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JÄNNERRALLYE

Neubauer hat Österreich erobert

Was für ein Klassiker! Vor 120.000 Fans wird die Jännerrallye einmal mehr zur Nervenschlacht – und das auf einer Bühne, die alles zu bieten hatte: Schnee, Dreck, Schlamm, und vor allem blankes Eis. Am Ende gewinnt Hermann Neubauer sein Prestige-Match gegen die Wagner-Brüder. Damit schreibt der Staatsmeister Geschichte. Er hat nun bei jeder ÖM-Rallye schon einmal gewonnen.

Die Jännerrallye, heuer in der 35. Auflage unter dem knackigen Namen Internationale LKW FRIENDS on the road Jännerrallye, presented by LT1 am Start, hat wie so oft gehalten, was sie versprochen hat: Grandiosen Motorsport gleich zu Beginn des Jahres.
Gab es im Vorjahr eine legendäre Tiefschnee-Rallye, so war diesmal die Vielfalt am Programm: Eis, Schnee, Matsch, Dreck und dann wieder Eis, Eis und nochmals Eis.
Es wurde zu einer Rallye für die Besten der Besten und am Ende gewann der, der sich nicht umsonst Staatsmeister nennen darf: Hermann Neubauer, der Ford-Pilot aus dem Lungau, gemeinsam mit seinem routinierten Co-Driver Bernhard Ettel. Diese Besatzung hat sich am Ende durchgesetzt, auch wenn schon kurz nach dem Start alles vorbei schien im Prestige-Match gegen die schnellen Wagner-Brüder, Simon und Julian.

Letzterer, Julian, war am Ende der, der Recht behalten hatte – aber nicht den Sieg eroberte.
Verbittert analysiert der talentierte Jungstar aus dem Hause Baumschlager Racing seine Prognose und seine Erfahrung: "Ich habe vor dem Start gesagt, dass nicht der schnellste Pilot die Jännerrallye gewinnt, sondern derjenige, der die wenigsten Fehler macht und leider habe ich dafür nun selbst den Beweis angetreten."
Julian weiter: "Es waren unglaublich schwierige Bedingungen mit zum Teil eisiger, dann wieder nasser oder trockener Strecke und dafür hat mir wohl noch die Erfahrung gefehlt. Auf SP7 sind wir in einem Waldabschnitt auf einer Eisplatte ausgerutscht und angeschlagen. Daraufhin konnte ich nicht mehr bremsen. Wir sind noch bis zur nächsten Abzweigung gefahren und haben dort versucht zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten war. Die Felge ist in hunderte Teile zerbröselt und auch die Bremsscheibe war zerstört. Wir konnten zwar das Auto wieder fahrbereit machen, aber die Reparatur hat uns zu viel Zeit gekostet. Der zweite Tag, im Niemandsland der Gesamtwertung, hat dann nur mehr den halben Spaß gemacht. Aber wir wollten unbedingt die Powerstage gewinnen und das hat uns motiviert. Die sieben Sonderprüfungsbestzeiten sind trotzdem nur ein schwacher Trost. Denn unser Ziel für heuer ist der Titel und da wirft uns dieses Resultat schon ordentlich zurück. Platz 15 ist ein sehr bitterer Start in die neue Saison.“

Umso mehr auch sein Bruder Simon, zuletzt glorreicher Sieger im Waldviertel, in seinem Skoda R5 Evo nicht gewinnen konnte – obwohl der schon fast zwei (!) Minuten Vorsprung hatte, als es nach Tag 1 in die Betten ging. Doch gerade da war das Unheil schon passiert.

Denn: Der Sonntag präsentierte sich im Gegensatz zum fast frühlingshaften ersten Teil eisig, frostig, bizarr und tief winterlich.
Während jedoch fast alle Teams auf die Vorhersagen reagierten und noch in der Nacht ihre Autos auf Schotterfahrwerk mit schmalen Spikes umrüsteten, bekam Simon Wagner diese Chance nicht, weil seine Crew technisch nicht in der Lage war, diesen wichtigen Umbau in der vorgeschriebenen Servicezeit zu schaffen.
Die Folgen waren fatal.
Simon Wagner war mit dem am Tag zuvor erfolgreichen Asphalt-Fahrwerk und breiteren Reifen auf Schnee und Eis chancenlos, verspielte innerhalb von nur zwei Wertungsprüfungen in Liebenau und Unterweißenbach seinen gesamten „unaufholbaren“ Vorsprung von 1,45 Minuten (!) und fand sich plötzlich nur noch auf Platz 2 wieder. Der wurde es auch am Ende.
Simons Freude darüber hielt sich in Grenzen, wie schon 2019 hatte das Schicksal ihm einen Sieg in der Heimat verwehrt: „Ich bin wirklich sauer. Nichtsdestotrotz haben wir bewiesen, dass wir im Auto gute Arbeit leisten können. Das Team hat gestern gut gearbeitet, und ich bin auch heute trotz nicht optimaler Voraussetzungen wirklich nicht schlecht gefahren. Wir waren als einzige des Spitzentrios kein einziges Mal von weg von der Strecke. Unglaublich und unfassbar, dass das am Ende unbelohnt geblieben ist.“

