Interview: Sophia Flörsch
Zwischen Aufschrieb und Energiemanagement
Sophia Flörsch wechselt zwischen zwei völlig unterschiedlichen Motorsportwelten. Für Opel arbeitet sie als Test- und Entwicklungsfahrerin am Formel-E-Projekt, gleichzeitig stellt sie sich mit einem Gaststart im Mokka GSE Rally einer neuen Disziplin. Im Interview spricht sie über die Umstellung vom Formelsport auf die Rallye, die technische Komplexität der Formel E, ihre vielseitige Karriere, den Unfall von Macau, Vermarktung im Motorsport und die Hürden für junge Frauen.
03.08.2026Fotos: Werk
Zwei elektrische Welten
Ein Rundkurs, dessen Bodenwellen die Fahrerin genau kennt, und eine Rallyeprüfung, auf der sie sich auf die Ansagen der Beifahrerin verlassen muss: Für Sophia Flörsch könnten die beiden Aufgaben bei Opel kaum unterschiedlicher sein. Als Test- und Entwicklungsfahrerin arbeitet sie am Formel-E-Programm der Marke. Parallel dazu sammelt sie jetzt als Gaststarterin erste Erfahrungen im Rallyesport.
Der Opel Mokka GSE Rally wurde für das neue FIA-Reglement E-Rally5 entwickelt. Batterie, Inverter und Elektromotor stammen grundsätzlich aus dem Mokka GSE-Serienmodell, während Rennfahrwerk, Sicherheitsstruktur und elektrische Rennarchitektur auf den Wettbewerb zugeschnitten sind. Opel setzt dabei auf das Prinzip „Rallye to Road“: Erfahrungen aus dem Motorsport sollen auch in die Entwicklung der Serienfahrzeuge einfließen. Ein heimischer Akteur der maßgeblich an der Mitentwicklung beteiligt war ist der Österreicher Manfred Stohl und sein Team.
Das elektrische Rallyeprogramm der Marke begann mit dem Corsa. Seit 2019 arbeitet Opel an der Entwicklung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der nötigen Ladeinfrastruktur, denn eine der größten Herausforderungen liegt neben der Sicherheit im Lademanagement. Alle Fahrzeuge müssen innerhalb eines engen Zeitplans einen vergleichbaren Ladezustand erreichen, damit keine Wettbewerbsverzerrung entsteht. Generatoren kommen dabei nicht zum Einsatz. Vielmehr setzt Opel auf eine mobile Ladelösung, die in kurzer Zeit an jedem geeigneten Ort zwischen den Wertungsprüfungen errichtet werden kann. Diese „Remote Charging“-Lösung nutzt eigens entwickelte Transformatoren und speist sich mit erneuerbarer Energie.
Der Mokka GSE Rally bildet nun die nächste Entwicklungsstufe. Das Fahrzeug verfügt über ein Rennfahrwerk und eine speziell entwickelte elektrische Rennarchitektur. Gleichzeitig soll es bezahlbar bleiben, denn der Kundensport und die Nachwuchsförderung stehen weiterhin im Mittelpunkt. Rund 150 Fahrerinnen und Fahrer aus 26 Nationen haben bislang am elektrischen Rallyeprogramm teilgenommen.
Für Flörsch bedeutet der Einsatz im Mokka GSE vor allem eine neue Art des Fahrens. Im Rallyesport kennt sie die Strecke nicht auswendig. Sie muss den Ansagen ihrer Beifahrerin folgen, Veränderungen auf der Prüfung einschätzen und gleichzeitig das Auto am Limit bewegen.
Was ist für dich bei der Umstellung vom Formelsport auf den Rallyesport die größte Hürde?
Sophia Flörsch: „Ich habe immer gesagt, dass mich der Rallyesport reizt und ich ihn gerne ausprobieren würde, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Es ist einfach eine andere Disziplin innerhalb des Automobilsports. Der größte Unterschied ist zunächst, dass ich wieder ein Auto mit Dach fahre und keinen Formelwagen. Nicht nur auf sauberem Asphalt, sondern auch auf schmutzigen Strecken oder auf Schotter. Das wird spannend, da bin ich in einer komplett neuen Welt unterwegs. Außerdem habe ich eine Beifahrerin neben mir, die in meinem Fall besonders wichtig ist, weil sie mir ansagt, wohin ich fahren muss. Ich kenne die Strecke schließlich nicht. Auf der Rundstrecke kennst du jeden Meter, teilweise jeden halben Meter oder Zentimeter. Du weißt, wo sich welche Bodenwelle befindet und was du an welcher Stelle machen musst. Das ist im Rallyesport überhaupt nicht der Fall. Es geht darum, deiner Beifahrerin vollständig zu vertrauen, ihren Ansagen zu folgen und trotzdem ein Rennauto am Limit zu bewegen. Das ist neu für mich und wird eine Herausforderung. Ich glaube aber, dass ich mit Opel und den ganzen Männern und Frauen um mich herum so gut wie möglich vorbereitet bin. Ich bin sehr gespannt und freue mich riesig darauf.“
Ein Rundkurs, dessen Bodenwellen die Fahrerin genau kennt, und eine Rallyeprüfung, auf der sie sich auf die Ansagen der Beifahrerin verlassen muss: Für Sophia Flörsch könnten die beiden Aufgaben bei Opel kaum unterschiedlicher sein. Als Test- und Entwicklungsfahrerin arbeitet sie am Formel-E-Programm der Marke. Parallel dazu sammelt sie jetzt als Gaststarterin erste Erfahrungen im Rallyesport.
Der Opel Mokka GSE Rally wurde für das neue FIA-Reglement E-Rally5 entwickelt. Batterie, Inverter und Elektromotor stammen grundsätzlich aus dem Mokka GSE-Serienmodell, während Rennfahrwerk, Sicherheitsstruktur und elektrische Rennarchitektur auf den Wettbewerb zugeschnitten sind. Opel setzt dabei auf das Prinzip „Rallye to Road“: Erfahrungen aus dem Motorsport sollen auch in die Entwicklung der Serienfahrzeuge einfließen. Ein heimischer Akteur der maßgeblich an der Mitentwicklung beteiligt war ist der Österreicher Manfred Stohl und sein Team.
Das elektrische Rallyeprogramm der Marke begann mit dem Corsa. Seit 2019 arbeitet Opel an der Entwicklung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der nötigen Ladeinfrastruktur, denn eine der größten Herausforderungen liegt neben der Sicherheit im Lademanagement. Alle Fahrzeuge müssen innerhalb eines engen Zeitplans einen vergleichbaren Ladezustand erreichen, damit keine Wettbewerbsverzerrung entsteht. Generatoren kommen dabei nicht zum Einsatz. Vielmehr setzt Opel auf eine mobile Ladelösung, die in kurzer Zeit an jedem geeigneten Ort zwischen den Wertungsprüfungen errichtet werden kann. Diese „Remote Charging“-Lösung nutzt eigens entwickelte Transformatoren und speist sich mit erneuerbarer Energie.
Der Mokka GSE Rally bildet nun die nächste Entwicklungsstufe. Das Fahrzeug verfügt über ein Rennfahrwerk und eine speziell entwickelte elektrische Rennarchitektur. Gleichzeitig soll es bezahlbar bleiben, denn der Kundensport und die Nachwuchsförderung stehen weiterhin im Mittelpunkt. Rund 150 Fahrerinnen und Fahrer aus 26 Nationen haben bislang am elektrischen Rallyeprogramm teilgenommen.
Für Flörsch bedeutet der Einsatz im Mokka GSE vor allem eine neue Art des Fahrens. Im Rallyesport kennt sie die Strecke nicht auswendig. Sie muss den Ansagen ihrer Beifahrerin folgen, Veränderungen auf der Prüfung einschätzen und gleichzeitig das Auto am Limit bewegen.
Was ist für dich bei der Umstellung vom Formelsport auf den Rallyesport die größte Hürde?
Sophia Flörsch: „Ich habe immer gesagt, dass mich der Rallyesport reizt und ich ihn gerne ausprobieren würde, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Es ist einfach eine andere Disziplin innerhalb des Automobilsports. Der größte Unterschied ist zunächst, dass ich wieder ein Auto mit Dach fahre und keinen Formelwagen. Nicht nur auf sauberem Asphalt, sondern auch auf schmutzigen Strecken oder auf Schotter. Das wird spannend, da bin ich in einer komplett neuen Welt unterwegs. Außerdem habe ich eine Beifahrerin neben mir, die in meinem Fall besonders wichtig ist, weil sie mir ansagt, wohin ich fahren muss. Ich kenne die Strecke schließlich nicht. Auf der Rundstrecke kennst du jeden Meter, teilweise jeden halben Meter oder Zentimeter. Du weißt, wo sich welche Bodenwelle befindet und was du an welcher Stelle machen musst. Das ist im Rallyesport überhaupt nicht der Fall. Es geht darum, deiner Beifahrerin vollständig zu vertrauen, ihren Ansagen zu folgen und trotzdem ein Rennauto am Limit zu bewegen. Das ist neu für mich und wird eine Herausforderung. Ich glaube aber, dass ich mit Opel und den ganzen Männern und Frauen um mich herum so gut wie möglich vorbereitet bin. Ich bin sehr gespannt und freue mich riesig darauf.“
Mokka GSE: Batterie, Inverter, E-Motor grundsätzlich aus der Serie. Fahrwerk, Sicherheits-, und elektrische Rennarchitektur auf Racing zugeschnitten.In der Formel E entscheiden nicht nur die Rundenzeiten, sondern auch Software und Energiemanagement. Wie musst du dich als Fahrerin darauf einstellen?
