loading...

CORONA-SCHUTZ BEI OPEL IN WIEN-ASPERN

Wie die neue Normalität in der Arbeit aussieht

Die Autoindustrie rüstet sich mit umfangreichen Schutzmaßnahmen für den Neustart – und könnte mit ihren Hygiene-Regeln eine Vorbildrolle im Arbeitsleben einnehmen: Wie sich die Covid-Protokolle an den Produktionsbändern und Schreibtischen auswirken, zeigt der Lokalaugenschein im Wiener Opel-Werk.
Fast jeder zehnte Job in Österreich hängt direkt oder indirekt mit Auto zusammen. Das sind rund 400.000 Arbeitsplätze, die in den letzten sechs Wochen unbesetzt waren: Alle Produktionsbänder wurden angehalten, alle Schreibtische geräumt. Jetzt aber bereitet die Autoindustrie mit umfangreichen Schutzmaßnahmen den Neustart vor. Motorprofis.at hat sich im Opel-Werk in Wien-Aspern angesehen, wie sich diese Covid-19-Protokolle in den Werken und Büros des Landes auswirken werden – denn dass der Schutz der Mitarbeiter quer durch alle Branchen massiv hochgefahren wird, ist wohl sicher: Jeder Ansteckungsfall kann neuen Stillstand bedeuten und damit die Firma bedrohen.

Bei Opel in Wien-Aspern haben Management und Betriebsrat zusammen mit dem Mutterkonzern PSA einen Katalog mit mehr als 100 Maßnahmen umgesetzt. PSA ist mit seinen Marken Citroën, DS, Opel, Peugeot und Vauxhall zweitgrößter Autobauer Europas und setzt die Covid-19-Protokolle in allen Werken um – wobei Wien bei der internen Inspektion „bereits das höchstmögliche Level 5 erreicht hat und damit jederzeit startbereit für die Neuaufnahme der Produktion ist“, wie Daniela Palmberger-Kals, Personalchefin der PSA-Gruppe in Österreich, deutlich macht.
Für alle Mitarbeiter bedeutet das bereits zuhause eine Selbstkontrolle: In der Früh und am Abend messen sie ihre Temperatur und tragen sie in eine Liste ein. Wer das vergisst, kann sich auch direkt vor Arbeitsbeginn am Empfang messen lassen.
Für den Weg in die Arbeit hat Opel die Fahrer der Werksbusse geschult, damit das Abstandhalten beim Einsteigen klappt. Die umweltfreundlichen PKW-Fahrgemeinschaften müssen zwangsläufig auf maximal zwei Personen reduziert werden, wobei die zweite Person rechts hinten sitzt, beide Insassen Masken tragen und ein Fenster des Autos immer ein wenig offen bleibt, um für gute Luft zu sorgen.
Gelbe Abstandslinien am Ein- und Ausgang.Gelbe Abstandslinien am Ein- und Ausgang.
Alle Mitarbeiter messen zweimal täglich ihre Temperatur.Alle Mitarbeiter messen zweimal täglich ihre Temperatur.
Nur jeder zweite Spind wird benutzt.Nur jeder zweite Spind wird benutzt.
Türen bleiben offen – dadurch weniger Kontakt mit Schnallen und frischere Luft.Türen bleiben offen – dadurch weniger Kontakt mit Schnallen und frischere Luft.
Abstand immer gewährleitet: Auch bei den Wasserhähnen ist nur jeder zweite im Einsatz.Abstand immer gewährleitet: Auch bei den Wasserhähnen ist nur jeder zweite im Einsatz.
Vor den Toren des Werks, in dem Getriebe für die ganze Welt hergestellt werden, weisen hunderte gelbe Linien auf die neue Normalität in der Produktion hin: Sie sind in jeweils einem Meter Abstand auf den Asphalt gemalt, damit sich die hunderten Mitarbeiter einer Schicht vor Arbeitsbeginn nicht zu nahe kommen. Während zwei Schichten bisher immer direkt in einander übergingen, liegen nun 45 Minuten zwischen dem Ende der einen und dem Beginn der anderen Schicht – die vielleicht wichtigste Schutzmaßnahme, um den Betrieb auch nach möglichen Corona-Fällen mit der anderen Schicht aufrecht erhalten zu können.
Alle Mitarbeiter betreten das Gelände nur mit Schutzmaske und transparenter Schutzbrille. Pro Person sind zwei frische Masken pro Tag kalkuliert, wenn man die Fahrgemeinschaften nutzt, zwei zusätzliche Masken.

In den sechs großen Umkleidekabinen wird die Zahl der zugelassenen Personen pro Umkleide reduziert und auch im Detail auf genügend Abstand zwischen den Mitarbeitern geachtet: nur jeder zweite Spind wird besetzt, nur jeder zweite Wasserleitung aktiviert, und so weiter. Alle Türen, bei denen es möglich ist, bleiben dauerhaft geöffnet, dadurch gibt es weniger Berührungen der Schnallen und eine bessere Lüftung.
 
