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HONDA VERLÄSST FORMEL 1!

Was wird aus Verstappen?

Es ist DER Formel-1-Schocker eines ohnedies schon total, total verrückten Jahres: Honda wird die Formel 1 verlassen und mit Ende der Saison 2021 aussteigen! Für Red Bull ein Tiefschlag: Zum einen, weil man wohl (weiter) auf die Hilfe von Honda angewiesen ist, um 2022 mit einem "eigenen" Motor an den Start gehen zu können. Zum anderen weil der Vertrag von Max Verstappen nun hinfällig sein könnte. Wird ausgerechnet Erzfeind Mercedes diese Chance nützen? Oder Ferrari? Die Hintergründe, die wichtigsten Antworten zur Zukunft. Und die Blamage für Teamchef Christian Horner.
Die Formel 1 macht 2020 ihrem Namen alle Ehre: Sie hetzt nämlich von EILTmeldung zu EILTmeldung.

Kaum eine dieser Flash-News wird nachhaltig aber so dramatische Auswirkungen haben wie diese:
Honda verlässt die Formel 1

Für viele eine Schock-Nachricht, die wohl diesmal ausnahmsweise weniger der aktuellen Corona-Situation geschuldet ist, als Ereignissen aus der Vergangenheit und Zukunft.

Die Vergangenheit, das war Hondas Ehe mit McLaren und mit Fernando Alonso. Der Mann, der diese Marke weltweit immer wieder lächerlich machen wollte. In der auf ihren guten Ruf bedachten Zentrale in Japan hat man nie vergessen, wie sehr der Zorn eines einzelnen Piloten per Funk ein ganzes Weltklasse-Unternehmen in Misskredit bringen kann. Auch wenn die Beziehung zu Red Bull von Anfang an viel harmonischer war, man wollte so etwas mit dem nächsten Superstar-Fahrer in Person von Max Verstappen einfach nicht mehr riskieren. Auch wenn es sportlich kaum Anlass zur Kritik gab, so häuften sich zuletzt zynische Untertöne in so manchen Äusserungen, nachdem Verstappen zwei Mal wegen technischem K.o. aufgeben hatte müssen.

Die Zukunft war aber viel entscheidender bei Hondas Entscheidung.
Die Bosse haben erkannt, dass die Formel 1 – gerade für einen Volumenhersteller, der in erster Linie Autos für einen angenehmeren Alltag vieler Menschen produziert – nicht mehr das richtige Vermarktungsfeld ist. Auch wenn es technologisch wunderbare Beispiele beim Transfer Formel 1 – Straße etwa in Form des Honda Jazz gibt.

Es geht eben auch um die Außenwahrnehmung der Formel 1. Und so hat Honda nun eine klare Entscheidung getroffen, eine mit Weitblick. In der Aussendung liest sich das so: "Honda muss seine Ressourcen bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien bündeln, zu denen vor allem die Brennstoffzellen-Technik und Batterie-elektrische Antriebe gehören. Die Erkenntnisse aus der Formel 1 in Sachen Energie-Management und Kraftstoff-Technologie werden in diese neuen Antriebsarten einfließen."
Aber: Um die Ziele zu erreichen, hat Honda entschieden, die Teilnahme in der Formel 1 zu beenden. Ende 2021.

Was bedeutet das nun für Red Bull und die Formel 1 und für das Engagement von Red Bull in der Formel 1?

1.) Red Bull steht massiv unter Druck.
Bis zum Start der ersten Saison ohne Honda sind es nur mehr 18 Monate. In der Formel 1 ist das ein Wimpernschlag der Geschichte. Bis spätestens zum Frühsommer 2021 braucht man eine Lösung, um das Auto für 2022, das ja vom Chassis her stark verändert sein wird, zu entwickeln.

2.) Red Bull trifft der Ausstieg nicht komplett unerwartet.
Hinter Hondas Engagement über 2021 hinaus stand für Eingeweihte immer ein Fragezeichen. Denn so stand der Verbleib schon im vergangenen Jahr zur Diskussion, ehe Verstappens Siege in Spielberg und Hockenheim neue Hoffnungen nährten. Dass sich Honda aber nicht wie andere bis 2025 zur Formel 1 bekannte, sondern nur bis 2021, war ein eindeutiges Indiz, dass kein Autokonzern sich in Zeiten wie diesen so lange binden möchte.
Und: Honda und Red Bull Racing waren im Winter fast sicher, dass Verstappen heuer Mercedes überholen und Weltmeister werden würde. Das war zu viel Zuversicht, wieder einmal konnte Mercedes nachlegen, als es um etwas ging.

3.) Mateschitz und Marko waren informiert – Horner aber nicht.
Ausgerechnet im Red-Bull-eigenen Medium Speedweek gab Helmut Marko Red-Bull-Racing-Teamchef Christian Horner der Lächerlichkeit preis. Er berichtete, dass Honda Dietrich Mateschitz und ihn bereits länger über den möglichen Ausstieg informiert habe. Warum dann aber Christian Horner noch Tage zuvor von einer langfristigen Zukunft mit Honda redete? "Horner ist Teamchef und nicht in die strategische Ausrichtung eingebunden."
Damit ist auch der letzte Beweis dafür erbracht, was Insidern immer schon klar war. Horner war in all den 15 Jahren immer nur eine Art höhergestellter Teammanager, ein "Chef vom Dienst".
Die einzig wahren Entscheider sind Mateschitz und dessen enger Berater Marko.

4.) Red Bull wird Probleme bei der Suche nach einem neuen Partner bekommen.
Definitiv. Denn da es erst ab 2026 komplett neue (wesentlich umweltfreundlichere) Motoren geben wird, macht es für neue Triebwerkshersteller absolut keinen Sinn, jetzt noch – mit fast einem Jahrzehnt Entwicklungsverspätung – in die Formel 1 einzusteigen. Honda kam nur ein Jahr später und litt bis 2019 noch darunter. Kein Hersteller wird sich bis zur Komplett-Änderung des Reglements an so ein Abenteuer wagen, schon gar nicht in Zeiten von Fridays for Future und Covid-19.

5.) Red Bull hat keine guten Beziehungen zu den aktuellen Motoren-Lieferanten.
Die erste schlechte Nachricht: Top-Motorenhersteller Mercedes ist nicht zu haben. Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit und geht weiter über die Scharmützel Wolff vs. Marko/Mateschitz hinaus. Mateschitz mag die Marke Mercedes nicht, ihr ganzes Auftreten. Diese Abneigung reicht weit in die Zeit vor Toto Wolff zurück und betrifft sowohl den Konzern als auch den Sport. Im Sport ärgerte er sich über Norbert Haug, der einst mit Schein-Angeboten den Preis für Sebastian Vettels Vertragsverlängerung dramatisch erhöht hatte. Noch mehr ärgert aber ein Ereignis, das fast zwei Jahrzehnte zurück liegt.
Damals hatte Mercedes den Laureus-Award für die weltweit besten Sportler ins Leben gerufen. Eine Ehrung, die – wohl nicht nur in den Augen von Mateschitz und in den Ohren der Sport-Fans  – gar viel Ähnlichkeit mit dem "Taureus Award" von Red Bull hatte. Man könnte von einer Kopie sprechen.

Daher will Mateschitz bis heute eigentlich keine Mercedes-Aggregate, und Mercedes will auch keine hergeben: Zum einen will man nicht die härteste Konkurrenz stärken, zum anderen ist Mercedes mit McLaren (ab 2021), Aston Martin/Racing Point und Williams schon jetzt der größte PS-Nahversorger der Formel 1. Man hat gar keine Kapazität mehr, auch noch die beiden Red-Bull-Teams auszurüsten. Denn Red Bull Racing und Alpha Tauri werden Motoren  des selben Herstellers benötigen.

Renault: Nach vier gemeinsam WM-Titel schied man 2018 in offen gelebter Antipathie voneinander. Und das wurde nicht besser, im Gegenteil: Ausgerechnet Cyril Abiteboul, Renault-Teamchef und Red Bulls Feind Nummer 2, machte inzwischen Karriere. Als Alpine-Chef ist er für die Zukunft des Formel-1-Teams (ab 2021: Alpine Renault) wichtiger denn je. Auch wenn Renault Red Bull und Alpha Tauri bei Bedarf ausrüsten MUSS (aufgrund des Concorde-Agreement muss der Hersteller, der die wenigsten Kundenteams hat, Kunden, die auf der Suche sind, unterstützen), ist die Zusammenarbeit ein Worst-Case-Szenario – und das für beide Seiten.

Ferrari: Ferrari hat bis heute nicht vergessen, dass Red Bull Racing Ferraris Motoren bei noch laufender Vertragszeit an Toro Rosso "verramschte" – auch wenn die Entscheidung "Pro-Renault" damals sicher richtig war. Und noch viel schlimmer: Wer die beiden Fabriken in Maranello und Milton Keynes kennt, der weiß: Red Bull Racing würde Ferrari mit den selben Motoren auf und davon fahren, weil man in England viel bessere Autos baut. Und so lange Ferrari Haas und Sauber/Alfa beliefert, kann man auch nicht gezwungen werden, Red Bull zu unterstützen.

6.) Red Bull droht der Verstappen-Abschied.
Max Verstappen hat sich zwar langfristig an Red Bull gebunden, doch der zweifellos beste Fahrer des 20er-Jahrzehnts hat eine Ausstiegsklausel, falls RBR keine WM-reifen Motoren anbieten kann. Das könnte Mercedes nutzen, um Max als Hamilton-Nachfolger an Bord zu holen. Oder Ferrari, auch wenn da die Krise wohl noch größer werden muss, damit das mächtige Leclerc-Lager einen so starken Teamkollegen in Maranello dulden würde.
Eine heikle Situation für Max, der nach sechs Jahren in der Formel 1 langsam die Geduld verliert. Spätestens bei einem Hamilton-Rücktritt (der z.B. Ende 2021 denkbar ist), ist aber ein Wechsel zum Erzfeind möglich.
Doch ohne Verstappen könnte Red Bull die Lust an der Formel 1 verlieren – trotz zweier Teams und einer Rennstrecke und trotz mehr Macht denn je in der Formel 1.

7.) Honda könnte Red Bulls Lösung sein.
Mateschitz ist seit Beginn der Formel-1-Ära von Red Bull genervt von der Abhängigkeit von den Motorenherstellern. Daher scheint uns folgendes Szenario am wahrscheinlichsten: Honda wird, so wie immer, extrem fair zu seinen langjährigen Geschäftspartnern sein. Und Red Bull die Motorenfabrik, die zufällig ja ebenfalls in Milton Keynes ist, zur Verfügung stellen oder sie ganz an Red Bull verkaufen. Von dort aus tunen Red-Bull-Experten rund um Mario Illien die übrig gebliebenen Honda-Motoren selbst. Nach einigen Jahren findet man 2026 dann einen neuen Werks-Partner oder man baut sich die Aggregate selbst. Ob das für den WM-Titel reicht, weiß aber keiner.

Vielleicht aber gibt es ja für Red Bull ein Happy End. Als Honda sich zuletzt 2008 aus der Formel 1 zurückzog, überließ man dem Nachfolger-Eigner Ross Brawn ein so perfektes Team, dass dieser damit 2009 Weltmeister (!) wurde. Zwar mit Mercedes-Power, aber dank Hondas Fairness und Professionalität.
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