loading...

ERSTER TEST: OPEL GRANDLAND X HYBRID4

Grün, wenn Sie es sind

Elektroauto fahren und trotzdem einen Benziner in der Hinterhand haben: Opels Allrad-Hybrid-SUV ermöglicht zwanglosen Umstieg auf elektrische Mobilität und macht absolut Sinn – unter einer Voraussetzung: dass Sie Ihr Auto regelmäßig aufladen (können).
Eine oft gestellte Frage: Ist Opel unter dem neuen Eigentümer mehr deutsche oder französische Marke?
Opel ist heute vor allem eine bessere Marke als vor einigen Jahren. Durch die Eingliederung in die PSA-Familie mit Peugeot, Citroën und DS kann die Traditionsmarke auf modernere Technik zugreifen als noch zu GM-Zeiten. Der neue Eigentümer ist im Gegensatz zum Vorgänger auf den europäischen Markt fokussiert und hat zudem gerade einen Lauf. Das führte Opel prompt zum ersten Gewinn nach 18 Verlustjahren, die unterm Strich sagenhafte 19 Milliarden verschlungen hatten.
Die nun vorgestellte Variante des Grandland X bestätigt den Aufwärtstrend, das Kompakt-SUV bringt die Plug-in-Hybridtechnik vor seinen deutschen Konkurrenten, die natürlich speziell aus der VW-Gruppe kommen.
Darüber hinaus fühlt sich ein Opel heute nicht weniger nach Opel an als vor fünf oder zehn Jahren. Der Grandland X sieht wie ein Opel aus, ist durchwegs wie ein Opel eingerichtet, und er fährt sich auch wie ein Opel: Fahrwerk und Lenkung sind – typisch deutsch – etwas straffer abgestimmt als bei den französischen Pendants.
Oberklassiges Datenblatt: 300 PS und 520 Newtonmeter, verteilt durch eine moderne Achtgang-Automatik und den über E-Motoren gesteuerten Allradantrieb.Oberklassiges Datenblatt: 300 PS und 520 Newtonmeter, verteilt durch eine moderne Achtgang-Automatik und den über E-Motoren gesteuerten Allradantrieb.

Beim neuen Modell setzt der Grandland X auf Plug-in-Hybrid. Wie funktioniert die neue Technik?
Hybridantrieb bedeutet unterschiedliche Kraftquellen in einem Auto, im Grandland X Hybrid4 sind das ein 1,6-Liter-Turbobenziner der neuesten Generation und je ein Elektromotor an Vorder- und Hinterachse. Plug-in heißt auf Deutsch soviel wie anstecken, dementsprechend ist eine Batterie an Bord, die wie bei einem Elektroauto aufladbar ist.
Während der Benziner allein auf 200 PS und 300 Newtonmeter kommt, sind es bei der Systemleistung inklusive E-Antrieb dann 300 PS und 520 Newtonmeter, also oberklassige Werte. Dazu passen die Kraftverteilung durch eine moderne Achtgang-Automatik und der über E-Motoren gesteuerte Allradantrieb.
Die Lithium-Ionen-Batterie wiederum hat eine Kapazität von 13.2 kWh, was in der Praxis für rund 50 Kilometer elektrische Reichweite sorgt. Der Benzintank fasst übrigens 43 Liter, das reicht ganz grob gerechnet für rund 500 Kilometer.


Welchen Vorteil hat Plug-in-Hybrid?
Man kann Elektroauto fahren und trotzdem einen Benziner in der Hinterhand haben. Das Hybrid-SUV von Opel ermöglicht damit einen von Zwängen und Ängsten befreiten Umstieg auf elektrische Mobilität. Der Fahrer muss weder seinen Radius einschränken noch ein Waterloo beim Wiederverkauf fürchten, weil es sich abgesehen von der elektrischen Reichweite um ein ganz normales Auto handelt.
Und ein für Österreich nicht ganz unwesentlicher Nebeneffekt ist der serienmäßige Allradantrieb, der sich durch den zweiten, an der Hinterachse montierten Elektromotor ergibt.

