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Test: Ford Focus Turnier 1,0 Hybrid Active

Test: Ford Focus Turnier 1,0 Hybrid Active

Der Sportsfreund des Pragmatikers

Kompaktklasse-Kombis sind die vernünftigsten Familienautos, haben es aber schwer gegen die SUV-Übermacht. Der überarbeitete Ford Focus führt neben der markentypischen Fahrdynamik auch Crossover-Anklänge und ein hochbegabtes Multimediasystem ins Treffen. Die neue Kombination aus Doppelkupplungsgetriebe und 155-PS-Mild-Hybrid-Benziner im großen Test.
Warum sind Kompaktklasse-Kombis besonders vernünftig?
Sie bieten ähnlich viel Platz wie Kompakt-SUVs, sind in der Regel aber günstiger zu haben, praktischer zu beladen und flotter zu fahren. Dass der SUV-Boom den klassischen Kombi zunehmend in die Nische gedrängt hat, ändert nichts an der Tatsache: Für eine Familie gibt es keinen vernünftigeren Allrounder.
Ford hat schon den Escort als Kombi gebaut und ist der Karosserieform auch beim Umstieg auf den Focus treu geblieben. Heute verkauft sich der Turnier in vielen Ländern sogar besser als die Steilheckvariante – vielleicht auch, weil er mit fast 4,70 Metern inzwischen ähnlich lang ist wie früher die Mittelklasse um Mondeo und Passat. Dieser Trend ist freilich markenübergreifend, Konkurrenten wie Skoda Octavia und Opel Astra schneiden ihre Kombis ähnlich groß.
 
Was ändert sich beim 22er-Focus?
Er ist ein klassisches Facelift-Modell. Ford hat die vierte Focus-Generation im Jahr 2018 auf den Markt gebraucht und zur Halbzeit des Modellzyklus nun die branchenübliche Runderneuerung durchgezogen. Vielfach ist das ein günstiger Einstiegszeitpunkt, weil einerseits die Kinderkrankheiten lange beseitigt sind, und andererseits neue Technikimpulse dazukommen.
 
Wie unterscheidet sich die Active-Variante von den anderen Modellen?
Crossover-Anklänge machen es den Kunden leichter, ohne SUV klarzukommen. In Active-Ausführung ist der Focus Turnier um 30 Millimeter höhergestellt, das Design bekommt durch die massiveren Stoßfänger, Seitenschweller und Radkasteneinfassungen einen Allroad-Touch.
Grundsätzlich bietet Ford beim Focus drei Designvarianten an: ST-Line steht für Sport, Titanium für Eleganz und Active für Crossover. Zur Erweiterung der Ausstattung lässt sich jeweils das X-Upgrade und zusätzlich das Vignale-Upgrade draufsetzen.
Heckschürze mit feschem Doppelauspuff, so was sieht man inzwischen selten. Fast 4,70 Meter Gesamtlänge, ähnlich wie früher die Mittelklasse.Heckschürze mit feschem Doppelauspuff, so was sieht man inzwischen selten. Fast 4,70 Meter Gesamtlänge, ähnlich wie früher die Mittelklasse.
Runderneuerung zur Halbzeit des Modellzyklus: Hinten und …Runderneuerung zur Halbzeit des Modellzyklus: Hinten und …
… vorne wurden die LED-Lichter nochmal aufgewertet.… vorne wurden die LED-Lichter nochmal aufgewertet.
In der Active-Ausführung ist der Focus 30 Millimeter höhergestellt, die massiveren Seitenschweller und Radkasteneinfassungen geben einen Allroad-Touch.In der Active-Ausführung ist der Focus 30 Millimeter höhergestellt, die massiveren Seitenschweller und Radkasteneinfassungen geben einen Allroad-Touch.
Facelift 2022: Der Kühlergrill wurde höhergezogen und das Ford-Logo hineingesetzt. Auch die neuen seitlichen Lufteinlässe sind stimmig.Facelift 2022: Der Kühlergrill wurde höhergezogen und das Ford-Logo hineingesetzt. Auch die neuen seitlichen Lufteinlässe sind stimmig.
Was ändert sich beim Design? Steht der neue Focus Turnier gut da?
Kompakt-Kombis gelten nicht als cool, aber der Focus Turnier ist doch ein recht flottes Kerlchen, muss man sagen. Die schwungvolle Ford-Linienführung steht der Kombivariante besonders gut. Beim 22er-Facelift wurde dezent und trotzdem nicht ohne Wirkung geliftet: Dass der Kühlergrill höhergezogen und das Ford-Logo hineingesetzt wurde, tut den Proportionen gut, auch die neuen seitlichen Lufteinlässe sind stimmig. Vorne und hinten wurden die LED-Lichter nochmal aufgewertet. Geblieben ist die Heckschürze mit feschem Doppelauspuff rechts hinten, so was sieht man inzwischen ja selten.
 
Was ändert sich im Innenraum? Überzeugt das neue Cockpit?
Wichtigste Änderung beim 22er-Jahrgang ist der nun 13,2 Zoll große Multimedia-Touchscreen, die Bildschirmdiagonale wächst somit von 20 auf 33 Zentimeter! Und so sehr Ford in Köln und Europa verwurzelt ist, hier spürt man auch die amerikanische Seite des Konzerns – die Software ist einfach besser als bei vielen Konkurrenten. Das Layout mag etwas pragmatisch sein, andere treiben es da bunter, aber bei Schnelligkeit, Darstellung und Benutzerfreundlichkeit ist das neue „Sync 4“-System sehr Smartphone-ähnlich. Dynamische Routenführung wird angeboten (auch wenn Google da inzwischen wohl noch genauer ist), Android Auto (und damit eben auch Google Maps) sowie Apple Carplay lassen sich gut integrieren, die Sprachsteuerung ist viel intuitiver geworden (freilich liegt sich nicht immer goldrichtig).
Die komplette Temperatursteuerung hat Ford in eine schmale Leiste im unteren Bereich des Touchscreens verlegt, das Armaturenbrett wird dadurch aufgeräumter und schicker. Intuitiver ist die Steuerung nicht geworden, man braucht fürs Tippen auf den Screen einfach etwas mehr Aufmerksamkeit – aber bei einer Klimaautomatik muss man, wie der Name schon sagt, ja eigentlich nichts mehr steuern.
Dass Ford weiter einen konventionellen, großen Automatik-Wahlhebel einbaut, überrascht optisch etwas, ist aber nicht unpraktisch. An Bord bleiben auch der nun etwas weiter unten platzierte Lautstärke-Drehregler und die praktische Lenkrad-Fernbedienung, die den neuartigen Touch-Lösungen überlegen ist.
Die im X-Upgrade enthaltene digitale Instrumententafel ist uns im Test nicht wirklich abgegangen. Im Focus sind die herkömmlichen Skalen hervorragend abzulesen und das Display dazwischen rückt auch viele Informationen ins Blickfeld.
Die Materialauswahl im Cockpit ist klassenadäquat, die Verarbeitungsqualität sehr solide.
 
Wie gut ist das Platzangebot?
Super. Der Focus Turnier bietet Passagieren und Gepäck ähnlich viel Platz wie die nächsthöhere Kombiklasse um Audi A4 Avant und BMW 3er Touring. Vorne zwickt Zwei-Meter-Fahrer nichts, hinten kommen große Erwachsene ebenfalls vernünftig unter. Der Kofferraum ist enorm, Ford gibt als Ladevolumen 635 bis 1.653 Liter an. Clevere Details begeistern vielerorts: Bei umgeklappten Lehnen ist die Ladefläche eben, es gibt eine Ski-Durchreiche und eine Rücksitz-Entriegelung im Fond, dazu gute Kofferraumbeleuchtung sowie zahlreiche Haken und Ösen. Die Anhängerkupplung lässt sich per Knopfdruck im Kofferraum ausklappen, das Aus- und Einbauen der Kofferraumabdeckung ist weniger Schistelei als üblich. Und, vor allem im Vergleich zu den SUVs ein wichtiger Vorteil: Die Ladekante liegt nur 63 Zentimeter über dem Boden, man hebt seine Fracht also leicht ins Auto und schlichtet sie anschließend auch ohne Verrenkungen.
Wichtigste Änderung beim 22er-Jahrgang ist der nun 13,2 Zoll große Multimedia-Touchscreen.Wichtigste Änderung beim 22er-Jahrgang ist der nun 13,2 Zoll große Multimedia-Touchscreen.
33 Zentimeter Bildschirmdiagonale. Software auf Smartphone-Niveau33 Zentimeter Bildschirmdiagonale. Software auf Smartphone-Niveau
Die Skalen sind gut abzulesen, das Display rückt Infos ins Blickfeld.Die Skalen sind gut abzulesen, das Display rückt Infos ins Blickfeld.
Auch hinten kommen große Erwachsene vernünftig unter – und sie finden komfortable Fondsitze vor.Auch hinten kommen große Erwachsene vernünftig unter – und sie finden komfortable Fondsitze vor.
Klassenübliche Materialien, sehr solide Verarbeitung.Klassenübliche Materialien, sehr solide Verarbeitung.
Ladeabteil mit Beleuchtung, Haken und Entriegelung der Fondlehnen.Ladeabteil mit Beleuchtung, Haken und Entriegelung der Fondlehnen.
Der Kofferraum ist enorm, Ford gibt als Ladevolumen 635 bis 1.653 Liter an. Clevere Details begeistern Pragmatiker.Der Kofferraum ist enorm, Ford gibt als Ladevolumen 635 bis 1.653 Liter an. Clevere Details begeistern Pragmatiker.
Wie fährt sich der Focus Turnier?
Mit seiner markentypischen Fahrdynamik ist er der Sportsfreund des pragmatischen Kombi-Käufers – daran ändert auch die leicht hochgesetzte Active-Variante mit einem Tick mehr Seitenneigung nichts.
 