Sophia Flörsch: „Genau das macht die Formel E besonders interessant. Der Motorsport ist heutzutage generell stark von Technik geprägt. Ingenieure und Strategie spielen in jeder Rennserie eine große Rolle und in der Formel E befindet sich das Ganze noch einmal auf einem anderen Niveau. Sieg oder Niederlage werden am Ende tatsächlich durch den Energiehaushalt und die verschiedenen Mappings während des Rennens beeinflusst. Das war auch für mich neu. Diese Komplexität zeichnet die Formel E aus und ist ein Grund dafür, weshalb die Serie so eng ist, die Rennen spannend sind und so viel passiert. Dann kann der Fahrer den Unterschied machen, aber eben auch Kleinigkeiten in der Strategie. Es ist die Kombination, die mich challanged: Das fahrerische Können und wie gut du ein Rennauto am Limit bewegen kannst. Und es geht auch um die Menschen, die hinter dir an der Box oder in der Factory sitzen und versuchen, die Systeme und die Vorbereitung so gut wie möglich zu beherrschen.“
Du bist als Test- und Entwicklungsfahrerin in die Formel E eingestiegen. Siehst du das als langfristige Aufgabe oder als Sprungbrett in ein Renncockpit?
Sophia Flörsch: „Es ist kein Geheimnis, dass man als Rennfahrerin Rennen fahren möchte. Das ist bei mir genauso. Natürlich geht es darum, so schnell wie möglich in ein Formel-E-Cockpit zu kommen. Klar, im Augenblick am besten mit Opel, um die Geschichte weiterzuschreiben. Im Moment konzentriere ich mich aber auf meine aktuelle Aufgabe. Ich möchte so gut wie möglich helfen, damit Opel für den Saisonstart im Dezember bestmöglich vorbereitet ist. Wir sind derzeit ungefähr jede zweite oder dritte Woche entweder auf der Teststrecke oder im Simulator. Letzte Woche war ich wieder dort, nächste Woche geht es zum nächsten Test nach Spanien. Es ist sehr interessant. Ich arbeite mit vielen coolen Menschen zusammen und erhalte selbst viele neue Einblicke. Bis jetzt läuft alles sehr gut. Im Motorsport geht es zwar am Ende um Performance. Ob man dann ein Cockpit erhält, hängt oft von vielen anderen Faktoren ab.“
Deine Karriere führte dich unter anderem durch die Formel 3, die DTM, Le Mans und Indy NXT. War diese Vielseitigkeit ein Vorteil? Hättest du dir rückblickend mehr Kontinuität gewünscht?
Sophia Flörsch: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, wieder 14 Jahre alt wäre und ein unbegrenztes Budget zur Verfügung hätte, würde ich wahrscheinlich den klassischen Weg gehen: Formel 4, Formel 3 und Formel 2, jeweils mit den besten Teams und der bestmöglichen Vorbereitung. Ich hatte leider nie das Glück, diese Möglichkeiten zu haben. Deshalb musste ich immer schauen, was für mich sportlich sinnvoll und tatsächlich möglich ist. So kam es zu dieser breiten Mischung aus Rennserien und unterschiedlichen Autos. Mittlerweile bin ich froh darüber. Ich durfte bereits in jungen Jahren sehr viele verschiedene Autos fahren und an großartigen Rennserien teilnehmen. Mit 19 Jahren bin ich beispielsweise erstmals in Le Mans gestartet, mittlerweile fuhr ich dort drei Mal. Motorsport ist ein Sport, bei dem man von Jahr zu Jahr schauen muss, was mit den vorhandenen Möglichkeiten sinnvoll ist. Genau das haben wir immer gemacht. Meine Laufbahn ist nicht die klassische Karriere vieler anderer Fahrer, die immer jenen wichtigen und richtigen Schritt machen können, der sportlich am meisten Sinn ergibt. Dafür benötigt man die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten. In Zahlen sprechen wir dann von zweistelligen Millionenbeträgen. 2027 will ich zeigen, dass ich in der Formel E jeden Fahrer schlagen kann.“
Sophia Flörsch: „Genau das macht die Formel E besonders interessant. Der Motorsport ist heutzutage generell stark von Technik geprägt. Ingenieure und Strategie spielen in jeder Rennserie eine große Rolle und in der Formel E befindet sich das Ganze noch einmal auf einem anderen Niveau. Sieg oder Niederlage werden am Ende tatsächlich durch den Energiehaushalt und die verschiedenen Mappings während des Rennens beeinflusst. Das war auch für mich neu. Diese Komplexität zeichnet die Formel E aus und ist ein Grund dafür, weshalb die Serie so eng ist, die Rennen spannend sind und so viel passiert. Dann kann der Fahrer den Unterschied machen, aber eben auch Kleinigkeiten in der Strategie. Es ist die Kombination, die mich challanged: Das fahrerische Können und wie gut du ein Rennauto am Limit bewegen kannst. Und es geht auch um die Menschen, die hinter dir an der Box oder in der Factory sitzen und versuchen, die Systeme und die Vorbereitung so gut wie möglich zu beherrschen.“
Du bist als Test- und Entwicklungsfahrerin in die Formel E eingestiegen. Siehst du das als langfristige Aufgabe oder als Sprungbrett in ein Renncockpit?
