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INTENSIV-TEST: OPEL CORSA GS-LINE 1,2 TURBO

So gut drauf wie noch nie

Opel nutzt den technischen Quantensprung von Peugeot optimal: Die Deutschen bauen den schönsten, erwachsensten und zugleich lustigsten Corsa aller Zeiten. Nur das Interieur kommt noch nicht an die französischen Kollegen heran. Im Testwagen ergeben kleiner Motor, noble Automatik und sportliche Ausstattung eine ungewöhnliche Mischung, die Sinn macht.
Um den neuen Corsa zu verstehen, hilft ein kleiner Einführungskurs in die aktuelle Automobilwirtschaft…
Ja, dauert nur kurz, versprochen. Opel gehörte viele Jahre zum General Motors-Konzern, konnte für die Amerikaner aber fast nie Gewinne einfahren, was denen gar nicht schmeckte. Vor drei Jahren wurden die Opelaner dann von Peugeot-Citroen übernommen. Das war kein schlechtes Timing, denn die Franzosen hatten gerade sehr hart gearbeitet und einen technischen Quantensprung gemacht, der ihre Modelle heute zwei Klassen besser macht. Die für Peugeot 208, Citroen C3 und DS 3 entwickelte Plattform wurde Opel sogleich überlassen. Dadurch musste zwar ein fast fertig entwickelter Corsa im Geheimarchiv verschwinden, es kam aber nun ein viel besseres Endergebnis heraus, allein schon weil es neben den Benzin- und Dieselvarianten jetzt auch eine Elektro-Corsa gibt.
Die deutsch-französische Ehe wird übrigens von Dauer sein, Opel fuhr zuletzt schon gute Gewinne ein. Und ja, das liegt auch am Sparkurs, aber in erster Linie liegt es an den guten neuen Autos. Der Eindruck, dass hier für VW-Skoda-Seat-Audi ein großer Gegenspieler aus Peugeot-Citroen-DS-Opel entsteht, stimmt also. Zumal die Verhandlungen um einen Zukauf von Fiat, Alfa und Jeep in vollem Gange sind.
 
Der Corsa startet mit neuem Design in die neue Ära. In welche Stilrichtung geht er?
Die letzten beiden Generationen waren keilförmige Corsavans, jetzt wird es viel klassischer und sportiver: Der neue Corsa kehrt zum Zweiboxdesign mir graderer Motorhaube und abgetrenntem Passagierraum zurück. Die Seitenlinie steigt nicht einfach nach hinten an, sondern schwingt hinten leicht ab, was Schulter und Heck kräftiger macht. Die Karosserie ist 40 Millimeter länger, aber zugleich 50 Millimeter niedriger, das rückt die Proportionen wunderbar zurecht.
Der Körper schön gedrungen, die Linien präzise ausbalancierte – es ist eindeutig der schönsten Corsa aller Zeiten geworden. So supersportlich wie die Peugeot 208 oder so extrovertiert wie der Citroen C3 ist der Corsa nicht, aber das dürfte ja auch der Plan gewesen sein. Nicht wenige bevorzugen das Auto etwas klassischer. Besonders wenn es so gelungen ist.
Gute Klassik: Die letzten Generationen waren keilförmige Corsavans, der neue Corsa kehrt zum Zweiboxdesign mir graderer Motorhaube und abgetrenntem Passagierraum zurück.Gute Klassik: Die letzten Generationen waren keilförmige Corsavans, der neue Corsa kehrt zum Zweiboxdesign mir graderer Motorhaube und abgetrenntem Passagierraum zurück.
Markant: Hochwertige LED-Signatur hinten.Markant: Hochwertige LED-Signatur hinten.
Schwarz lackiert: Die 17-Zöller der GS-Line.Schwarz lackiert: Die 17-Zöller der GS-Line.
Oberklassig: Matrix-Licht erleichtert Nachtfahrten.Oberklassig: Matrix-Licht erleichtert Nachtfahrten.
Die Seitenlinie steigt nicht stur an, sondern schwingt hinten leicht ab, was Schulter und Heck kräftiger macht. Das schwarze Dach ist eine (gute) Option.Die Seitenlinie steigt nicht stur an, sondern schwingt hinten leicht ab, was Schulter und Heck kräftiger macht. Das schwarze Dach ist eine (gute) Option.
Der getestete Corsa war mit der sportlichen GS-Line ausgestattet. Die richtige Wahl?
Ja, finden wir schon. Die im Vergleich zum „Elegance“ bei der „GS-Line“ sportlicher ausgeführten Stoßfänger passen gut zum Auto und die schwarzen Felgen auch. Vor allem wenn Dach und Außenspiegel ebenfalls schwarz lackiert wurden. Dieser sportliche Touch tut dem Corsa gut, macht ihn spannender. Also, wenn Sie uns fragen: GS-Line und schwarzes Dach immer nehmen, unabhängig von der gewählten Motorleistung.
Immer gut für den Auftritt ist schönes Licht und der Corsa hat in der GS-Line nicht nur eine gelungene LED-Tagfahrlichtsignatur, sondern auch schicke LED-Scheinwerfer für die Nacht.
Optisch empfehlenswert ist übrigens auch ein Blick in den Zubehörkatalog, der weit mehr Möglichkeiten bietet als sonst üblich, vor allem viele farbige Designelemente und flotte Klebefolien.
 