Der Name symbolisiert die Benziner-Elektro-Kombination mit Allrad.Der Name symbolisiert die Benziner-Elektro-Kombination mit Allrad.
Das Laden der 13.2 kWh-Batterie dauert zwei bis sieben Stunden.Das Laden der 13.2 kWh-Batterie dauert zwei bis sieben Stunden.
Das Konzept macht absolut Sinn – unter einer Voraussetzung. Welcher?
Sinn macht der Plug-in-Hybridantrieb nur, wenn Sie Ihr Auto regelmäßigen aufladen (können). Denn nur mit voller Batterie spielt das Auto seine Stärken richtig aus: Dann lässt sich der Grandland X Hybrid4 als reines Elektroauto fahren, natürlich mit etwas weniger Leistung als im Hybridmodus, aber beim ersten Test war die elektrische Beschleunigungskraft mehr als ausreichend für den Stadtverkehr und klassische Pendlerstrecken, wo man sie bevorzugt einsetzten wird.
Weil die meisten Fahrer ganz selten mehr als 50 Kilometer pro Tag fahren – das sagen die Statistiken und Sie sicher auch, wenn Sie ehrlich sind – lässt sich der aufgeladene Grandland X also weitgehend ohne lokale Emissionen und Benzinverbrauch fahren.
Selbst wenn man lieber im Hybridmodus bleibt und zwischendurch die 300 PS auskostet – zum Beispiel am Berg, beim Überholen oder bei sportlicher Fahrweise – wird der Benziner dank der aufgeladenen Batterien unterm Strich wenig gefordert. Wir waren in diesem Mischbetrieb mit Verbrauchswerten um die drei Liter unterwegs.
Wenn sich die Batterien dann leeren, steigt der Durchschnittsverbrauch natürlich. Zwar ist der moderne, strengsten Abgasnormen entsprechende Benziner ein sparsames Aggregat, aber die Hybridtechnik macht das Auto auch schwerer. Nach dem ersten Test würden wir den reinen Benziner-Betrieb auf Werte im Bereich von sieben, acht Litern schätzen (das muss aber noch ausführlicher getestet werden).
 
Laden ist also wichtig. Wie schnell funktioniert es?
Die Batterie ist nicht so groß wie bei einem reinen Elektroauto, man kann sich die Kosten und die Prozedur einer Wallbox-Installation daher theoretisch auch sparen und den Grandland X einfach an die Steckdose hängen, wofür das Auto einen 3,7-kW-Onboard-Charger und ein sogenanntes Mode-2-Ladekabel hat (mit dem Elektriker sollte man vorher aber sicherheitshalber trotzdem reden…). Beim einphasigen Wechselstrom-Laden mit 1,8 kW ist man damit in rund sieben Stunden voll, mit 3,2-kW-Starkstrom in rund vier Stunden. Mit anderen Worten: wer entweder zuhause oder in der Arbeit eine Steckdose verfügbar hat, ist immer gut geladen. Achtung, bei Mehrparteien-Häusern und am Arbeitsplatz ist natürlich die Abrechnung der Stromkosten zu klären. Strom ist aktuell spürbar günstiger als Benzin, die persönlichen Betriebskosten werden also sinken.
Für die beschleunigten Lade-Varianten, die auf längere Sicht zu empfeheln sind, muss man über die Extraliste aufrüsten. Mit Mode-3-Ladekabel (249 Euro) und 7,4-kW-Onboard-Lader (499 Euro) kann man den Akku an öffentlichen Ladestationen oder Wallboxen zuhause in rund zwei Stunden aufladen. Gleichstrom-Laden (DC) ist nicht möglich.
Klasssich Opel: Der Innenraum ist optisch eher konservativ, aber sehr übersichtlich und benutzerfreundlich.Klasssich Opel: Der Innenraum ist optisch eher konservativ, aber sehr übersichtlich und benutzerfreundlich.
Es gibt vier Modi: Elekrto, Hybrid, Allrad, Sport.Es gibt vier Modi: Elekrto, Hybrid, Allrad, Sport.
Souverän: Modernes Achtgang-Automatikgetriebe.Souverän: Modernes Achtgang-Automatikgetriebe.
Drei-Liter-Verbrauchswerte im Hybrid-Modus.Drei-Liter-Verbrauchswerte im Hybrid-Modus.
Ändert die neue Technik auch das Fahrerlebnis?
In der Stadt, wo man (hoffentlich) meistens elektrisch fährt, ist das Fahrgefühl grundlegend anders. Der Grandland X ist im E-Modus leise und reaktionsschnell. E-Motoren liefern ihr volles Drehmoment ab Drehzahl Null ab, das bringt auch hier angenehme Agilität ins Auto, sodass sich auch die 113 PS des hinteren E-Motors – er arbeitet im E-Modus allein – ziemlich flott anfühlen.
Im Hybridmodus gleitet man leise und entspannt, der Benziner wird wenig gebraucht und kann sich oft zurückziehen. Bei kräftigen Zwischensprints – etwa Überholmanövern auf Landstraßen – macht sich natürlich kurzfristig der hochdrehenden Motor akustisch bemerkbar, das sind aber kurze, nicht zu laute Episoden.
Als fetzigen Sportler darf man sich den GrandlandX Hybrid nicht vorstellen, auch wenn 300 PS und nur 6,1 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h sehr dynamische Etappen ermöglichen – alles in allem das doch 1.900 Kilo schwere SUV durch sein Leistungspotenzial fast so souverän wie ein Oberklasse-Modell, und mithin souveräner als so mancher herkömmlich angetriebene BMW, Mercedes oder Audi der Kompakt-SUV-Klasse. Nicht unwesentlich trägt dazu die abgeklärte Kraftverteilung der modernen Achtgang-Automatik bei. Und natürlich die Souveränität des Allradantriebs, selbst bei forschen Starts oder Vollgas zuckt das Auto nicht.
 
