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TEST: RENAULT ARKANA

Eine Frage des Stils

Ein starker Auftritt im kompakten Format: Der Arkana ist das einzige SUV-Coupé abseits der hochpreisigen Premiummodelle. Wie sich das neue Design unterscheidet, wie sich die Hybridantriebe fahren und wie der Neue preislich liegt – der Test.
Renault mischt die Kompakt-SUVs mit einem neuen Design auf – was macht der Arkana anders?
Dass ein Auto als Coupé besonders gut ausschaut, wissen wir. Weniger Türen einplanen zu müssen und eine niedrige, windschlüpfrige Dachlinie ansetzen zu dürfen, macht jeden Designer froh. Noch relativ neu ist die Erkenntnis, das der Coupé-Stil auch auf ein SUV angewendet werden kann, zwar weiterhin mit der vollen Anzahl an Türen, aber mit stark nach hinten abfallendem Dach. Bisher gab es Kompakt-SUVs mit diesem Designansatz nur bei den deutlich teureren Premiummarken – das ändert sich jetzt mit dem Arkana. Ihn hat Renault auf dem russischen und asiatischen Markt schon länger im Programm, das Modell für Europa steht aber auf einer anderen, ganz neuen Basis und ist somit komplett eigenständig. Es gibt eine technische Verwandtschaft zum Captur, allerdings wurde die CMF-B-Plattform für den Arkana deutlich gestreckt.
 
Wie wirkt sich der Coupé-Stil bei einem SUV aus?
Der Kontrast macht die Sache spannend. Einerseits ist der Arkana durch die hohe Bodenfreiheit von 200 Millimetern, die hohe Gürtellinie und die stark ausgeformten Kotflügel eindeutig ein SUV. Anderseits spannt sich ein coupéhaftes Dach über diesen Unterbau, dessen fließend geformte, gerundete Linie sich von der Windschutzscheibe weit nach hinten bis zur Heckklappe herunterzieht. Proportionen sind im Design alles, daher ist der Arkana auch vier Zentimeter niedriger und acht Zentimeter länger als ein Kadjar. Die Designer betonen die Breite, in dem sie den Kühlergrill und die schicken LED-Scheinwerfer in C-Form zu einer Einheit verschmelzen, dazu kommt in der Variante „R.S. Line“ noch eine Stoßstange mit sportlichen Spoilerlippen, wie man sie auch einem Megane R.S. oder Clio R.S. verpassen könnte. Am Heck zieht sich ein Leuchtband über die gesamte Breite der Heckklappe.
Das Ergebnis unterscheidet sich von einem normalen SUV ziemlich deutlich, die Figur wirkt sportlicher, der Körperbau muskulöser. Dass einige Traditionalisten die Mischung der Stile trotzdem kritisch sehen, ist klar, aber davon lässt sich die Avantgarde ja nicht aufhalten.
 
Wie wirkt sich das Coupé-Design auf den SUV-Nutzwert aus?
Das muss man sich die einzelnen Bereiche anschauen. Für die Passagiere der ersten Reihe ändert sich nichts. In Reihe zwei hat man sogar Beinfreiheit über dem Klassenschnitt, weil Radstand und Außenlänge recht lang sind. Die Kopffreiheit ist hinten dagegen nicht riesig, bei normaler Körperlänge aber absolut ausreichend. Das Basis-Kofferraumvolumen ist groß, es profitiert ebenfalls von der Länge des Autos: 513 Liter sind mehr als beim Kadjar und auch mehr als bei anderen SUV-Coupès wie dem BMW X4. Die Vollhybrid-Variante des Arkana kommt auf 480 Liter. Bauartbedingte Abstriche sind beim Maximalvolumen zu machen, das bei knapp 1.300 Litern liegt, die Ladefläche ist nahezu eben. Dass das Auto hinten keine Box sondern einen Keil hat, bedeutet im Alltag, dass sperrige Gegenstände wie zerlegte Räder oder gefaltete Kinderwägen zwar reingehen, aber halt gelegt statt aufgestellt. Für alle, die mehr Platz brauchen, gibt es diverse Radträger und Dachboxen im Zubehör.
Der Kontrast macht die Sache spannend: Eindeutig ein SUV, aber mit coupéhaftem Dach, das sich bis zur Heckklappe herunterzieht.Der Kontrast macht die Sache spannend: Eindeutig ein SUV, aber mit coupéhaftem Dach, das sich bis zur Heckklappe herunterzieht.
Bullige Front, in der R.S. Line mit zusätzlichen Spoilerlippen.Bullige Front, in der R.S. Line mit zusätzlichen Spoilerlippen.
Am Heck ziegt sich ein Leuchtband über die gesamte BreiteAm Heck ziegt sich ein Leuchtband über die gesamte Breite
Sportlich die Figur: Der Körperbau wirkt muskulöser als bei den normalen SUVs, das wird aus dieser Persepktive besonders deutlich.Sportlich die Figur: Der Körperbau wirkt muskulöser als bei den normalen SUVs, das wird aus dieser Persepktive besonders deutlich.
Setzt sich der sportliche Stil des Arkana im Innenraum fort?
Wenn man das will, ja. In der Topversion „R.S. Line“ setzten rote Streifen und Carbon-Look-Dekor sportliche Akzente. Bei den anderen Ausstattungsvarianten wird etwas klassischer eingerichtet.
Dominat ist im Innenraum der mittige Multimedia-Bildschirm im Hochformat, er ist je nach Variante 7,0 oder 9,3 Zoll groß. Das Layout des Multimediasystems ist modern, es können am Touchscreen mehrere Bereiche gleichzeitig angezeigt und bedient werden. Nur die Navi-Graphik kann da optisch nicht mehr ganz mithalten. Renault verlagert nicht alle Funktionen in das Multimediasystem. Moderne Lösungen wie Verkehrsangaben in Echtzeit, Tür-zu-Tür-Navigation oder das Übertragen der Fahrstrecke vom Smartphone auf das System sind ebenso verfügbar wie Android Auto und Apple CarPlay. Essentielle Bereiche wie Temperatur, Sitzheizung und Assistenzsysteme werden über althergebrachte, aber schön gemachte, Tasten und Drehregler bedient, was angenehm und effizient ist. Auch das Tacho-Display ist ab der zweithöchsten Ausstattung digital und somit vielfach konfigurierbar, im Vergleich zu herkömmlichen Instrumenten lassen sich dadurch deutlich mehr Informationen direkt ins Blickfeld holen.
In der Topversion „R.S. Line“ setzten rote Streifen und Carbon-Look-Dekor sportliche Akzente. Dominat ist der Multimedia-Bildschirm im Hochformat.In der Topversion „R.S. Line“ setzten rote Streifen und Carbon-Look-Dekor sportliche Akzente. Dominat ist der Multimedia-Bildschirm im Hochformat.
Die RS. LIne beschleunigt optische deutlich: Ledersitze mit roten Nähten…Die RS. LIne beschleunigt optische deutlich: Ledersitze mit roten Nähten…
…und rote Deko, weiches Leder und R.S.Logo am Lenkrad.…und rote Deko, weiches Leder und R.S.Logo am Lenkrad.
Das Basis-Kofferraumvolumen profitiert von der Länge des Autos: 513 Liter, mehr als beim Kadjar. Beim Maximalvolumen sind natürlich Abstriche zu machen.Das Basis-Kofferraumvolumen profitiert von der Länge des Autos: 513 Liter, mehr als beim Kadjar. Beim Maximalvolumen sind natürlich Abstriche zu machen.
Hybrid ersetzt den Diesel. Was bieten die neue E-Tech-Variante und wie fährt sie sich? Welche Alternativen gibt es?
Renault liefert den Arkana nicht mehr mit Selbstzünder aus, stattdessen gibt es einen E-Tech Hybrid mit 145 PS und nur 4,9 Liter Normverbrauch nach den strengen WLTP-Maßstäben. Es handelt sich um einen Vollhybridantrieb, im Gegensatz zum Plug-in-Hybrid gibt es also keine rein elektrische Reichweite, dafür muss die kleine Hochvolt-Batterie mit 1,2 kWh Kapazität und 230 Volt Stromstärke aber nicht an die Steckdose. Weitere Bestandteile des „parallelen" Hybrid-Konzepts sind zwei Elektromotoren – ein 36 kW E-Motor und einen Hochvolt-Starter mit 15 kW – sowie ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 69 kW / 94 PS und ein kupplungslose Getriebeeinheit, die Renault "Multi-Mode" nennt. Der Arkana fährt immer elektrisch an, bei erhöhtem Leistungsbedarf schaltet sich der Verbrenner dazu, dazwischen wird viel elektrisch dahingesegelt.
Das System hat schon in tiefen Drehzahlen ein angenehmes Drehmoment. Der Hybrid-Fahrstil ist aber anders als vom Diesel gewohnt, man beschleunigt in der Regel sanfter, versucht vorausschauend zu Gleiten, wodurch der elektrische Anteil hoch und das Innengeräusch niedrig ist. Was das System weniger mag, sind hektisch-forsche Beschleunigungsvorgänge, der Benziner dreht dann hoch, was recht deutlich zu hören ist.
Zweite Antriebsvariante ist ein 1,3-Liter-Turbo-Benziner mit 12-Volt-Micro-Hybridsystem, also einer kleinen elektrischen Unterstützung im Hintergrund, der (relativ aussagekräftige) WLTP-Normverbrauch liegt rund einen Liter über dem Vollhybrid. Den TCe-Benziner gibt es mit 140 PS und 160 PS, jeweils kombiniert mit Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, von Hand geschalten wird im Arkana also generell nicht mehr. Wir konnten die 140-PS-Version probieren, und sie ist tatsächlich die sportlicher anmutende Alternative, weil sie bei Vollgas entschlossener antritt und akustisch weniger präsent ist. Auch das Doppelkupplungsgetriebe arbeitet flott mit.
Die Antriebswahl entscheidet somit der Fahrstil: Entspannte Fahrer wird der E-Tech-Vollhybrid überzeugen, sportive Typen werde eher die TCe-Varianten nehmen. Preislich liegen alle Antriebe relativ nah beieinander.
Die Abstimmung des Arakana ist ausgewogen, wobei flotte Kurvenfahrten durchaus möglich sind. Der Fahrkomfort ist klassenüblich, manchmal kommen Abrollgeräusche von der Vorderachse etwas durch. Bei den Assistenten wird nichts ausgelassen, was in dieser Klasse Stand der Technik ist. Besonders kommod ist der Stauassistent, der den Arkana automatisch stoppt und wieder anfährt, falls der Stopp nicht länger als 3 Sekunden dauert.
Die Zeiten ändern sich: Renault liefert den Arkana nicht mit Selbstzünder, stattdessen gibt es einen E-Tech Hybrid mit 143 PS und 4,9 Liter Normverbrauch.Die Zeiten ändern sich: Renault liefert den Arkana nicht mit Selbstzünder, stattdessen gibt es einen E-Tech Hybrid mit 143 PS und 4,9 Liter Normverbrauch.
Zweite Antriebsvariante ist ein 1,3-Liter-Turbo-Benziner mit 12-Volt-Micro-Hybridsystem und wahlweise 140 oder 160 PS. Die Sportler greifen hier zu.Zweite Antriebsvariante ist ein 1,3-Liter-Turbo-Benziner mit 12-Volt-Micro-Hybridsystem und wahlweise 140 oder 160 PS. Die Sportler greifen hier zu.
Wie schaut es preislich aus?
Ziemlich gut. Die Arkana-Preispalette reicht aktuell von 28.990 Euro bis 35.090 Euro, das ist kämpferisch, wenn man bedenkt, dass man ein stattliches SUV mit Automatik, Hybridtechnik und viel Serienausstattung bekommt. Entsprechend groß scheint der Andrang zu sein, noch bevor der Arkana in die Schauräume kam, waren europaweit 10.000 Stück verkauft.
 
Das Test-Fazit?
Ein Kompakt-SUV im neuen Stil: Als einziges SUV-Coupé abseits der hochpreisigen Premiummodelle hat der Arkana eine Sonderstellung – und das neue Designkonzept sorgt auch für einen starken Auftritt. Das Platzangebot ist erstaunlich gut, nur bei den sperrigen Gegenständen sind Abstriche zu machen. Diesel und Schaltgetriebe vermisst man nicht, denn es gibt Vollhybrid für die Gleiter und Microhybrid für die Sportler.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Einziges SUV-Coupé abseits der hochpreisigen Premiummodelle – und das Designkonzept sorgt für einen starken Auftritt. Das Platzangebot ist erstaunlich gut, bei den Antrieben ist für komfortorientierte und sportliche Fahrer was dabei. Ziemlich attraktive Preise!Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Einziges SUV-Coupé abseits der hochpreisigen Premiummodelle – und das Designkonzept sorgt für einen starken Auftritt. Das Platzangebot ist erstaunlich gut, bei den Antrieben ist für komfortorientierte und sportliche Fahrer was dabei. Ziemlich attraktive Preise!"

DATEN & FAKTEN

Renault Arkana TCe 140 EDC / TCe 160 EDC / E-TECH Hybrid 145

(Juli 2021)

Preis

28.990 Euro bis 35.090 Euro. Preis für TCe 160 EDC folgt.

Antrieb

TCe 140 / TCe 160 mit 1,3-Liter-Turbo-Benziner, 12-V-Microhybridsystem und 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe: 140 oder 160 PS. E-TECH Hybrid 145 mit Multi-Mode-Automatikgetriebe: 143 PS Sysmtemleistung.Vorderradantrieb.

Abmessungen

Länge 4.568 mm / Breite 1.821 mm / Höhe 1.576 mm. Radstand 2.720 mm. Kofferraimvolumen: 480 bis 1.296 Liter.

Gewicht

Leerggewicht 1.411 kg bis 1.435 kg. Gesamtgewicht 1.876 kg bis 1.961 kg.

Fahrwerte

TCe 140: Höchstgeschwindigkeit 200 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 9,8 Sekunden, Normverbrauc nach WLTP 4,9 – 5,1 Liter.
E-TECH Hybrid 145: Höchstgeschwindigkeit 172 km/h, Beschleunigung 0-100 km/h in 10,8 Sekunden, Normverbrauc nach WLTP 5,8 – 6,1 Liter.
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