Sophia Flörsch: „Es ist kein Geheimnis, dass man als Rennfahrerin Rennen fahren möchte. Das ist bei mir genauso. Natürlich geht es darum, so schnell wie möglich in ein Formel-E-Cockpit zu kommen. Klar, im Augenblick am besten mit Opel, um die Geschichte weiterzuschreiben. Im Moment konzentriere ich mich aber auf meine aktuelle Aufgabe. Ich möchte so gut wie möglich helfen, damit Opel für den Saisonstart im Dezember bestmöglich vorbereitet ist. Wir sind derzeit ungefähr jede zweite oder dritte Woche entweder auf der Teststrecke oder im Simulator. Letzte Woche war ich wieder dort, nächste Woche geht es zum nächsten Test nach Spanien. Es ist sehr interessant. Ich arbeite mit vielen coolen Menschen zusammen und erhalte selbst viele neue Einblicke. Bis jetzt läuft alles sehr gut. Im Motorsport geht es zwar am Ende um Performance. Ob man dann ein Cockpit erhält, hängt oft von vielen anderen Faktoren ab.“
Deine Karriere führte dich unter anderem durch die Formel 3, die DTM, Le Mans und Indy NXT. War diese Vielseitigkeit ein Vorteil? Hättest du dir rückblickend mehr Kontinuität gewünscht?
Sophia Flörsch: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, wieder 14 Jahre alt wäre und ein unbegrenztes Budget zur Verfügung hätte, würde ich wahrscheinlich den klassischen Weg gehen: Formel 4, Formel 3 und Formel 2, jeweils mit den besten Teams und der bestmöglichen Vorbereitung. Ich hatte leider nie das Glück, diese Möglichkeiten zu haben. Deshalb musste ich immer schauen, was für mich sportlich sinnvoll und tatsächlich möglich ist. So kam es zu dieser breiten Mischung aus Rennserien und unterschiedlichen Autos. Mittlerweile bin ich froh darüber. Ich durfte bereits in jungen Jahren sehr viele verschiedene Autos fahren und an großartigen Rennserien teilnehmen. Mit 19 Jahren bin ich beispielsweise erstmals in Le Mans gestartet, mittlerweile fuhr ich dort drei Mal. Motorsport ist ein Sport, bei dem man von Jahr zu Jahr schauen muss, was mit den vorhandenen Möglichkeiten sinnvoll ist. Genau das haben wir immer gemacht. Meine Laufbahn ist nicht die klassische Karriere vieler anderer Fahrer, die immer jenen wichtigen und richtigen Schritt machen können, der sportlich am meisten Sinn ergibt. Dafür benötigt man die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten. In Zahlen sprechen wir dann von zweistelligen Millionenbeträgen. 2027 will ich zeigen, dass ich in der Formel E jeden Fahrer schlagen kann.“
Sophia Flörsch ist Test- und Entwicklungsfahrerin in der Formel E: Natürlich geht es darum, in ein Formel-E-Cockpit zu kommen, am besten mit Opel".
„Ingenieure und Strategie spielen in jeder Rennserie eine große Rolle. In der Formel E befindet sich das Ganze aber noch einmal auf einem anderen Niveau …"
”… Sieg oder Niederlage werden am Ende tatsächlich durch den Energiehaushalt und die verschiedenen Mappings während des Rennens entschieden."Der ganz große Titel ist bislang ausgeblieben. Wie hart gehst du deshalb mit dir selbst ins Gericht?