Die Produktionsbänder selbst laufen in den ersten Tagen nach dem Hochfahren mit halber Geschwindigkeit, damit die Mitarbeiter immer einen Meter Abstand zueinander einhalten können, also keine überlappenden Tätigkeiten notwendig sind. Wenn sich die kontaktlose Übergabe einspielt, soll das Tempo wieder erhöht werden. In jenen Bereichen der Bänder, wo Mitarbeiter sich zwangsläufig näher kommen, wurden Plexiglasscheiben zwischen den Stationen installiert.
 
Einmal pro Stunde wird das Produktionsband angehalten, in der Pause waschen sich alle Mitarbeiter die Hände und desinfizieren ihren eigenen Arbeitsplatz. Zugleich ist die Reinigungsfirma des Werks deutlich öfter im Einsatz. Die Kantine muss vorerst geschlossen bleiben, die Automaten im Werk werden mit frischen Sandwiches befüllt, es wird kontaktlos mit Chip bezahlt. Trinkwasserbrunnen werden ausgeschaltet, stattdessen frische Wasserflaschen zur Verfügung gestellt.
 
Nach Außen schottet sich Opel zum Schutz seiner Mitarbeiter ab, die Teile anliefernden LKW-Fahrer betreten nicht mehr das Gelände, selbst die Formulare werden durch die Plexiglasscheibe ausgefüllt, danach die Stifte desinfiziert.
Team-Besprechungen werden im Werk vorerst ganz ausgesetzt, am ersten Tag des Produktionsn-Neustarts wird dafür erst einmal nur geredet: es gibt dann keine Produktion, alle Mitarbeiter werden auf die neuen Schutzmaßnahmen eingeschult.
Die Bänder laufen langsamer, damit Abstand eingehalten werden kann.Die Bänder laufen langsamer, damit Abstand eingehalten werden kann.
Zwei frische Masken pro Tag und Mitarbeiter, einmal pro Stunde Hände desinfizieren.Zwei frische Masken pro Tag und Mitarbeiter, einmal pro Stunde Hände desinfizieren.
Frische Sandwiches aus dem Automaten statt Kantine.Frische Sandwiches aus dem Automaten statt Kantine.
Desinfiktionsmittel neben den Lebensmittelautomaten.Desinfiktionsmittel neben den Lebensmittelautomaten.
Plexiglasscheiben zwischen den Stationen, bei denen der Abstand schwierig ist.Plexiglasscheiben zwischen den Stationen, bei denen der Abstand schwierig ist.
Nebenan im Verwaltungsgebäudes, wo auch der österreichische Vertrieb der Marken Citroën, DS, Opel und Peugeot organisiert wird, sollen sich die Büros bald wieder füllen, wenn auch in Maßen: „Rund ein Drittel der Mitarbeiter wird anwesend sein“, beschreibt die österreichische PSA-Personalchefin Daniela Palmberger-Kals die neue Büro-Normalität. Der Rest des Managements bleibt alternierend im Home Office – auch weil sie sich zu vielen Meetings ohnehin elektronisch zuschalten müssen: An allen Besprechungsräumen sind außen Zetteln mit maximal erlaubten Teilnehmerzahlen angeschlagen, um genügend Abstand gewährleisten zu können. Gleiches gilt beim Kaffeeholen und Mittagessen warmmachen auch für die Küche.
 
Die einzelnen Tische der Gemeinschaftsbereiche – beliebte Treffpunkte für schnelle und zwanglose Besprechungen – sind nur noch für je eine Person zugelassen. Gearbeitet wird im Großraumbüro nicht mehr jeden Tag an einem neuen Platz, sondern möglichst eine Woche am gleichen Schreibtisch. Für das Reinigen der Tastatur und des Schreibtischs stehen im ganzen Büro PC-Reinigungskits. Auch der Lift wird nur noch einzeln und bei echtem Bedarf genutzt. Man steigt wieder Treppen, die nun wie Fahrbahnen durch einen Mittelstreifen geteilt sind: Rechts geht man ins Büro hinauf, links geht man hinunter in Richtung Feierabend. Überholen verboten.
Neue Normalität auch im Büro: Treppen haben einen Mittelstreifen.Neue Normalität auch im Büro: Treppen haben einen Mittelstreifen.
Nur eine Person pro Tisch, die anderen Plätze bleiben frei.Nur eine Person pro Tisch, die anderen Plätze bleiben frei.
Kein Gedränge: Nur rund ein Drittel der Mitarbeiter wird im Büro sein, der Rest bleibt alternierend im Home Office.Kein Gedränge: Nur rund ein Drittel der Mitarbeiter wird im Büro sein, der Rest bleibt alternierend im Home Office.
Ein Sessel pro Tisch und abgeschaltete Kaffeemaschinen: Schutzmaßnahmen auch in der Büro-Küche.Ein Sessel pro Tisch und abgeschaltete Kaffeemaschinen: Schutzmaßnahmen auch in der Büro-Küche.
Reiningungs-Kits für PC und Schreibtische.Reiningungs-Kits für PC und Schreibtische.
Genau festgelegte Maximal-Teilnehmerzahl für die Meetings.Genau festgelegte Maximal-Teilnehmerzahl für die Meetings.
Besprechungen nur im kleinen Kreis, die restlichem Stühle müssen vorerst frei bleiben.Besprechungen nur im kleinen Kreis, die restlichem Stühle müssen vorerst frei bleiben.
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT