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Stellantis-Chef Filosa & Europachef Cappellano

Stellantis-Chef Filosa & Europachef Cappellano

„Made in Europe muss belohnt werden“

Mit zahlreichen Konzeptautos war Stellantis auf dem Pariser Autosalon im Focus. Vor allem der kommende, elektrische Citroën 2CV hat für großes mediales Echo gesorgt. Gleichzeitig kündigt man neue Plattformen an und wünscht sich einen besonderen Schutz für Hersteller, die in Europa produzieren. Ein Gespräch mit Konzernchef Antonio Filosa und Europachef Emanuele Cappellano.
Stellantis-CEO Antonio Filosa und Europachef Emanuele Cappellano über den kommenden Citroen 2CV und den Bedarf nach kleinen E-Autos:
Filosa: Die Reaktion auf den 2CV in Paris war umwerfend und jetzt finalisieren wir die letzten Details. Man muss bedenken, dass der europäische Automarkt rund drei Millionen Fahrzeuge im Vergleich zur Zeit vor COVID verloren hat. Davon betraf rund eine Million dieser Autos die Modelle im Bereich von 15.000 Euro oder weniger. Vor COVID gab es einige Angebote in dieser Preisregion, jetzt fast gar keine mehr. Bei Stellantis glauben wir, dass es sehr wohl eine Nachfrage der Kunden nach einem guten, kleinen, elektrisch betriebenen Auto im Bereich von 15.000 Euro gibt. Wir haben bereits die passende Plattform dafür, genannt e-Car, sie ist ökonomisch, ökologisch, elektrisch und europäisch. Der 2CV wird eines der Autos sein, das wir auf dieser Plattform auf den Markt bringen. Das ist unsere Antwort auf diese Nachfrage.

Cappellano: Wir werden die Autos auf der e-Car-Plattform zunächst in unserer Fabrik in Pomigliano d’Arco produzieren, aber das muss nicht das einzige Werk sein, wo wir diese e-Car-Autos bauen.  Ich kann bestätigen, dass es zumindest drei Fahrzeuge auf dieser neuen Plattform geben wird, die Reihenfolge der Markteinführung werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben. Wir haben die Fahrzeuge, die auf dieser Plattform aufbauen, als ganz normale A-Segment-BEV aus Europa konzipiert, unabhängig von kommenden Regularien seitens der EU zu kleinen E-Autos. Wenn diese Art von Supercredits oder anderen Regulieren kommen und sie helfen, die Autos erschwinglich und wirtschaftlicher zu machen, werden wir das gerne nutzen.

… über die Wünsche an die EU:
Filosa: Es geht darum, schneller wettbewerbsfähig mit der Konkurrenz aus China zu werden und die europäische Industrie und indirekt auch die europäische Souveränität zu schützen. Wir brauchen dringend Flexibilität, was die leichten Nutzfahrzeuge aber auch die Pkw, insbesondere die kleinen Elektroautos, betrifft. Wir wünschen uns einen Markt mit gleichen Wettbewerbsbedingungen, also Belohnung für die Hersteller, die auf Made in Europe setzen und somit demonstrieren, dass sie in europäisches Design, europäisches R&D, europäische Fabriken und auch Zulieferer investieren. Einiges ist schon passiert, aber die Zeit drängt.

Cappellano: Bei Stellantis haben wir wiederholt gesagt, wie fundamental diese gleichen Wettbewerbsbedingungen sind. Das heißt, wenn jemand seine Autos in Europa verkaufen will, soll er sie hier bauen und das zu denselben Bedingungen wie europäische Hersteller. Alles, was in diese Richtung geht, ist willkommen.
„Die Reaktion auf den 2CV war umwerfend, jetzt finalisieren wir letzten Details. Die e-Car-Plattform ist ökonomisch, ökologisch, elektrisch und europäisch.„Die Reaktion auf den 2CV war umwerfend, jetzt finalisieren wir letzten Details. Die e-Car-Plattform ist ökonomisch, ökologisch, elektrisch und europäisch."
Stellantis-CEO Antonio Filosa (r.) und Europachef Emanuele Cappellano (m.) mit dem für die Konzeptautos verantwortlichen Designchef Gilles Vidals (l.).Stellantis-CEO Antonio Filosa (r.) und Europachef Emanuele Cappellano (m.) mit dem für die Konzeptautos verantwortlichen Designchef Gilles Vidals (l.).
„Für Alfa haben wir ein neues Auto auf der Medium-Plattform bestätigt, es kommt 2028.„Für Alfa haben wir ein neues Auto auf der Medium-Plattform bestätigt, es kommt 2028." Das Pariser Konzept zeigt die Designrichtung der Marke.
… über die Konkurrenz mit China:
Cappellano: Es ist kein Geheimnis, dass es in China Überkapazitäten gibt. Wir bei Stellantis haben unsere Stärken und sind es auch gewohnt, in einer Art von Industrie tätig zu sein, wo Konkurrenz zur Tagesordnung gehört. Die Stärke unserer Marken ist sichtbar und wir haben unseren Weg klar auf der Autoshow in Paris gezeigt und wir bekommen neue Plattformen, neue Akkus und neue Technologien. Der Preisdruck ist real und er wird vom Wettbewerb angetrieben, aber wir müssen dabei nachhaltig bleiben. Es darf nicht nur zu einer Preisschlacht ausarten und es wird wichtig sein, die richtige Balance zu finden.

… über einen möglichen Abschied von einzelnen Marken und den Rückzug von Märkten:
Cappellano: Nein, wir werden keine Märkte aufgeben und auch keine unserer Marken. Bei manchen Marken, werden wir, abhängig von der Größe des Segments, zunächst in neue Plattformen und Technologien investieren. DS und Lancia beispielsweise sind eng mit bestimmten Märkten bzw. Ländern verbunden und das managen wir dann über Citroen respektive Fiat. Was Alfa Romeo und Maserati betrifft, so werden wir über die Zukunft von Maserati auf einem eigenem Maserati-Tag Ende des Jahres informieren und für Alfa Romeo haben wir bereits ein neues Fahrzeug bestätigt, das auf unserer Medium-Plattform aufbaut, in der Fabrik in Melfi gebaut wird und 2028 auf den Markt kommt.

… über das Gleichteile-System und die verschiedenen Marken im Konzern:
Cappellano: Unsere unterschiedlichen Marken sind ein großer Vorteil. Wir haben ihre Verbreitung und ihre Stärke in Europa analysiert und die Bedürfnisse unserer 35 Millionen Kunden, die Stellantis-Produkte fahren, identifiziert. Wir sehen keine Kannibalisierungseffekte, sondern Chancen, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden in Europa noch besser eingehen zu können. Darum arbeiten wir auch daran, die einzelnen Marken noch stärker zu differenzieren. Es ist natürlich ein Balanceakt zwischen Wirtschaftlichkeit und Differenzierung. Die Basis müssen die Fahrzeuge gemeinsam haben, sonst wäre es von der Kostenstruktur und der Wirtschaftlichkeit nicht nachhaltig. Dafür haben wir effiziente Plattformen, wie unsere neuen Plattformen für das A-Segment oder unsere neue STLA-One-Plattform. Die Differenzierung wird über das Design und die Adaption an die Attribute der jeweiligen Marke kommen.

Filosa: STLA-One wird eine globale Plattform für das B- und C-Segment und das wird eine sehr wettbewerbsfähige Plattform für rund zwei bis drei Millionen Fahrzeuge. Wir werden sie zunächst in Europa, genauer gesagt bei Peugeot ab Ende 2027 einführen, später auch für andere Marken und auch für Nordamerika.
DS-Studie in Paris: „Bei manchen Marken, werden wir, abhängig von der Größe des Segments, zunächst in neue Plattformen und Technologien investieren.DS-Studie in Paris: „Bei manchen Marken, werden wir, abhängig von der Größe des Segments, zunächst in neue Plattformen und Technologien investieren."
Antonio Filosa (r.) mit dem Stellantis-Aufsichtsratsvorsitzenden und -Großaktionär John Elkann, einem Enkel des langjährigen Fiat-Lenkers Gianni Agnelli.Antonio Filosa (r.) mit dem Stellantis-Aufsichtsratsvorsitzenden und -Großaktionär John Elkann, einem Enkel des langjährigen Fiat-Lenkers Gianni Agnelli.
„STLA-One wird eine Plattform für das B- und C-Segment, sehr wettbewerbsfähig. Wir werden sie zunächst in Europa einführen, bei Peugeot ab Ende 2027.„STLA-One wird eine Plattform für das B- und C-Segment, sehr wettbewerbsfähig. Wir werden sie zunächst in Europa einführen, bei Peugeot ab Ende 2027."
… über die Anstrengungen, die Qualität zu verbessern:
Cappellano: Unsere Initiative, die Qualität zu verbessern, haben wir vor über einem Jahr gestartet. Das geht über alle Regionen und alle Modelle. Es geht um die Qualität der Produkte auf der einen und die Qualität des Service auf der anderen Seite. Das muss für den Kunden klar und deutlich erkennbar sein. Was aktuell aus unseren Fabriken kommt, stellt uns schon sehr zufrieden. Als nächstes muss das Mehr an Qualität auch beim Service, dem Netzwerk und der technischen Assistenz ankommen. Wir brauchen diesbezüglich keine Notfallmaßnahmen, sondern Konsistenz.

… über den europäischen Fußabdruck von Stellantis:
Filosa: Über 80 Prozent unserer Autos, die wir in Europa verkaufen, wurden in Frankreich, Deutschland oder Italien designt, entwickelt von europäischen Ingenieuren, gebaut in Fabriken auf dem ganzen Kontinent und auch beliefert von hunderten oder gar tausenden europäischen Zulieferern. Wir sehen uns in der Verantwortung für Jobs bei Zulieferern und Händlern und wir wollen auch keine Werke schließen. Darum unser Wunsch nach Schutz für Hersteller, die in Europa tätig sind.

Cappellano: Die Stärke und das Besondere von Stellantis liegt in der Diversität. Ich empfinde es als aufregend, bei einem Hersteller mit französischen, deutschen und italienischen Teams zu arbeiten. Wir bei Stellantis sind Europa. Und je weiter wir uns entwickeln, desto mehr stellen wir auch fest, wie bereichernd dieser multikulturelle Aspekt ist. Es mag auch herausfordernd sein, aber es ein zusätzlicher Wert.
Konzernchef Antonio Filosa mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris: „Wir wünschen uns von der EU einen Markt mit gleichen Wettbewerbsbedingungen, also Belohnung für die Hersteller, die auf Made in Europe setzen und somit demonstrieren, dass sie in europäisches Design, europäisches R&D, europäische Fabriken und auch Zulieferer investieren.Konzernchef Antonio Filosa mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris: „Wir wünschen uns von der EU einen Markt mit gleichen Wettbewerbsbedingungen, also Belohnung für die Hersteller, die auf Made in Europe setzen und somit demonstrieren, dass sie in europäisches Design, europäisches R&D, europäische Fabriken und auch Zulieferer investieren."
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