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RENAULT IN DER FORMEL 1 – SERIE (TEIL 2)

Sennas Sieg mit Renault

Renaults große Geschichte der Leidenschaft in der Formel 1: Nach den Pionierjahren mit der Entwicklung des Turbomotors begannen die Franzosen auch andere Teams damit auszustatten. Bald schrieb man Geschichte: Ayrton Senna raste im Lotus-Renault zu seinen ersten beiden Siegen. In der Folge siegen viele der besten Piloten aller Zeiten mit Antrieben von Renault. Teil 2 unserer Serie über Renault in der Formel 1.

Renault ist eine der größten Marken der Formel-1-Geschichte. Nun verschwindet der Name – zumindest vorübergehend – aus den Startlisten der Königsklasse, da das Team und die Rennwagen ab 2021 unter den Namen Alpine, der Sportmarke von Renault, antreten werden. Um die große Geschichte der Franzosen zu würdigen und zu dokumentieren, erinnert motorprofis.at in einer mehrteiligen Serie an die Legenden der Leidenschaft. Nachdem wir uns in Teil 1 mit den aufregenden Jahren der Turbo-Pioniere beschäftigt haben, handelt die zweite Folge von Renaults ersten Kooperationen mit Teams, die mit Motoren ausgestattet wurden.

Und von einem Highlight, das in Formel-1-Geschichte eingegangen ist: dem ersten Sieg des Jahrhundert-Rennfahrers Ayrton Senna, den der Brasilaner in einem von einem Renault-Turbomotor angetriebenen Lotus erreicht hat.

Es ist der 21. April 1985, an dem in Estoril der Grand Prix von Portugal über die Bühne geht – an dem Ort, wo auf den Tag sechs Monate zuvor Niki Lauda mit einem zweiten Platz Weltmeister geworden ist. Dritter damals: der sensationelle Ayrton Senna im unterlegenen Toleman.

Nun ist Senna, der erst seine zweite Saison in der Formel 1 bestreitet, für Lotus-Renault unterwegs. Ein Team, das zweieinhalb Jahre nach dem Tod von Teamgründer Colin Chapman am Weg zu neuen Höhenflügen ist. Auch dank des Renault-Turbomotors. Seit 1983 wird das Traditionsteam im legendären schwarz-goldenen Design von Renault-Aggregaten angetrieben. Denn Renault hat nach sechs Jahren im Grand-Prix-Sport beschlossen, seine revolutionären Motoren auch anderen Teams zur Verfügung zu stellen: erst Lotus, später kommen Ligier und Tyrell dazu. Das heißt, dass die beiden Jahrzehnte-Talente Ayrton Senna (Lotus) und Stefan Bellof (Tyrell) nun mit Turbomotoren aus Frankreich fahren.

Doch als Senna nach Estoril kommt, ist er mit sich selbst nicht zufrieden. Beim Saisonauftakt daheim in Brasilien, in Rio, hat er zum ersten Mal in seiner jungen Karriere ein Teamduell im Qualiying verloren – bei seinem Lotus-Debüt war er Vierter, sein arrivierter Kollege Elio de Angelis Dritter. Im Rennen ist er ausgeschieden, während der Italiener auf das Podium gefahren ist.

Doch nun an diesem Wochenende wird Senna, der schon in Monaco 1984 im Regen brilliert hat, zum Weltstar. Erstmals holt er die Pole-Position, erstmals gewinnt er – und das im strömenden Regen. Es ist der erste von 13 (!) Siegen, die das Ausnahmentalent im Nassen herausfährt.
Schon damals ahnt er: "Diesen Tag werde ich ganz sicher für den Rest meines Lebens im Gedächtnis behalten."


Im Qualifying besiegt er Alain Prost (den Zweiten) um vier Zehntelsekunden, Teamkollege De Angelis ist als Vierter sogar mehr als eine Sekunde zurück.


Am Sonntag wird Estoril von einer Art Sintflut heimgesucht. Während die Konkurrenten hinter ihm reihenweise von der Piste fliegen - Keke Rosberg crasht eingangs der Start/Ziel-Gerade, Prost bei Aquaplaning gegenüber der Boxenmauer  - fährt der Lotus des Pole-Setters mit der Startnummer 12 wie einer, der über Wasser schweben kann.


Gerard Ducarouge, der Lotus-Designer, ist sprachlos: "Senna wirkte so, als sei er im Gegensatz zu den anderen Fahrern auf trockener Strecke unterwegs. Ayrton überholte die Leute außen und innen. Man hatte das Gefühl, dass er als Einziger nicht im Regen fuhr." Dann die Korrektur: "Er hat nicht überholt, er hat sie überrundet – überholen musste ja nie jemanden."
In jeder der 67 Runden liegt Senna in Führung. Er gewinnt vor Ferrari-Star Michele Alboreto, der mehr als eine Minute zurück ist. Alle (!) anderen Fahrer sind überrundet.


Lotus-Teamchef Peter Warr redet noch lange davon: "An diesem Tag stellte er einfach alle anderen in den Schatten." Der Portugal-Grand-Prix 1985 war für Warr, der wie Ducarouge und Senna längst verstorben ist, "eines der größten Rennen aller Zeiten. Das aber nicht aufgrund des engen Wettbewerbs –  sondern genau aus dem entgegengesetzten Grund."


Nur Senna ist nach seinem ersten Siieg selbstkritisch: "Alle sagen, ich hätte keine Fehler gemacht, aber das ist nicht wahr. Einmal war ich mit allen vier Rädern im Gras, außer Kontrolle. Doch das Auto fand den Weg zurück auf die Strecke." Wie, das wusste er selbst nicht – wohl weil es schon jene Art von Magie war, mit der er zur Legende wurde.

PS: Nach dem Rennen trifft sich Ayrton noch mit Ducarouge, und er kritisiert den Designer heftig. Denn per Tafel hatte der Franzose Senna aufgefordert, vorsichtig zu fahren: "SLOW". So etwas will und wird der künftige Superstar nicht mehr lesen. Er faucht Ducarouge an: "Mach so etwas nie wieder. Wenn ich langsamer fahre, kann ich mich nicht konzentrieren."

Senna wird später in der Saison auch noch in Spa gewinnen, Elio de Angelis schon davor in Imola. Die Zusammenarbeit zwischen Lotus und Renault erlebt einige Feiertage.
Und Senna wird einer der größten Rennfahrer aller Zeiten, bis er am 1. Mai 1994, fast genau neun Jahre nach Estoril, zu Tode stürzt.

Lesen Sie demnächst im dritten Teil unserer Renault-Serie über die "Legenden der Leidenschaft": Wie Renault in den 1990er-Jahren die Formel 1 regiert und Mansell, Schumacher, Hill und Villeneuve zu Weltmeistern macht.




 

Der bärenstarke Renault-Turbomotor trieb Ayrton Sennas Lotus bei dessen ersten beiden Siegen an.Der bärenstarke Renault-Turbomotor trieb Ayrton Sennas Lotus bei dessen ersten beiden Siegen an.
Der Renaut-Turbomotor EF15. Mit diesem Triebwerk gewannen Ayrton Senna und Elio de Angelis Rennen für Lotus.Der Renaut-Turbomotor EF15. Mit diesem Triebwerk gewannen Ayrton Senna und Elio de Angelis Rennen für Lotus.
Sennas letzte, tragische, Saison: 1994 bei Williams-Renault.Sennas letzte, tragische, Saison: 1994 bei Williams-Renault.
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