Stellantis-Europachef Emanuele Cappellano
„Unser Lösungsansatz heißt Multi-Energy“
Mit zehn Marken und 22 europäischen Fabriken zählt Stellantis zu den größten Autobauern am Kontinent: Im Gespräch erklärt der neue Europachef Emanuele Cappellano, dass es in der EU dringend Lösungen für die Antriebs-Frage braucht, um weiterhin günstige Fahrzeuge anbieten und den Niedergang der Industrie aufhalten zu können. Wie sich die Konzernmarken entwickeln sollen, warum wir von China lernen müssen und wo Europa voraus ist, kommt ebenfalls zur Sprache.
21.01.2026Fotos: David Blas Photography
Seit Herbst 2025 ist Emanuele Cappellano als CEO bei Stellantis für die Region Enlarged Europe zuständig. In der Autoindustrie ist er seit 2002. Am Rande des Autosalons in Brüssel hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt, um zu aktuellen Themen Stellung zu nehmen. Emanuele Cappellano über…
…die Herausforderungen für die europäischen Autoindustrie:
Emanuele Cappellano: „Ich sehe eine Art von Diskrepanz zwischen den Regularien der EU, den Bedürfnissen der Kunden und denen der Autohersteller. Die EU hat im Dezember zwar Schritte gesetzt, aber ehrlich gesagt, ist das, was bisher verlautbart wurde, ein kompletter Fehlschlag. Was die Industrie dringend braucht, sind schnelle Lösungen. Das Problem liegt nicht 10 Jahre in der Zukunft, sondern im hier und jetzt. Die europäische Autoindustrie hat seit 2019 drei Millionen Autos pro Jahr verloren und Europa ist die einzige Region der Welt, in der die Industrie nicht auf das Niveau von vor der Pandemie zurückgekommen ist. Wenn man sich die Segmente ansieht, so sind in Europa in den vergangenen zwei Jahren praktisch alle Modelle unter 15.000 Euro verschwunden. Das ganze A-Segment ist am Verschwinden und das ist auch ein Grund, warum der Markt schrumpft. Diese nicht klare Perspektive, beziehungsweise nicht zu wissen, wie die Spielregeln sein werden, erzeugt eine gewisse Verunsicherung in der Industrie. Ich denke, wir befinden uns in einer Phase, in der Europa sich entscheiden muss, ob wir diesen unumkehrbaren Trend oder Rückgang der lokalen Industrie beibehalten wollen oder ob wir ernsthafte Entscheidungen treffen, um eine Regulierung zu schaffen, die den Kundenbedürfnissen entspricht und den Bedürfnissen der europäischen Industrie gerecht wird."
…die Forderungen an die Europäische Union:
Emanuele Cappellano: „Wonach wir fragen, und zwar nicht Stellantis allein, sondern als europäischer Herstellerverband ACEA, sind zwei Dinge. Wir brauchen mehr Flexibilität in den kurzfristigen Lösungen und mit kurzfristig meine ich 2026 bis 2029, damit es einfacher wird, die CO2-Ziele zu erreichen. Und zum zweiten sehe ich eine Dringlichkeit, Entscheidungen zu treffen. Das Ziel einer Dekarbonisierung ist richtig. Aber es gibt nicht eine einzige technische Lösung. Warum machen wir alles von BEV abhängig? Warum akzeptieren wir nicht, auch Hybride oder Range Extender oder auch andere Mittel zu verwenden, um die Dekarbonisierung zu erreichen? Lösungen, die für die Kunden leistbar und im Einklang mit dem technologischen Fußabdruck Europas sind? Ein Beispiel: Wir haben in Europa 250 Millionen Autos, die älter als zehn Jahre sind und immer älter werden. Warum setzen wir keine Schritte, um diese Flotte zu erneuern? Das würde weitaus mehr zur Dekarbonisierung beitragen."
…die Herausforderungen für die europäischen Autoindustrie:
Emanuele Cappellano: „Ich sehe eine Art von Diskrepanz zwischen den Regularien der EU, den Bedürfnissen der Kunden und denen der Autohersteller. Die EU hat im Dezember zwar Schritte gesetzt, aber ehrlich gesagt, ist das, was bisher verlautbart wurde, ein kompletter Fehlschlag. Was die Industrie dringend braucht, sind schnelle Lösungen. Das Problem liegt nicht 10 Jahre in der Zukunft, sondern im hier und jetzt. Die europäische Autoindustrie hat seit 2019 drei Millionen Autos pro Jahr verloren und Europa ist die einzige Region der Welt, in der die Industrie nicht auf das Niveau von vor der Pandemie zurückgekommen ist. Wenn man sich die Segmente ansieht, so sind in Europa in den vergangenen zwei Jahren praktisch alle Modelle unter 15.000 Euro verschwunden. Das ganze A-Segment ist am Verschwinden und das ist auch ein Grund, warum der Markt schrumpft. Diese nicht klare Perspektive, beziehungsweise nicht zu wissen, wie die Spielregeln sein werden, erzeugt eine gewisse Verunsicherung in der Industrie. Ich denke, wir befinden uns in einer Phase, in der Europa sich entscheiden muss, ob wir diesen unumkehrbaren Trend oder Rückgang der lokalen Industrie beibehalten wollen oder ob wir ernsthafte Entscheidungen treffen, um eine Regulierung zu schaffen, die den Kundenbedürfnissen entspricht und den Bedürfnissen der europäischen Industrie gerecht wird."
…die Forderungen an die Europäische Union:
Emanuele Cappellano: „Wonach wir fragen, und zwar nicht Stellantis allein, sondern als europäischer Herstellerverband ACEA, sind zwei Dinge. Wir brauchen mehr Flexibilität in den kurzfristigen Lösungen und mit kurzfristig meine ich 2026 bis 2029, damit es einfacher wird, die CO2-Ziele zu erreichen. Und zum zweiten sehe ich eine Dringlichkeit, Entscheidungen zu treffen. Das Ziel einer Dekarbonisierung ist richtig. Aber es gibt nicht eine einzige technische Lösung. Warum machen wir alles von BEV abhängig? Warum akzeptieren wir nicht, auch Hybride oder Range Extender oder auch andere Mittel zu verwenden, um die Dekarbonisierung zu erreichen? Lösungen, die für die Kunden leistbar und im Einklang mit dem technologischen Fußabdruck Europas sind? Ein Beispiel: Wir haben in Europa 250 Millionen Autos, die älter als zehn Jahre sind und immer älter werden. Warum setzen wir keine Schritte, um diese Flotte zu erneuern? Das würde weitaus mehr zur Dekarbonisierung beitragen."
Fiat Panda und Co. sollen leistbar bleiben: „In Europa sind in den vergangenen zwei Jahren praktisch alle Modelle unter 15.000 Euro verschwunden."….die leistbaren „Autos für jedermann“ von Stellantis:
Emanuele Cappellano: „Das Auto für jedermann ist Teil der DNA von Stellantis. Wir haben dafür ja unsere ikonischen Marken wie Fiat, aber auch Citroen. Das ist wichtig für uns und wir wollen unsere Stärke, was diese Autos betrifft, beibehalten. Was uns Sorgen macht, ist, dass die nötigen technischen Anforderungen immer mehr Kosten verursachen, was sich wiederum auf die Leistbarkeit dieser Autos auswirkt. Wenn ich vorher von drei Millionen Autos gesprochen habe, die verschwunden sind, so betrifft das vor allem die unteren Segmente der Autoindustrie. Unsere Forderung an die EU ist, ein Umfeld zu schaffen, das die Leistbarkeit dieser Autos sicherstellt. Was leistbare Autos betrifft, so bewegen wir uns nicht im C- oder D-Segment, es geht um das A- und B-Segment. Unser Lösungsansatz heißt Multi-Energy, das heißt, dem Kunden ein breites Angebot an Antrieben anzubieten, um die Dekarbonisierung zu erreichen. Das heißt, kurz und mittelfristig brauchen wir Hybrid-Lösungen, dazu zählen auch Range Extender. Mit einer kurzfristigen Lösung, die nur in eine technologische Richtung geht, riskieren wir, dass das Angebot an leistbaren Fahrzeugen verschwindet oder in eine höhere technologische Abhängigkeit zu geraten."
…über eine neue Kleinwagen-Plattform:
Emanuele Cappellano: „Was ich sagen kann, ist, dass die neue STLA Small Plattform höchste Priorität für Stellantis hat und wir werden sie bald in Europa zur Verfügung haben. Eine Stärkung des A- und B-Segments ist für Stellantis ein wichtiges Thema und STLA S ist ein wettbewerbsfähiges Werkzeug dafür. Es sind viele Dinge im Entstehen und wir werden zur rechten Zeit unsere Strategie für Europa vorstellen."
…die Performance der Marken im Stellantis-Konzern:
Emanuele Cappellano: „Unsere Marken sind für ihre jeweiligen Eigenschaften bekannt. Und die sind von Marke zu Marke unterschiedlich. Für mich liegt die Priorität darin, die Unterschiede noch deutlicher herauszuarbeiten und die Marken noch stärker zu diversifizieren. Und gleichzeitig die Attribute zu verstärken, wegen deren sie bei den Kunden wahrgenommen werden. Es gibt einige Marken, die in ganz Europa verbreitet sind und überall gut funktionieren. Andere Marken sind eher länderspezifisch, haben aber eine starke Tradition und Persönlichkeit. Ich würde sagen, dass alle unsere Marken in gewisser Weise erfolgreich sind. Wichtig ist es, dass die Marken ihre unterschiedlichen Charakteristika stärken, diese richtig kommunizieren und einer Strategie folgen, die für sie die passende ist.”
Emanuele Cappellano: „Das Auto für jedermann ist Teil der DNA von Stellantis. Wir haben dafür ja unsere ikonischen Marken wie Fiat, aber auch Citroen. Das ist wichtig für uns und wir wollen unsere Stärke, was diese Autos betrifft, beibehalten. Was uns Sorgen macht, ist, dass die nötigen technischen Anforderungen immer mehr Kosten verursachen, was sich wiederum auf die Leistbarkeit dieser Autos auswirkt. Wenn ich vorher von drei Millionen Autos gesprochen habe, die verschwunden sind, so betrifft das vor allem die unteren Segmente der Autoindustrie. Unsere Forderung an die EU ist, ein Umfeld zu schaffen, das die Leistbarkeit dieser Autos sicherstellt. Was leistbare Autos betrifft, so bewegen wir uns nicht im C- oder D-Segment, es geht um das A- und B-Segment. Unser Lösungsansatz heißt Multi-Energy, das heißt, dem Kunden ein breites Angebot an Antrieben anzubieten, um die Dekarbonisierung zu erreichen. Das heißt, kurz und mittelfristig brauchen wir Hybrid-Lösungen, dazu zählen auch Range Extender. Mit einer kurzfristigen Lösung, die nur in eine technologische Richtung geht, riskieren wir, dass das Angebot an leistbaren Fahrzeugen verschwindet oder in eine höhere technologische Abhängigkeit zu geraten."
…über eine neue Kleinwagen-Plattform:
Emanuele Cappellano: „Was ich sagen kann, ist, dass die neue STLA Small Plattform höchste Priorität für Stellantis hat und wir werden sie bald in Europa zur Verfügung haben. Eine Stärkung des A- und B-Segments ist für Stellantis ein wichtiges Thema und STLA S ist ein wettbewerbsfähiges Werkzeug dafür. Es sind viele Dinge im Entstehen und wir werden zur rechten Zeit unsere Strategie für Europa vorstellen."