Sophia Flörsch: „Natürlich gibt es bisher keinen großen Titel, der in meiner Vita steht. Auf der anderen Seite muss man die Situation realistisch betrachten und berücksichtigen, wo mein Ausgangspunkt lag und was ich trotzdem geschafft habe. Wenn ich das richtige Team und Auto hatte, war ich P1. Immer. Siehe Bahrain 2021. Es ist schwierig, mit anderen verglichen zu werden, wenn die Ausgangsbedingungen unterschiedlich sind. Wenn jemand nur halb so viel trainiert wie Jannik Sinner, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Wimbledon-Finale gewinnt, ebenfalls deutlich geringer. Im Motorsport ist es ähnlich. Bei uns kommt vor allem im Nachwuchsbereich zusätzlich das Thema Material hinzu. Bis einschließlich Formel 2 entscheiden das Material und Team mindestens 75 Prozent. Ab einem gewissen Niveau, wenn Hersteller beteiligt sind, wird dieser Unterschied kleiner. Davor spielt er aber eine sehr große Rolle. Ich bin froh über alles, was ich gemacht habe. Natürlich gibt es in 20 Jahren immer Dinge, die man im Nachhinein vielleicht anders machen oder Entscheidungen, die man anders treffen würde. Ich kann für mich aber sagen, dass ich immer mein Bestes gegeben habe. So ist der Sport: Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Wir leben im Heute. Entscheidend ist, was ein Rennteam und ich heute können.“
Welche Rennserie hat dich am meisten geprägt?
Sophia Flörsch: „Jede auf ihre Weise. Der Langstreckensport war besonders interessant, weil es dort stark um Teamarbeit geht. Wenn du im Formel- oder Kartsport aufwächst, bist du mehr oder weniger auf dich allein gestellt. Du hast dein Auto, alles dreht sich um dich und du arbeitest mit deinen Ingenieuren. Deine Teamkollegen sind schon die ersten Konkurrenten. Da erlebte ich viele überraschende Dinge. Auf der Langstrecke musst du offener und teamfähiger sein. Ich glaube, das hat mich stark geprägt und reifer werden lassen. Dass ich diese Erfahrung schon so früh machen durfte, war sehr cool. Grundsätzlich ist aber jeder Kilometer, den man in einem Rennen zurücklegt, wichtig. Natürlich lernt man auch mit zunehmendem Alter dazu und kann manche Dinge besser einschätzen.“
Der Unfall in Macau ist ein fester Bestandteil deiner Geschichte. Nervt es dich, immer wieder darauf angesprochen zu werden? Und was war dein größtes Learning daraus?
Sophia Flörsch: „Die FIA hat zweifelsfrei festgestellt, dass ich an dem Unfall keinerlei Schuld hatte. Ich kämpfte um P10 und war Leidtragende. Trotzdem ist ein solcher Unfall natürlich prägend, vor allem wenn er durch die Medien geht und damals aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven gefilmt wurde. Nach dem fünften Interview, hat es mich bereits genervt, darüber zu sprechen. Das ist auch viele Jahre später noch so. Auf der anderen Seite wird der Unfall immer ein Teil meines Lebens bleiben. Ich glaube, er hat vor allem gezeigt, wie sicher der Motorsport heutzutage geworden ist. Natürlich hatten alle Beteiligten und ich sehr viel Glück. Es hätte anders ausgehen können. Ich sage immer: In einem Straßenauto musst du nur mit 50 km/h gegen einen Baum fahren, und es sieht wahrscheinlich deutlich schlimmer aus. Ich war damals rund 285 km/h schnell. Die Rennwagen halten heute schon sehr viel aus. Das größte Learning betrifft deshalb weniger mich persönlich als den Sport insgesamt. Macau veränderte im Jahr danach die Streckenführung und überarbeitete das Warnlichtsystem. Man konnte sehen, wie viel sich bei der Sicherheit in den vergangenen zehn, 15 oder 20 Jahren getan hat. Das ist etwas sehr Positives. Für mich war immer klar, dass ich weitermache und nach Macau zurückkehre. Das habe ich auch durchgezogen. Hundert Tage nach dem Unfall saß ich wieder im Auto. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens, weil es sich davor beinahe wie ein Entzug angefühlt hatte. Sportlich hat mich der Unfall aber zurückgeworfen und mich ungefähr ein Jahr gekostet. Für 2019 konnte ich zunächst nichts planen. Erst im März wussten wir, dass ich wieder vollständig fit bin und alles machen darf. Zu diesem Zeitpunkt war der Zug für viele gute Rennserien und Teams bereits abgefahren. Das war hart. Im Jahr darauf kam auch noch Covid. Dadurch wurde vieles durcheinandergebracht, mein Rennprogramm wenige Monate vor Saisonstart gekippt, weil der Teamsponsor ausfiel. Trotzdem konnte ich den Sport weitermachen, und das war das Wichtigste.“
Sophia Flörsch: „Natürlich gibt es bisher keinen großen Titel, der in meiner Vita steht. Auf der anderen Seite muss man die Situation realistisch betrachten und berücksichtigen, wo mein Ausgangspunkt lag und was ich trotzdem geschafft habe. Wenn ich das richtige Team und Auto hatte, war ich P1. Immer. Siehe Bahrain 2021. Es ist schwierig, mit anderen verglichen zu werden, wenn die Ausgangsbedingungen unterschiedlich sind. Wenn jemand nur halb so viel trainiert wie Jannik Sinner, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er ein Wimbledon-Finale gewinnt, ebenfalls deutlich geringer. Im Motorsport ist es ähnlich. Bei uns kommt vor allem im Nachwuchsbereich zusätzlich das Thema Material hinzu. Bis einschließlich Formel 2 entscheiden das Material und Team mindestens 75 Prozent. Ab einem gewissen Niveau, wenn Hersteller beteiligt sind, wird dieser Unterschied kleiner. Davor spielt er aber eine sehr große Rolle. Ich bin froh über alles, was ich gemacht habe. Natürlich gibt es in 20 Jahren immer Dinge, die man im Nachhinein vielleicht anders machen oder Entscheidungen, die man anders treffen würde. Ich kann für mich aber sagen, dass ich immer mein Bestes gegeben habe. So ist der Sport: Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Wir leben im Heute. Entscheidend ist, was ein Rennteam und ich heute können.“
Welche Rennserie hat dich am meisten geprägt?
Sophia Flörsch: „Jede auf ihre Weise. Der Langstreckensport war besonders interessant, weil es dort stark um Teamarbeit geht. Wenn du im Formel- oder Kartsport aufwächst, bist du mehr oder weniger auf dich allein gestellt. Du hast dein Auto, alles dreht sich um dich und du arbeitest mit deinen Ingenieuren. Deine Teamkollegen sind schon die ersten Konkurrenten. Da erlebte ich viele überraschende Dinge. Auf der Langstrecke musst du offener und teamfähiger sein. Ich glaube, das hat mich stark geprägt und reifer werden lassen. Dass ich diese Erfahrung schon so früh machen durfte, war sehr cool. Grundsätzlich ist aber jeder Kilometer, den man in einem Rennen zurücklegt, wichtig. Natürlich lernt man auch mit zunehmendem Alter dazu und kann manche Dinge besser einschätzen.“
Der Unfall in Macau ist ein fester Bestandteil deiner Geschichte. Nervt es dich, immer wieder darauf angesprochen zu werden? Und was war dein größtes Learning daraus?
Sophia Flörsch: „Die FIA hat zweifelsfrei festgestellt, dass ich an dem Unfall keinerlei Schuld hatte. Ich kämpfte um P10 und war Leidtragende. Trotzdem ist ein solcher Unfall natürlich prägend, vor allem wenn er durch die Medien geht und damals aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven gefilmt wurde. Nach dem fünften Interview, hat es mich bereits genervt, darüber zu sprechen. Das ist auch viele Jahre später noch so. Auf der anderen Seite wird der Unfall immer ein Teil meines Lebens bleiben. Ich glaube, er hat vor allem gezeigt, wie sicher der Motorsport heutzutage geworden ist. Natürlich hatten alle Beteiligten und ich sehr viel Glück. Es hätte anders ausgehen können. Ich sage immer: In einem Straßenauto musst du nur mit 50 km/h gegen einen Baum fahren, und es sieht wahrscheinlich deutlich schlimmer aus. Ich war damals rund 285 km/h schnell. Die Rennwagen halten heute schon sehr viel aus. Das größte Learning betrifft deshalb weniger mich persönlich als den Sport insgesamt. Macau veränderte im Jahr danach die Streckenführung und überarbeitete das Warnlichtsystem. Man konnte sehen, wie viel sich bei der Sicherheit in den vergangenen zehn, 15 oder 20 Jahren getan hat. Das ist etwas sehr Positives. Für mich war immer klar, dass ich weitermache und nach Macau zurückkehre. Das habe ich auch durchgezogen. Hundert Tage nach dem Unfall saß ich wieder im Auto. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens, weil es sich davor beinahe wie ein Entzug angefühlt hatte. Sportlich hat mich der Unfall aber zurückgeworfen und mich ungefähr ein Jahr gekostet. Für 2019 konnte ich zunächst nichts planen. Erst im März wussten wir, dass ich wieder vollständig fit bin und alles machen darf. Zu diesem Zeitpunkt war der Zug für viele gute Rennserien und Teams bereits abgefahren. Das war hart. Im Jahr darauf kam auch noch Covid. Dadurch wurde vieles durcheinandergebracht, mein Rennprogramm wenige Monate vor Saisonstart gekippt, weil der Teamsponsor ausfiel. Trotzdem konnte ich den Sport weitermachen, und das war das Wichtigste.“
„Motorsport ist ein großartiger Sport für jeden und nicht nur für Jungs. Mein Ziel war schon immer, mehr Mädchen und junge Menschen anzusprechen".Die Marke Sophia Flörsch ist bekannt. Ist eine Motorsportkarriere ohne Reichweite und starke Vermarktung heute noch möglich?