Ford macht die Fahrwerks- und Lenkungsabstimmung gewohnt knackig. Manche Unebenheiten spürt man dadurch etwas mehr, andererseits ist der Focus agiler als die direkte Konkurrenz und vermittelt mehr Fahrbahnkontakt. Untersteuern setzt erst recht spät ein und das Heck dreht sich in Kurven manchmal auch etwas ein. Ideal für sportive Fahrer, und im SUV-Bereich in der Regel nicht zu bekommen.
 
Überzeugt die neue Antriebskombination?
Der 155 PS starke 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit Turboaufladung und 48-Volt-Mildhybridsystem (MHEV) wird erstmals mit dem Doppelkupplungsgetriebe kombiniert – wobei sich Ford die Hubraum- und Zylinderreduktion natürlich nicht allein ausgedacht hat, sie ist eine Folge der verschärften europäischen Abgasgesetzte. Vier Zylinder haben in der Focus-Baureihe nur noch der letzte verbliebene Diesel (1,5-LIter/120 PS) und das grandiose ST-Modell.
Im Alltagsbetrieb ist der Motor laufruhig und durch die Zusammenarbeit mit dem Doppelkupplungsgetriebe komfortabel. Dass manchmal einer der eh nur drei Zylinder abgeschaltet wird, merkt man ebenso wenig wie das Mildhybridsystem im Hintergrund. Beim Blick auf den guten Testverbrauch von 6,6 Litern fällt es aber schon auf. Dieser Wert steigt, typisch für kleine Turbos, nur bei hohem Vollgasanteil an.
Klar ist, dass ein so kleines Aggregat bei flotten Etappen weit hochdrehen muss. Das Motorgeräusch ist dann präsenter – aber es geht auch was weiter. Obwohl das Doppelkupplungsgetriebe gut arbeitet, fragen Sportler eventuell nach Lenkradwippen oder eine Schaltgasse für manuelle Eingriffe – das Schalten am Volant ist in der ST-Line möglich, sonst bleibt nur der Umstieg auf den Handschalter, der von Ford zum Glück noch für alle Motorvarianten angeboten wird.
 
Wie schaut es preislich aus?
Sicherheitsassistenten und Verbrauchsreduktionen werden vom Gesetzgeber gefordert, aber vom Kunden bezahlt. Das hebt auch den Einstiegspreis des Focus-Kombis auf inzwischen 25.500 Euro, den Testwagen weist die Liste mit 34.350 Euro aus – was für einen gut ausgestatteten und geräumigen Familien-Allrounder im Konkurrenzvergleich ein guter Wert ist. Nicht zuletzt im SUV-Konkurrenzvergleich.
 
Das Fazit?
Pragmatiker mögen Kompaktklasse-Kombis und Sportler mögen Ford. Die markentypische Fahrdynamik macht den Focus Turnier zu einem der flottesten Vernunftfahrzeuge. Der 4,70 Meter lange Kombi ist heute ähnlich geräumig wie früher die Mittelklasse um Mondeo und Passat. Das Segment gilt nicht als cool – ist aber im Vergleich zu kompakten SUVs günstiger, praktischer und agiler. Und der Focus darf unter den Kompakt-Kombis durchaus als flottes Kerlchen gelten. Highlight des 22er-Updates ist das hervorragende Multimediasystem.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Die markentypische Fahrdynamik macht den Focus Turnier zu einem der flottesten Vernunftfahrzeuge. Der 4,70 Meter lange Kombi ist heute ähnlich geräumig wie früher die Mittelklasse um Mondeo und Passat.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Die markentypische Fahrdynamik macht den Focus Turnier zu einem der flottesten Vernunftfahrzeuge. Der 4,70 Meter lange Kombi ist heute ähnlich geräumig wie früher die Mittelklasse um Mondeo und Passat."

DATEN & FAKTEN

Ford Focus Turnier 1,0 EcoBoost Hybrid PowerShift Automatik Active

(Juli 2022)

Preis

34.350 Euro. Einstiegspreis Focus Turnier: 25.500 Euro.

Antrieb

1,0-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor mit Turboaufladung und 48-Volt-Mildhybridsystem (MHEV), Leistung 114 kW/155 PS bei 6.000 U/min, Max. Drehmoment 190 Nm bei 1.900 – 5.500 U/min. 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (PowerShift). Vorderradantrieb.

Abmessungen

Länge 4.693 mm, Breite 1.844 mm, Höhe 1.504 mm, Radstand 2.700 mm. Kofferraumvolumen 635 – 1.652 Liter.

Gewicht

Eigengewicht ab 1.451 kg. Zulässiges Gesamtgewicht 2.005 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 202 km/h, Beschleunigung von 0 – 100 km/h in 9,9 Sekunden, WLTP-Normverbrauch 5,4 – 6,3 Liter.

Testverbrauch

6,6 Liter

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

8 Punkte

Vernunft

10 Punkte

Preis-Leistung

8 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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