Wie gut ist der elektronische Allradantrieb im Winter?
Viel besser als sein Ruf. Während frühe Versionen des Elektromotoren-Allradantriebs vor zehn, fünfzehn Jahren im österreichischen Schnee noch ihre Probleme hatten, wirkt das heute von Opel eingesetzte System sehr gut koordiniert, wenn sich die Hinterachse bei Bedarf zuschaltet. Es reagierte beim ersten Test im Schwarzwald schnell und effektiv, wenn wir auf nass-kaltem Belag am Kurvenscheitelpunkt Vollgas gaben.
Gut gelungener Opel-Look mit schönen Proportionen. Optional aufgepeppt mit schwarzem Dach und schwarzer Motorhaube.Gut gelungener Opel-Look mit schönen Proportionen. Optional aufgepeppt mit schwarzem Dach und schwarzer Motorhaube.
Dezimiert der Plug-in-Hybridantrieb den Kofferraum?
Batterien und hinterer Elektromotor reduzieren den Basiskofferraum von 514 auf 405 Liter. Verschmerzbar, zumal das Kofferraumvolumen bei umgelegten Rücksitzen auf rund 1.500 Liter anwächst, also für ein mit 4,47 Metern Gesamtlänge noch relativ kompaktes Auto sehr familienfreundlich ist. Ganz eben ist Ladefläche bei umgelegten Lehnen nicht, sie steigt im Bereich der Sitze ein wenig an.
 
Über eine App ist der Grandland X Hybrid4 mit dem eigenen Handy verbunden. Was bringt das?
Vor allem einen komfortablen Nebeneffekt für Winter und Sommer: das Auto lässt sich per Knopfdruck vorheizen und vorkühlen. Zudem kann man über die App auch Restreichweiten abrufen, Routen vorplanen und zu Ladepunkten navigieren.
Auch das Auto selbst ist übrigens mit dem Internet verbunden, wodurch zum Beispiel Echtzeit-Verkehrsinformationen in das Navigationssystem gelangen.
 
Der Grandland X selbst ist seit 2017 auf dem Markt. Was lässt sich über ihn grundsätzlich sagen?
Er basiert auf dem technisch hervorragenden und zu Recht zum Auto des Jahres gewählten Peugeot 3008. Mit knapp viereinhalb Metern Länge ist er ein kompakter Familienfreund und klassischer Tiguan-Konkurrent. Der gut gelungene Opel-Look mit schönen Proportionen kann optional mit schwarzem Dach und sogar schwarzer Motorhaube aufgepeppt werden, was natürlich Geschmackssache ist. Der Innenraum ist optisch eher konservativ, aber sehr übersichtlich und benutzerfreundlich.
Trotz 300 PS darf man sich den GrandlandX Hybrid nicht als fetzigen Sportler vorstellen, eher souverän wie ein Oberklasse-Modell.Trotz 300 PS darf man sich den GrandlandX Hybrid nicht als fetzigen Sportler vorstellen, eher souverän wie ein Oberklasse-Modell.
Opel bietet auch eine Einstiegs-Hybrid-Variante an. Wie unterscheidet sie sich?
Diese Variante mit nur einem Elektromotor hat Fronantrieb und 225 PS, im Gegensatz zu zwei E-Motoren, Allrad und 300 PS beim Hybrid4. Der Preisunterschied ist mit rund 5000 Euro allerdings auch erheblich.
 