Sophia Flörsch: „Es hängt immer davon ab, woher man kommt und was man benötigt. Bei mir war früh klar, dass ich auf Sponsoren und Partner angewiesen bin, denn ich hatte nicht das Glück, dass meine Eltern den gesamten Sport finanzieren werden. Früher ging es dabei stärker um Logoplatzierungen und klassische Sponsoren, heute sind Social Media und Medienauftritte wichtig. Ich finde es cool, dass man heute Werte vermitteln kann, für die man steht. Diese Möglichkeiten hatten Sportlerinnen und Sportler vor Jahren noch nicht. Ich möchte ein Mittelmaß finden, vor allem an Rennwochenenden. Dann unterstützt mich ein Content Producer, um mir den wichtigen Raum für die Konzentration auf den Rennsport zu geben. Am Ende ist es schön, die Fans mitzunehmen und ihnen einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Ich glaube, dass mein Social-Media-Team und ich dabei zu den Ersten gehört haben. Heute zeigt vor allem die Formel 1, wie Fahrer und Sportler vermarktet werden können. Mir ist mein eigener Weg wichtig. Mein Ziel war immer, Mädchen und junge Menschen anzusprechen und vor allem in Deutschland zu zeigen, wie interessant und vielfältig der Rennsport tatsächlich ist. In Deutschland sehe ich hier Aufholbedarf, gerade was das Frauenbild betrifft. Motorsport ist ein wunderschöner Sport. Er ist nicht mehr dreckig, laut und stinkend, wie vielleicht manche noch immer denken, weil das früher teilweise so gewesen sein mag. Es ist ein großartiger Sport für jeden und vor allem nicht nur für Jungs.“
Als du mit dem Motorsport begonnen hast, gab es deutlich weniger sichtbare Fahrerinnen. Wie stark hat sich die Situation verändert?
Sophia Flörsch: „Es hat sich sehr viel getan. Wenn ich heutzutage auf eine Kartbahn gehe, ist es schön zu sehen, dass dort mehrere Mädchen fahren. Die Jungs sind noch deutlich in der Überzahl, aber ein Wandel ist erkennbar. Hersteller, Sponsoren und Teams erkennen, dass Frauen und Mädchen ein gleichwertiger Teil der Rennsportszene werden wollen. Es ist noch zu wenig. Im gesamten Sport fehlt weiterhin Unterstützung. Solche Veränderungen benötigen Zeit und passieren nicht von heute auf morgen. Ich bin noch immer der Meinung, dass ein Umdenken erst stattfinden wird, wenn eine Frau in einer der großen Weltmeisterschaften startet, unabhängig davon, ob das in der Formel E, der Formel 1 oder in der Hypercar-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft ist. Gleiches Material. Gleiche Voraussetzungen. Kein Show-Run. Nur das wird Widerstände aufbrechen, die aktuell sicher bestehen. Das schafft die notwendige Reputation und damit dann die Aufmerksamkeit, um mehr junge Mädchen und Frauen zu erreichen. Ehrlicherweise entscheiden am Anfang häufig nicht die Mädchen selbst. Es sind meistens die Eltern, die ihre Kinder an eine Sportart heranführen.“
Was würdest du einem jungen Mädchen sagen, das Rennfahrerin werden möchte, von seinem Umfeld aber kaum Unterstützung erhält?
Sophia Flörsch: „Das Wichtigste ist, an sich selbst zu glauben. Auf den Rennsport bezogen, sollte man im Kartsport beginnen. Also Kartbahnen besuchen, sich Kartrennen anschauen und dann es dann im Kart selbst zu versuchen. An sich ständig arbeiten, nicht aufgeben, immer den Spaß finden und ausleben. Man lernt Menschen kennen, spricht und unterhält sich, lernt dazu. Man hat hoffentlich Eltern, die einen unterstützen. Man trifft Partner, die an einen glauben. Denn ohne Unterstützung ist Motorsport unmöglich, weil zu aufwendig. Motorsport ist nicht wie Fußball, wo es beinahe in jedem Ort einen Platz gibt und man einfach mit einem Ball gegen ein Tor spielen kann. Selbst wenn man Motorsport nur national betreibt, ist er zeit- und reiseaufwendig. Es geht von Anfang nur in einem Team.“
Sophia Flörsch: „Es hängt immer davon ab, woher man kommt und was man benötigt. Bei mir war früh klar, dass ich auf Sponsoren und Partner angewiesen bin, denn ich hatte nicht das Glück, dass meine Eltern den gesamten Sport finanzieren werden. Früher ging es dabei stärker um Logoplatzierungen und klassische Sponsoren, heute sind Social Media und Medienauftritte wichtig. Ich finde es cool, dass man heute Werte vermitteln kann, für die man steht. Diese Möglichkeiten hatten Sportlerinnen und Sportler vor Jahren noch nicht. Ich möchte ein Mittelmaß finden, vor allem an Rennwochenenden. Dann unterstützt mich ein Content Producer, um mir den wichtigen Raum für die Konzentration auf den Rennsport zu geben. Am Ende ist es schön, die Fans mitzunehmen und ihnen einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Ich glaube, dass mein Social-Media-Team und ich dabei zu den Ersten gehört haben. Heute zeigt vor allem die Formel 1, wie Fahrer und Sportler vermarktet werden können. Mir ist mein eigener Weg wichtig. Mein Ziel war immer, Mädchen und junge Menschen anzusprechen und vor allem in Deutschland zu zeigen, wie interessant und vielfältig der Rennsport tatsächlich ist. In Deutschland sehe ich hier Aufholbedarf, gerade was das Frauenbild betrifft. Motorsport ist ein wunderschöner Sport. Er ist nicht mehr dreckig, laut und stinkend, wie vielleicht manche noch immer denken, weil das früher teilweise so gewesen sein mag. Es ist ein großartiger Sport für jeden und vor allem nicht nur für Jungs.“
Als du mit dem Motorsport begonnen hast, gab es deutlich weniger sichtbare Fahrerinnen. Wie stark hat sich die Situation verändert?
Sophia Flörsch: „Es hat sich sehr viel getan. Wenn ich heutzutage auf eine Kartbahn gehe, ist es schön zu sehen, dass dort mehrere Mädchen fahren. Die Jungs sind noch deutlich in der Überzahl, aber ein Wandel ist erkennbar. Hersteller, Sponsoren und Teams erkennen, dass Frauen und Mädchen ein gleichwertiger Teil der Rennsportszene werden wollen. Es ist noch zu wenig. Im gesamten Sport fehlt weiterhin Unterstützung. Solche Veränderungen benötigen Zeit und passieren nicht von heute auf morgen. Ich bin noch immer der Meinung, dass ein Umdenken erst stattfinden wird, wenn eine Frau in einer der großen Weltmeisterschaften startet, unabhängig davon, ob das in der Formel E, der Formel 1 oder in der Hypercar-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft ist. Gleiches Material. Gleiche Voraussetzungen. Kein Show-Run. Nur das wird Widerstände aufbrechen, die aktuell sicher bestehen. Das schafft die notwendige Reputation und damit dann die Aufmerksamkeit, um mehr junge Mädchen und Frauen zu erreichen. Ehrlicherweise entscheiden am Anfang häufig nicht die Mädchen selbst. Es sind meistens die Eltern, die ihre Kinder an eine Sportart heranführen.“
Was würdest du einem jungen Mädchen sagen, das Rennfahrerin werden möchte, von seinem Umfeld aber kaum Unterstützung erhält?
Sophia Flörsch: „Das Wichtigste ist, an sich selbst zu glauben. Auf den Rennsport bezogen, sollte man im Kartsport beginnen. Also Kartbahnen besuchen, sich Kartrennen anschauen und dann es dann im Kart selbst zu versuchen. An sich ständig arbeiten, nicht aufgeben, immer den Spaß finden und ausleben. Man lernt Menschen kennen, spricht und unterhält sich, lernt dazu. Man hat hoffentlich Eltern, die einen unterstützen. Man trifft Partner, die an einen glauben. Denn ohne Unterstützung ist Motorsport unmöglich, weil zu aufwendig. Motorsport ist nicht wie Fußball, wo es beinahe in jedem Ort einen Platz gibt und man einfach mit einem Ball gegen ein Tor spielen kann. Selbst wenn man Motorsport nur national betreibt, ist er zeit- und reiseaufwendig. Es geht von Anfang nur in einem Team.“
Als Test- und Entwicklungsfahrerin für das Formel-E-Programm von Opel arbeitet Sophia Flörsch „derzeit ungefähr jede zweite oder dritte Woche entweder auf der Teststrecke oder im Simulator."