Mehr Glück hatte also am Ende einer, der in den ersten Jahren seiner Karriere oft genug selbst vom Pech verfolgt war: Hermann Neubauer.
Seine Worte sagen alles: „Dieser Sieg ist einfach unglaublich. Ich bin fast den Tränen nahe, weil das war der letzte schwarze Fleck in meiner Erfolgsliste. Ehrlich gesagt bedeutet mir dieser erste Platz momentan mehr als mein zweiter Staatsmeistertitel im letzten Jahr.“
Jetzt hat Neubauer jede österreichische Staatsmeisterschafts-Rallye zumindest einmal gewonnen, eine beeindruckende Bilanz. Und das obwohl es zwischendurch schon nach dem Ende aussah. Es passierte auf SP 6, also eine Prüfung vor Julian Wagners Ausritt.


Neubauer rutschte mit seinem Ford Fiesta R5 auf der SP 6 Schönau – St. Leonhard erst fast von der Strecke, ehe er sich dann endgültig eindrehte und der abgestorbene Bolide ganze eineinhalb Minuten nicht mehr anspringen wollte. Und das zu einem Zeitpunkt, wo es im Dreikampf um die Führung um jede einzelne Sekunde ging.

Am Ende hat er doch gewonnen – und die Jännerrallye einige weitere aufregende Geschichten in ihrem dicken Buch der Spektakel, Schnurren und Sensationen geschrieben.


 

Hermann Neubauer (Bilder oben) gewinnt. Simon Wagner (Bild) muss sich dagegen mit der Halbzeitführung begnügen.Hermann Neubauer (Bilder oben) gewinnt. Simon Wagner (Bild) muss sich dagegen mit der Halbzeitführung begnügen.
Julian Wagner: sieben SP-Bestzeiten reichten nur zu Platz 15 – den am Samstag hatte er einen entscheidenden Fehler zu viel.Julian Wagner: sieben SP-Bestzeiten reichten nur zu Platz 15 – den am Samstag hatte er einen entscheidenden Fehler zu viel.
Michael Lengauer raste bei schwierigsten Bedingungen auf das Podium der hochklassigen Jännerrallye.Michael Lengauer raste bei schwierigsten Bedingungen auf das Podium der hochklassigen Jännerrallye.
Ex-Motorrad-Ass Günther Knobloch war bis zum Ende schnell, im Gesamtergebnis wurde der Steirer Vierter.Ex-Motorrad-Ass Günther Knobloch war bis zum Ende schnell, im Gesamtergebnis wurde der Steirer Vierter.
Martin Fischerlehner: Rang 5 bei einer spektakulären Rallye in Oberösterreich.Martin Fischerlehner: Rang 5 bei einer spektakulären Rallye in Oberösterreich.
Michael Franz gewann die 2WD-Wertung vor...Michael Franz gewann die 2WD-Wertung vor...
...Luca Pröglhof, dem Sieger der Junioren-Wertung....Luca Pröglhof, dem Sieger der Junioren-Wertung.
Daniel Mayer führte die 2WD-Wertung an, doch ein Ausfall machte den Ausflug ins Mühlviertel am Ende doch zur Null-Punkte-Nummer.Daniel Mayer führte die 2WD-Wertung an, doch ein Ausfall machte den Ausflug ins Mühlviertel am Ende doch zur Null-Punkte-Nummer.



Jännerrallye, Endstand nach 14 Sonderprüfungen:


 



  1. Hermann Neubauer/Bernhard Ettel, Ford Fiesta R5, 1:51:50,8 Std.

  2. Simon Wagner/Gerald Winter, Skoda Fabia R5, + 50,4 Sek.

  3. Michael Lengauer/Andreas Thauerböck, Subaru Impreza WRX STi, + 1:58,9 Min.

  4. Günter Knobloch/Jürgen Rausch, Skoda Fabia R5, + 2:02,1

  5. Martin Fischerlehner/Cathi Schmidt, Mitsubishi Lancer Evo VI, + 2:06,8

  6. Gerhard Aigner/Pirmin Winklhofer, Skoda Fabia R5, + 2:37,8

  7. Ernst HanederA. Ahorner, Mitsubishi Lancer Evo IX, + 3:12,2

  8. Marco Colombi/Angelica Rivoir, Skoda Fabia R5, + 03:20,2

  9. Johannes Keferböck/Ilka Minor, Skoda Fabia R5, + 4:11,8

  10. Hermann Gaßner/Lena Öttl, Mitsubishi Lancer Evo X, + 4:45,5


 


Punktestand Öst. Rallye-Staatsmeisterschaft (nach 1 von 7 Veranstaltungen):


 



  1. Hermann Neubauer 25 Punkte

  2. Simon Wagner 19

  3. Michael Lengauer 15

  4. Günther Knobloch 14

  5. Martin Fischerlehner 11




Gerhard Aigner kam als Gesamt-Sechster ins Ziel.Gerhard Aigner kam als Gesamt-Sechster ins Ziel.
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