Gutes Stichwort. Was steht in der Preisliste? Und kostet der Grandland X Hybrid4 mehr oder weniger als die Konzernmodelle mit gleicher Plug-in-Hybrid-Technik?
Der Grandland X startet als Plug-in-Hybrid bei 42.299 Euro und in der getesteten Allradvariante Hybrid4 bei 47.489 Euro – in beiden Fällen allerdings schon mit der zweithöchsten Ausstattung (Innovation). In der Topausstattung (Ultimate) kommt man auf 45.199 Euro und 49.999 Euro. Die Preise des Peugeot 3008 mit gleicher Plug-in-Hybrid-Technik weichen davon nur leicht ab, die des Citroen C5 Aircross Hybrid ebenso.
Günstig ist die neue Plug-in-Hybridtechnik also nicht, allerdings bekommt man nicht nur ein Elektroauto in Teilzeit, sondern durch Allrad und 300 PS auch ein oberklassiges Fahrerlebnis. Damit ist der Grandland X Hybrid4 auch vielen aktuellen Kompakt-SUV von BMW, Audi und Mercedes überlegen – aus dieser Perspektive also wieder günstig.

Wann ist der Opel Grandland X in der Hybrid-Version in Österreich verfügbar?
Das Allradmodell kommt im Jänner 2020 zum Händler, die Variante mit Frontantrieb im Februar. 

Wie fällt das Test-Fazit zum Grandland X Hybrid4 aus?
Die Plug-in-Hybrid-Technik ist ideal, wenn man sein Auto regelmäßig laden und somit im Alltag elektrisch fahren kann. Das sollte man sich vorher überlegen. Den Benziner hat man dann für Sonderfälle in der Hinterhand. Der Umstieg auf elektrische Mobilität klappt somit ohne Zwänge bei der Reichweite und Ängste beim Wiederverkauf.
Der Kaufpreis ist keine Kleinigkeit, allerdings ändert sich die Perspektive: Durch die neue Technik mit Allrad und 300 PS entsteht in diesem Opel ein oberklassiges Fahrerlebnis, das auch vielen BMW-, Audi- und Mercedes-Modellen mit herkömmlichen Antrieben überlegen ist. Und die sind ja oft noch teurer.

Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Durch die neue Plug-in-Hybrid-Technik mit Allrad und 300 PS entsteht ein oberklassiges Fahrerlebnis, das selbst vielen BMW-, Audi- und Mercedes-Modellen mit herkömmlichen Antrieben überlegen ist. Das verändert auch die Perspektive auf den Kaufpreis. Der Hybrid 4 ist dann ideal, wenn man regelmäßig laden und somit im Alltag elektrisch fahren kann. Den Benziner hat man für alle Fälle in der Hinterhand.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Durch die neue Plug-in-Hybrid-Technik mit Allrad und 300 PS entsteht ein oberklassiges Fahrerlebnis, das selbst vielen BMW-, Audi- und Mercedes-Modellen mit herkömmlichen Antrieben überlegen ist. Das verändert auch die Perspektive auf den Kaufpreis. Der Hybrid 4 ist dann ideal, wenn man regelmäßig laden und somit im Alltag elektrisch fahren kann. Den Benziner hat man für alle Fälle in der Hinterhand."

DATEN & FAKTEN

Opel Grandland X Hybrid4

(Jänner 2020)

Preis

47.489 Euro bis 49.999 Euro. Variante mit Frontantrieb ab 42.299 Euro.

Antrieb

Vierzylinder-Turbomotor, 1589 ccm; 147 kW/200 PS, 300 N bei 3.000 U/min; zwei Elektromotoren (Vorder-/Hinterachse) mit je 113 PS, Batterie 13,2 kWh; elektrischer Allradantrieb mit 8-Stufen-Automatik; Systemleistung 300 PS / 520 Nm.

Abmessungen

Gesamtlänge 4477 mm, Gesamthöhe 1609 mm, Gesamtbreite 1906 mm; Kofferraumvolumen 405 Liter.

Gewicht

Leergewicht ab 1.875 kg. Höchstzulässiges Gesamtgewicht 2.350 kg.

Fahrwerte

Vmax 235 km/h (Vmax im E-Modus 135 km/h) 0-100 km/h in 6,1 sec, Normverbrauch nach WLTP 1,3 l, Energieverbrauch nach WLTP 15,3 kW.

Testverbrauch

Im Elektro-Modus 0 l/100 km, im Hybrid-Modus rund 3 l/100 km, bei leerer Batterie rund 7 bis 8 l/100 km (erste Testergebnisse; weitere Testfahrten folgen)
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT