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INTENSIVTESTEST: RENAULT TWINGO TCE 95

Mit Pariser Stil glänzt man überall

Ein Auto mit speziellen Großstadt-Genen: Der Twingo hebt sich mit seinem Bewegungstalent und Gefühl für die Garderobe von anderen Kleinwagen ab. Die überarbeitete Version im Intensivtest.
Mit wem haben wir es hier zu tun?
Nach wie vor mit einem der spannendsten Stadtautos. Seit fünf Jahren kann dieser Franzose zum Kreis der automobilen Charakterdarsteller gezählt werden. Quer durch die Segmente gibt es nicht viele Autos, die so konsequent eigene Wege gehen. Zugrunde liegt eine technische Kooperation mit smart, die Renault aber schlüssiger und erfolgreicher nutzt als die Mercedes-Kleinwagenmarke: Während Daimler den smart mit Verbrennungsmotor eingestellt hat und mit einer elektrischen Variante den Neustart versucht, fährt der Twingo munter weiter – und rückt durch ein umfangreiches Update nun wieder in den Focus.

Die Besonderheit des Twingo ist sein Bewegungstalent. Wie wirkt sich das im Alltag aus?
Weil der Twingo durch die smart-Kooperation einen Heckmotor hat (das gibt es sonst nur im Porsche 911), können sich die Vorderräder ungestört vom Motorblock freier bewegen. Zusammen mit dem urbanen Kleinformat, der Twingo ist nur gut 3,60 Meter lang, ergibt sich ein unschlagbar kleiner Wendekreis.
Wendekreis klingt nach virtuellem Radius oder falscher Abzweigung und Umdrehen, ist aber tatsächlich eine entscheidende Variable für städtischen Fahrspaß.
Im engen Großstadtverkehr wirkt sich die Twingo-Kombination aus erhöhtem Lenkeinschlag, geringer Außenlänge und kurzen Überhängen laufend postiv aus: Auf der Straße parkt man komplett ohne Rangieren aus. In der Tiefgarage parkt man in einem Zug ein. Spurwechsel aus dem stehenden Verkehr sind spielerisch. Enge Ausfahrten wirken nicht eng. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Den vielen SUVs rundherum ist man im Dribbling so überlegen wie der portugiesische Ronaldo dem brasilianischen Ronaldo, wenn sie heute gegeneinander spielen würden.
Für Gelegenheitsfahrer mag die urbane Wendigkeit vielleicht nicht so relevant sein, aber wer viel in der Stadt unterwegs ist, wird die Leichtigkeit der Twingo-Bewegungen auf Dauer lieben. Dieses Auto macht glücklich, glauben Sie uns.
Um das richtig einzuordnen: Wendig sind natürlich auch andere Kleinwagen, aber mit seinen Wendekreisen von knapp 8,60 Metern zwischen Gehsteigen sowie 9,10 Metern zwischen Mauern ist der Twingo doch merklich überlegen.
Macht glücklich: Wer viel in der Stadt unterwegs ist, wird die Leichtigkeit der Twingo-Bewegungen auf Dauer lieben.Macht glücklich: Wer viel in der Stadt unterwegs ist, wird die Leichtigkeit der Twingo-Bewegungen auf Dauer lieben.
Neu ist das edles LED-C am Heck und an der…Neu ist das edles LED-C am Heck und an der…
…Front, wo es noch prägnanter ist.…Front, wo es noch prägnanter ist.
Mit Stil: Farbakzente ja, Übertreibungen nein.Mit Stil: Farbakzente ja, Übertreibungen nein.
Das vielleicht coolste Detail der Kleinwagen-Klasse: Neuer, stylisher Lufteinlass für den Heckmotor.Das vielleicht coolste Detail der Kleinwagen-Klasse: Neuer, stylisher Lufteinlass für den Heckmotor.

Hat das Twingo-Konzept auch Nachteile?
Der Twingo ist nicht wirklich ein Autobahnauto. Durch das Heckmotorkonzept ist der Wagen leicht auf der Vorderachse und dadurch bei Tempo 130 nicht so spurstabil wie andere Kleinwagen. Für einzelne Autobahnetappen ist das nicht problematisch, man geht einfach ein bisschen vom Gas, aber für regelmäßige Langstreckeneinsätze ist das Auto eben nicht konzipiert.
 
