede beim Set-up.


Leute wie Tomczyk, Spengler oder Green waren nach ihren Marken-Wechseln in der DTM auf Anhieb schnell. Das fällt auf, dass sie keine große Anlaufzeit gebraucht haben. "Das stimmt. Es gibt aber auch einige Beispiele von Fahrern, die sich ein Jahr lang gewöhnen mussten. Da muss man also schauen. Ich fange eher neutral an, denn ich hatte einen großen Mercedes-Bezug und war ein Jahr lang weg. Ich glaube aber, dass es kein Nachteil ist, mit einem leeren Blatt Papier anzufangen. Da ist es schlimmer, wenn du wo eingesessen warst und dann wechselst – und große Augen machst, weil irgendwas anders ist."


Was unterscheidet den Lucas Auer heute von dem seinem letzten DTM-Rennen im Oktober 2018?
Mehr Erfahrung, ich bin einfach mehr gereift und in allem fitter geworden. Durch das Formelauto, durch Japan, auch durch die Strecken, die eine Herausforderung waren. Durch andere Reifen habe ich fahrerisch zugelegt, aber auch technisch. Und vielleicht auch mit meinem Feedback, um zu sagen, was mein Fahrstil braucht. Und bei der Menschenkenntnis, denn das ist schon eine andere Challenge in Japan, wenn man es mit Europa vergleicht, wo man sich ganz normal verständigen kann.


War es nie ein Thema, in der Super Formula zu bleiben, egal ob mit Red Bull oder ohne, weil man dort ja auch gut Geld verdienen kann?
Ich hatte auch für die Super Formula lässige Angebote, auch von Timo Rumpfkeil, für dessen Team ich ja auch 2019 gefahren bin. Mit ihm wäre das zweite Jahr irrsinnig interessant geworden, weil das Team eine ordentliche Lernkurve hatte. Wir haben unsere Fehler ja schon gemacht, und ich bin schon überzeugt von ihnen, speziell von der Motopark-Truppe. Aber DTM und Super Formula lassen sich nicht kombinieren, weil es zwei Überschneidungen im Kalender gibt. Dann kannst du schon nicht mehr Meister werden. Das wäre nur eine halbe Sache gewesen.


Wäre es interessant gewesen, wenn der Kalender gepasst hätte?
Ja, das glaube ich schon. Ich wäre nur für die Rennen hingeflogen, aber BMW hat so ein lässiges Paket geschürt, also habe ich mich schon nach ihnen gerichtet.

In der japanischen Super Formula sorgte Auer mit spektakulären Duellen für Aufsehen, im Titelrennen spielte er mit seinem neu formierten Team aber keine Rolle.In der japanischen Super Formula sorgte Auer mit spektakulären Duellen für Aufsehen, im Titelrennen spielte er mit seinem neu formierten Team aber keine Rolle.
Auer tritt bei BMW in Fußstapfen seines Onkels Gerhard Berger, der bei den Bayern im Tourenwagen (Bild) ebenso eine Legende ist wie im Formel 1 (letzter BMW-Turbo-Sieger) und in Le Mans (Erfolg in Le Mans als Teamchef).Auer tritt bei BMW in Fußstapfen seines Onkels Gerhard Berger, der bei den Bayern im Tourenwagen (Bild) ebenso eine Legende ist wie im Formel 1 (letzter BMW-Turbo-Sieger) und in Le Mans (Erfolg in Le Mans als Teamchef).
BMW hat im Tourenwagensport eine große Tradition...BMW hat im Tourenwagensport eine große Tradition...
...und das seit mehr als einem halben Jahrhundert....und das seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Lucas Auer in der japanischen Super Formula. Sehen Sie bei uns noch einmal einiger schönsten Bilder.Lucas Auer in der japanischen Super Formula. Sehen Sie bei uns noch einmal einiger schönsten Bilder.
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