…die Performance der Marken im Stellantis-Konzern:
Emanuele Cappellano: „Unsere Marken sind für ihre jeweiligen Eigenschaften bekannt. Und die sind von Marke zu Marke unterschiedlich. Für mich liegt die Priorität darin, die Unterschiede noch deutlicher herauszuarbeiten und die Marken noch stärker zu diversifizieren. Und gleichzeitig die Attribute zu verstärken, wegen deren sie bei den Kunden wahrgenommen werden. Es gibt einige Marken, die in ganz Europa verbreitet sind und überall gut funktionieren. Andere Marken sind eher länderspezifisch, haben aber eine starke Tradition und Persönlichkeit. Ich würde sagen, dass alle unsere Marken in gewisser Weise erfolgreich sind. Wichtig ist es, dass die Marken ihre unterschiedlichen Charakteristika stärken, diese richtig kommunizieren und einer Strategie folgen, die für sie die passende ist.”
Alfa Romeo enthüllt den Tonale. „Wichtig ist es, dass die Marken ihre unterschiedlichen Charakteristika stärken", betont Emanuele Cappellano.…China und Leapmotor:
Emanuele Cappellano: „Ich sehe Leapmotor als Chance. Zunächst denke ich, dass Leapmotor eine gute Ergänzung für unser bestehendes Portfolio ist, für Kunden mit speziellen Wünschen. Gleichzeitig sehe ich hier die Möglichkeit für uns, von China zu lernen. In einigen Bereich ist uns die chinesische Autoindustrie weit voraus, zum Beispiel was Batterien oder Halbleiter betrifft. Aber nicht in allem. Wir haben in Europa unsere Stärken im Bereich Engineering oder auch Design. Warum versuchen wir nicht, die unterschiedlichen Stärken anzugleichen und die europäische Autoindustrie – und Stellantis im Speziellen – so noch stärker zu machen? Aus meiner Sicht können sich hier Synergien ergeben.“
…die Rückgänge der Produktion in Italien:
Emanuele Cappellano: „2025 war ein schwieriges Jahr für die italienischen Standorte. Wir haben hier vor allem die Produktion für Nutzfahrzeuge und kleinen Autos für das A-Segment. Und gerade hier hat der Markt 2025 stark nachgegeben. 2025 war auch ein Übergangsjahr für uns. Ende des Jahres haben wir den Fiat 500 als Hybrid gebracht, der in Mirafiori produziert wird und wir haben den neuen Jeep Compass eingeführt, der in Melfi produziert wird. Und 2026 kommen zwei weitere neue Modelle. Wir werden künftig sowohl in neue Modelle als auch in Plattformen investieren und ich bin zuversichtlich, dass der Umschwung gelingt.”
Emanuele Cappellano: „Ich sehe Leapmotor als Chance. Zunächst denke ich, dass Leapmotor eine gute Ergänzung für unser bestehendes Portfolio ist, für Kunden mit speziellen Wünschen. Gleichzeitig sehe ich hier die Möglichkeit für uns, von China zu lernen. In einigen Bereich ist uns die chinesische Autoindustrie weit voraus, zum Beispiel was Batterien oder Halbleiter betrifft. Aber nicht in allem. Wir haben in Europa unsere Stärken im Bereich Engineering oder auch Design. Warum versuchen wir nicht, die unterschiedlichen Stärken anzugleichen und die europäische Autoindustrie – und Stellantis im Speziellen – so noch stärker zu machen? Aus meiner Sicht können sich hier Synergien ergeben.“
…die Rückgänge der Produktion in Italien:
Emanuele Cappellano: „2025 war ein schwieriges Jahr für die italienischen Standorte. Wir haben hier vor allem die Produktion für Nutzfahrzeuge und kleinen Autos für das A-Segment. Und gerade hier hat der Markt 2025 stark nachgegeben. 2025 war auch ein Übergangsjahr für uns. Ende des Jahres haben wir den Fiat 500 als Hybrid gebracht, der in Mirafiori produziert wird und wir haben den neuen Jeep Compass eingeführt, der in Melfi produziert wird. Und 2026 kommen zwei weitere neue Modelle. Wir werden künftig sowohl in neue Modelle als auch in Plattformen investieren und ich bin zuversichtlich, dass der Umschwung gelingt.”
Die Stellantis-Marke Citroen gehört zu den Gewinnern des Jahres 2025. Das Conceptcar elo beschäftigt sich mit der Rückkehr des Minivans.