Wie schlägt sich der Motor?
Der 0,9-Liter-Dreizylinder-Turbo mit 95 PS ist fein für die Stadt. Der Antritt ist agil, dann darf man sich halt nicht scheuen, öfter mal zu schalten, was mit dem angenehmen Schaltgetriebe gut klappt. Weil man den Motor schon öfter mal fordern muss, ergibt sich der Testverbrauch von 6,1 Litern – nicht ganz so niedrig wie erwartet, freilich auch kein schlechter Wert. Der Klang ist typisches Dreizylinder-Knurren, aber nur laut wenn man mal ausdrehen muss.
Für ganz Genügsame wäre der Saugmotor mit 74 PS eine Alternative – er liegt rund 1000 Euro unter dem Turbo und ist zudem sparsamer.
 
Stilistisch hebt sich der Twingo deutlich ab…
Die Herkunft prägt. In Paris sind die Autos kleiner, aber das Stilbewusstsein ist größer. Kleinwagen sind auch in höheren Einkommensklassen üblich, zugleich verlangt die Stadt ein gewisses Gefühl für die Garderobe, auch die automobile.
Der Twingo kann sich jedenfalls (überall) sehen lassen. Er wirkt freundlich und erwachsen, was für einen Kleinwagen ja genau richtig ist (Aggressivität macht die Kleinen eher kindlich). Das Heckmotorlayout mit überlangem Passagierraum und kürzesten Überhängen gibt dem ganzen einen eigenen Charakter, der vor allem seitlich und hinten sportive Züge hat.
Wobei das aktuelle Update dem Design auch neue Würze gibt. Die Front wirkt ohne die runden Nebelscheinwerfer und mit der prägnanten LED-Signatur in C-Form viel erwachsener. Auch am Heck bringen die C-förmigen LEDs frischen Wind. Ein exotisches Design-Accessoire (mit Sinn) ist der neue seitliche Lufteinlass zur Kühlung des Heckmotors, einseitig auf Höhe der C-Säule angebracht – schaut richtig süß schnittig aus.
Die French-Touch-Beklebung des Testwagens ist ein nettes Beispiel für die vielen Individualisierungsmöglichkeiten, die das Auto zusammen mit der Lackierung dann auch in die maskuline und feminine Richtung trimmen. Farbmischungen wie das Pistaziengrün und das Pastellblau sind ebenso stillvoll wie selten. Nicht nur hier kann der Twingo dem italienischen Kleinwagen-Stilkönig Fiat 500 durchaus Paroli bieten.

Der Farbenmix Schwarz-Weiß-Rot zieht sich durch den gesamten Innenraum, das macht Stimmung.Der Farbenmix Schwarz-Weiß-Rot zieht sich durch den gesamten Innenraum, das macht Stimmung.
Lederlenkrad mit roter Spange.Lederlenkrad mit roter Spange.
Riesiger Tacho, kein Drehzahlmesser.Riesiger Tacho, kein Drehzahlmesser.
Starke rote Akzente.Starke rote Akzente.
Das 2019-Update bringt ein modernes Multemdia-System mit Sieben-Zoll-Touchscreen.Das 2019-Update bringt ein modernes Multemdia-System mit Sieben-Zoll-Touchscreen.
Krativ: große weiße Türverkleidungen, rote Ziernähte.Krativ: große weiße Türverkleidungen, rote Ziernähte.
Da wird auf die Details geachtet: zweifärbige Kopfstützen.Da wird auf die Details geachtet: zweifärbige Kopfstützen.
Unser Design-Highlight: die Sitzbezüge.Unser Design-Highlight: die Sitzbezüge.
Wie gut ist der Innenraum gelungen?
Wir sind in der günstigen Kleinwagenklasse, dementsprechend werden im Innenraum natürlich harte Kunststoffe eingesetzt. Aber der Twingo kann überraschen, er hat im getesteten Ausstattungslevel ein durchaus hochwertiges Ambiente: Der Farbenmix Schwarz-Weiß-Rot zieht sich durch den ganzen Innenraum, das macht Stimmung. Die Konsequenz der Designer zeigt sich in überraschenden Details wie zweifärbigen Kopfstützen, weißen Türverkleidungen oder roten Ziernähte im Kunststoff. Unser Highlight sind die supersympathischen Bezugsstoffe der Sitze – sehr süß, sehr cool.
Das beim Update neu integrierte Multimedia-System mit Sieben-Zoll-Touchscreen ist eine deutliche Aufwertung – der Bedienung ist logischer, die Funktionen vielfältiger, auch Apple Carplay und Android Auto sind nun kompatibel.
Wichtig im Alltag: Praktisches großes Ablagefach in der Mittelkonsole und direkt darüber zwei USB-Eingänge nebeneinander. Handynutzer geraten also nicht in Ladekonflikte. Auch die Türfächer für größere Getränkeflachen sind ein Hit.
 
Wie schaut es mit dem Platzangebot aus?
Zunächst ist man erstaunt, der Kofferraum wirkt recht klein und das Gepäck kann sich ganz schön aufheizen. Grund ist der Heckmotor, durch den das Ladeabteil auch etwas höher liegt als gewohnt. Tatsächlich hat der Twingo aber gerade durch den Unterflur-Heckmotor und den dadurch längeren Innenraum überdurchschnittlich viel Platz für einen Kleinwagen: Beim umgelegten Fondlehnen beträgt die Laderaumlänge 1,30 Meter und das Ladevolumen knapp 1000 Liter. Das Umklappen des Beifahrersitzes ergibt einen 2,30 Meter langen Laderaum, man kann mit dem Twingo also durchaus zum Baumarkt fahren.
Für Passagiere ist vorne recht viel Platz, dass die Sitzflächen nicht riesig sind, fällt in der Stadt nicht ins Gewicht. Auf der Rückbank sind die Platzverhältnisse klassenüblich bescheiden.
Liegt etwas höher als normale Ladezonen, hat wärmeres Klima. Es ist ja ein Motor drunter.Liegt etwas höher als normale Ladezonen, hat wärmeres Klima. Es ist ja ein Motor drunter.
Umgelegte Fondlehnen: Laderaumlänge 1,30 Meter, Ladevolumen knapp 1000 Liter!Umgelegte Fondlehnen: Laderaumlänge 1,30 Meter, Ladevolumen knapp 1000 Liter!
Eines darf man beim Twingo nie vergessen…
Das elektrische Faltschiebedach, diesmal nicht im Testwagen verbaut, aber immer ein ganz heißer Tipp. Die Öffnung reicht über das komplette Dach und macht den Twingo zum halben Cabrio. Was wir an dieser Variante besonders mögen, ist die Diskretion. Man ist viel weniger in der Auslage als bei normalen Cabrios, aber trotzdem unter freiem Himmel. Natürlich erhöht das Fetzendach die Innengeräusche, aber ist das in der Stadt wirklich wichtig? Am Ende ist das natürlich Geschmackssache, für uns ist das Faltschiebedach die 915 Euro Aufpreis dreimal wert.
 
Wie schlägt sich der Twingo preislich?
Er ist nicht der günstigste Kleinwagen, aber trotzdem ein sehr gutes Angebot: Rund 13.000 Euro für einen Twingo in der beste Ausstattungsvariante ist doch top (mit 74-PS-Motor, der Testwagen mit 95-PS-Turobomotor kommt in der Topversion auf gut 14.000 Euro). Wer ein bisschen was für Stil übrig hat, kann dann noch 1000 Euro extra in das Styling investieren, der Pariser gibt vielleicht sogar 1.500 Euro aus. Aber dann parkt man auch erhobenen Hauptes neben einem Sportwagen ein.
Der Testwagen kommt auf gut 15.000 Euro, bildet dann wirklich schon das oberste Ende der finanziellen Fahnenstange.
Wenn wir tiefer in das Elektrozeitalter eintreten, werden wir uns noch wehmütig an diese Preis-Leistungsverhältnisse erinnern.

Wie fällt das Gesamturteil aus?
So macht man kleine Autos für große Städte. Mit überragendem Bewegungstalent und französischem Chic gibt der Twingo eine Lehrstunde in lustigem, stilvollem Autofahren.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Mit überragendem Bewegungstalent und französischem Chic gibt Renault eine Lehrstunde in lustigem, stilvollem Autofahren. So macht man kleine Autos für große Städte.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Mit überragendem Bewegungstalent und französischem Chic gibt Renault eine Lehrstunde in lustigem, stilvollem Autofahren. So macht man kleine Autos für große Städte."

DATEN & FAKTEN

Renault Twingo TCe 95 Intens

(September 2019)

Preis

14.090 Euro. Basipreis Twingo 9.990 Euro,

Antrieb

Dreizylinder-Turbo, Direkteinspritzung, 898 ccm, 5-Gang-Schaktgetriebe, Heckantrieb.

Abmessungen

Länge 3.615 mm, Breite 1.646 mm, Höhe 1.541 mm, Radstand 2.492 mm. Kofferraumvolumen 188 – 980 Liter.

Gewicht

Leergewicht 1015 kg, Zuladung 350 kg.

Fahrwerte

0-100 km/h in 13,1 sec, Vmax 165 km/h, Normverbrauch 4,6 l, CO2-Ausstoß 105 g/km.

Testverbrauch

6,1 Liter.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

9 Punkte

Vernunft

10 Punkte

Preis-Leistung

10 Punkte

Gesamturteil

9 Punkte
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