Eher althergebracht wirkt der Innenraum, oder?
Natürlich sind wir verwöhnt vom Cockpit des Peugeot 208, das neue Maßstäbe setzt und zeigt, dass auch kleine Autos eine richtig coole Einrichtung haben können. Damit hat der 208er alle Konkurrenten überrascht, den Konzernbruder offensichtlich auch. Im Corsa sind Armaturen, Armaturenbrett und Dekorleisten relativ althergebracht und nicht wahnsinnig aufregend, muss man sagen. Da macht der Corsa einfach nicht den Entwicklungssprung, den er außen macht.
Dafür gibt es viele großzügige Ablagen und bedientechnisch nichts zu meckern, alles ist gut ablesbar und logisch aufgebaut. Nur den Touchscreen des Multimediasystems hätte man weiter oben platzieren sollen, um ihn direkt im Blickfeld zu haben. Dagegen ist die von Peugeot-Citroen übernommene Software am neuesten Stand und integriert auch Apple Car Play und Android Auto serienmäßig, wodurch dann auch die (Handy-)Navi fix dabei ist. Die Menüführung des Systems funktioniert nach einer Eingewöhnungszeit gut.
Und optisch trumpft der Innenraum dann doch auch noch auf, denn die Sportsitze der GS-Line haben das süßeste und coolste Zierstreifen-Layout, das man sich vorstellen kann (bis man sich halt daraufsetzen muss). Die Polsterung ist übrigens sehr straff, hier wollte sich wer deutlich gegenüber den in diesem Bereich softeren Franzosen abgrenzen.
 
Wie sind die Platzverhältnisse?
Vorne sehr gut, auch große Passagiere fühlen sich nie beengt, weil das Armaturenbrett schlank und die Innenbreite ordentlich ist. Hier ist die Vier-Meter-Klasse ja allgemein erstaunlich erwachsen geworden. Kopf- und Kniefreiheit in Reihe zwei sind im Corsa, ähnlich wie im Peugeot 208, nicht besonders groß. Erwachsene kommen dort zurecht, solange sie nicht groß sind oder auf der Langstrecke mitfahren. Der Kofferraum hat gegenüber dem Vorgänger etwas zugelegt und fasst nun gute 309 Liter. Ein doppelter Ladeboden geht etwas ab, denn beim Reinheben des Gepäcks gibt es ebenso eine Stufe wie nach dem Umlegen der Fondlehnen. Das kommt in dieser Klasse aber oft vor. Über 1000 Liter maximales Ladevolumen als Zweisitzer machen den Corsa durchaus flexibel, da müssen sich die an den Van-Stil gewöhnten Corsa-Fahrer der letzten zwei Generationen keine Sorgen machen. Mit ausgebauten Rädern hat zum Beispiel das Mountainbike wunderbar Platz.
Armaturen, Armaturenbrett und Dekorleisten sind relativ althergebracht. Aber es gibt es viele großzügige Ablagen und bedientechnisch nichts zu meckern.Armaturen, Armaturenbrett und Dekorleisten sind relativ althergebracht. Aber es gibt es viele großzügige Ablagen und bedientechnisch nichts zu meckern.
Der Screen könnte höher oben platziert sein.Der Screen könnte höher oben platziert sein.
Rot gestreifter Pep zieht sich durch die GS-Line.Rot gestreifter Pep zieht sich durch die GS-Line.
Top: Acht-Stufen-Automatik in der kleinen Klasse!Top: Acht-Stufen-Automatik in der kleinen Klasse!
309 Liter Kofferraum, das ist im Klassenschnitt. Über 1000 Liter maximales Ladevolumen. Und der Passagierraum? Vorne sehr großzügig, hinten nicht so.309 Liter Kofferraum, das ist im Klassenschnitt. Über 1000 Liter maximales Ladevolumen. Und der Passagierraum? Vorne sehr großzügig, hinten nicht so.
Wie fährt sich der neue Corsa?
Nach den ersten Kurven ist klar: Opel hat den technischen Quantensprung, den Peugeot-Citroen mit der neuen Plattform gemacht haben, optimal genutzt. Die Deutschen haben die moderne Konzerntechnik so abgestimmt und im Detail auch verstärkt, dass der Corsa nicht nur typisch deutsche Sportlichkeit ausstrahlt, sondern gleich das unterhaltsamste Auto der ganzen Klasse geworden ist. Zusammen mit dem Handling-Spezialisten Ford Fiesta. Das heißt: Die Lenkung spricht extrem gut an, ohne nervös zu sein. Sie bleibt in allen Lagen exakt und vermittelt dem Fahrer eine wahrhaftige Verbindung zum Auto, die es nicht mehr so oft gibt. Besser kann man es in dieser Klasse nicht machen. Hilfreich für den Kurvenspaß ist neben der knackigen Fahrwerksabstimmung natürlich auch das um rund 100 Kilo abgespeckte Gewicht.
So flott sind Sie aber gar nicht unterwegs, das ist was für echte Sportler, meinen Sie? Da müssen wir widersprechen. Egal ob Sie sich in Kurven stürzen oder ganz gemütlich um die nächste Ecke biegen – das neue Handling spürt man immer, es macht den Corsa in jeder Situation unterhaltsam.
 
Kommt die neue Sportlichkeit auf Kosten des Komforts zustande?
Kann man so definitiv nicht sagen. Klar, das Fahrwerk ist knackig und die Sitze sind recht straff, man schwebt also nicht über Unebenheiten. Aber das wäre für die Vier-Meter-Klasse auch vermessen. Fakt ist: Der Corsa ist eher straff, aber definitiv nicht unkomfortabel. Bei langsamerer Fahrt kommen Unebenheiten schon mal durch, aber insgesamt rollt der Corsa sehr ordentlich ab. Denn er ist insgesamt ein ganz erstaunlich erwachsenes Auto: Wenn man mit 100 über die Landstraße düst oder mit 130 über die Autobahn reist, liegt das Auto satt als wären wir schon in nächsthöheren Klasse. Der neue Corsa ist da erwachsen wie nie. Die Innengeräusch bei schneller Fahrt sind im Klassenschnitt.
 
Kann der Antrieb überzeugen? Mit einem kleinen Motor und einer noblen Automatik fährt der Testwagen ja mit einer nicht alltäglichen Kombination…
Eine Acht-Stufen-Automatik gab es bisher in der Oberklasse, oder bestenfalls in der Mittelklasse, aber nicht in einem Kleinwagen mit nur 100 PS starkem 1,2-Liter-Motor. Dass Peugeot, Citroen, DS und jetzt auch Opel diesen Weg gehen, ist eine Revolution für die kleine Klasse. Und Sie sollten unbedingt teilhaben, vergessen Sie das Handschaltgetriebe, holen Sie sich diese automatische Schaltbox. Sie entspannt Auto und Fahrer, ohne Agilität zu kosten. Im Gegenteil, der Corsa wirkt durch das früh verfügbare Drehmoment und die kurze Übersetzung in der Stadt wie aufgekratzt, reagiert zackig, fühlt sich immer wieder deutlich stärker als 100 PS an. Der sportlich-raue Dreizylinderklang beim Beschleunigen unterstützt diesen Eindruck. Und dafür muss man nicht einmal die Sporttaste gedrückt haben, die in der GS-Line serienmäßig ist und die Abstimmung verschärft. Auch beim Überholen auf Landstraßen ist der leichte Corsa noch voll dabei, beim weiter Raufbeschleunigen auf der Autobahn wird dann aber irgendwann klar, dass es eben doch ein 100-PS-Motor ist. Im Normalfall wird diese Variante freilich reichen, uns ist im Test nie was abgegangen. Aber vor allem Sportler, die bei der oben besprochenen Kurvendynamik hellhörig geworden sind, werden sich schon freuen, dass es auch eine 130-PS-Variante desselben Motors gibt. Und das hinter dem Lenkrad kleine Paddels zum manuellen Schalten hervorblinzeln.
Beim Verbrauch kamen wir auf einen Gesamtschnitt von 6,7 Litern, exzellent für das Gebotene. Verbrauchs-Faustregel: In der Stadt steht ein Siebener vor dem Komma, auf der Autobahn ein Sechser, Überland ein Fünfer.
Mehr als typisch deutsche Sportlichkeit: Der Corsa ist gleich das unterhaltsamste Auto der ganzen Klasse geworden (zusammen mit dem Ford Fiesta).Mehr als typisch deutsche Sportlichkeit: Der Corsa ist gleich das unterhaltsamste Auto der ganzen Klasse geworden (zusammen mit dem Ford Fiesta).
Schauen wir noch auf die Sicherheit. Kann der Corsa in diesem Bereich etwas Besonderes bieten?
Definitiv, das aus den größeren Opel-Modellen bekannte Matrix-LED-Licht ist ein Hit und für die Klasse etwas ganz Besonderes. Durch die Abschaltung einzelner Lichtpunkte können entgegenkommende Fahrzeuge gezielt ausgeblendet werden, das Fernlicht bleit dabei immer eingeschaltet. Herrlich bei Nachtfahrten vor allem auf der Landstraße. Wenn die ein größerer Teil ihres Fahrprofils sind, sollten Sie die rund 1.100 Euro Aufpreis investieren.
Serienmäßig sind im Corsa schon Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitserkennung sowie der Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung und Notbremsassistent. Und mit 600 Euro ist der Aufpreis für den adaptiven Abstandstempomaten günstig. Der hat auch einen Stauassistenten, der im zähen Verkehr übernimmt, also vollständig stoppt und dann wieder anfährt. Der Fahrer muss nur noch lenken und beim Losfahren kurz aufs Gaspedal tippen.
 
Wie schaut es preislich aus? Ist der neue Corsa günstig?
Günstig vielleicht nicht, aber dass man den Corsa für 20.759 Euro mit modernem Sparmotor, noblem Acht-Stufen-Automatikgetriebe und hochwertiger GS-Line bekommt, ist ein gutes Angebot.
 
Wie fällt das Fazit nach dem Intensiv-Test mit dem neuen Corsa GS-Line 1,2 Turbo aus?
So gut drauf war ein Opel noch nie. Dass der zugleich lustigste und erwachsenste Corsa aller Zeiten entstanden ist, liegt an der modernen Technik der neuen französischen Partner, die Opel aber auch bestmöglich genutzt hat. Dazu kommt das schönste Design der Corsa-Geschichte, etwas klassischer als bei 208 und C3, aber deshalb nicht weniger überzeugend. Nur das Interieur kommt noch nicht an die französischen Kollegen heran. Wie im Testwagen einen sparsamen 100-PS-Motor mit nobler Acht-Stufen-Automatik und sportlicher GS-Line-Ausstattung zu mischen, wirkt ungewöhnlich, macht hier aber definitiv Sinn.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Opel hat den schönsten, erwachsensten und zugleich lustigsten Corsa aller Zeiten gebaut.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Opel hat den schönsten, erwachsensten und zugleich lustigsten Corsa aller Zeiten gebaut."

DATEN & FAKTEN

OPEL CORSA GS-LINE 1,2 TURBO

(Mai 2020)

Preis

20.759 Euro. Einstiegspreis Corsa 14.639 Euro.

Antrieb

1,2-Dreizylinder-Turbo-Benziner, 100 PS bei 5.500 U/min, 205 Nm bei 1.750 U/min, 8-Stufen-Automatik, Frontantrieb.

Abmessungen

Länge 4,060 mm, Breite 1,765 mm m, Höhe 1,43 mm, Radstand  2.538 mm; Kofferraum 309 – 1.015 mm.

Gewicht

Gewicht 1.165 Kilo. Zulässiges Gesamtgewicht 1.645 kg

Fahrwerte

188 km/h Spitze, 10,8 s auf 100 km/h, Normverbrauch 5,8 l.

Testverbrauch

6,7 Liter.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

8 Punkte

Vernunft

8 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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