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REISE IN DIE HEIMAT VON PEUGEOT

Mahlen nach Zahlen

Peugeot baut Autos mit Charisma – und das schon ziemlich lange. Weit weniger bekannt ist, dass es auch ein Vergnügen ist, eine Peugeot-Mühle in der Küche stehen zu haben. Eine Reise in die Heimat von Peugeot, zum vielfältigen Museum und zur einmaligen Pfeffermühlen-Produktion.
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Sochaux im Nordosten Frankreichs ist nicht gerade das, was man einen touristischen Hotspot nennen kann. An Over-Tourism leidet das nur knapp mehr als 4000 Einwohner zählende Örtchen jedenfalls nicht.
Sehr wohl von Bedeutung ist Sochaux, eingebettet zwischen dem Jura-Gebirge und den Vogesen im Departement Doubs (Region Bourgogne-Franche-Comte), einer durchaus reizvollen Mischung aus Südoststeiermark und Waldviertel, jedoch für die französische Automobilproduktion. Residiert doch dort das 1912 eröffnete Stammwerk und gleichzeitig auch größte Autofabrik der Marke Peugeot mit heute etwa 10.500 Mitarbeitern – jeder im Ort und der Region hat also direkt oder indirekt etwas mit Peugeot zu tun. Ebenfalls in Sochaux steht das 1988 eröffnete, höchst besuchenswerte Musee de l’Aventure Peugeot. Also doch ein Hotspot. Jedenfalls für Fans der traditionellen Marke mit dem sich aufbäumenden Löwen im Firmenlogo.
Die Region Bourgogne-Franche-Comte, eine durchaus reizvollen Mischung aus Südoststeiermark und Waldviertel.Die Region Bourgogne-Franche-Comte, eine durchaus reizvollen Mischung aus Südoststeiermark und Waldviertel.

Voila - die wortwörtliche Übersetzung Abenteuer-Museum freilich führt ein Stückerl in die Irre, Wasserrutschen, Hochseilparks oder Achterbahnen werden Besucher, die sich um überraschend günstige neun Euro ein Ticket kaufen, keine finden. Dafür aber auf 10.000 Quadratmeter rund 100 Automobile – Serienmodelle wie auch Prototypen - sowie 50 Fahrräder und Motorräder. Ein eigener Bereich ist Rallye- und Rennwagen gewidmet, wo unter anderem auch der 908 HDi steht, mit dem Alexander Wurz im Jahr 2009 der Gesamtsieg bei den ebenso legendären wie grausamen 24 Stunden von Le Mans gelang. Kleine Taferln mit den wichtigsten Infos zu den jeweiligen Ausstellungsstücken informieren die Besucher. Berührend: Auch ohne Französischkenntnisse kriegt man die verklärten Blicke eines in die Jahre gekommenen französischen Ehepaares mit, das vor einem alten Peugeot 403 steht: Man braucht kein einziges Wort des leise geführten Dialog zu verstehen, um zu erkennen, dass da gerade ein Film in den Köpfen abläuft mitsamt all den sentimentalen Erinnerungen – an das Auto, als es noch jung war und sie selbst auch. So oder so: Beim andächtigen Studium zum Beispiel eines Eclipse 402, dem ersten Blechdach-Cabrio aus den Dreißiger-Jahren, wird schnell klar, dass die (eh schon wieder ausgestorbenen) Cabrio-Coupes keine Erfindung der automobilen Neuzeit sind. Sondern eine uralte Kreation Peugeots.

Lange Tradition haben bei Peugeot im übrigen auch die Pfeffermühlen. Die werden seit 1842 hergestellt und sind damit die ältesten Erzeugnisse des Konzerns. Die Firma PSP, kurz für Poivrieres Saliers Production, gilt unter Kennern als der Rolls-Royce unter den Mahlwerken, ist Weltmarktführer mit Niederlassungen in Deutschland, den USA und Japan sowie Importeuren in mehr als 60 Ländern. Das Besondere an den Peugeot-Mühlen ist ihr patentiertes Schneidmahlwerk, die sogenannte zweireihige Spiralverzahnung. Ohne groß langweilig in technische Details zu gehen, über die sich Kenner der Materie stundelang und ohne Punkt und Komma unterhalten können: Im Gegensatz zu billigen Mühlen aus dem Asia-Shop ums Eck, die das Korn zerstoßen, werden die einzelnen Körner in Peugeot-Mühlen in hauchfeine Streiferln zerschnitten, können sich folglich im Mahlwerk nicht verklemmen – und entfalten so ihr ganzes Aroma. Die Produktpalette ist - was kaum wer weiß - riesig, Peugeot offeriert nämlich auch Messer, Wein-Accessoires (Dekanter, Korkenzieher) sowie auch Leinsamen-, Salz- und Kaffeemühlen aus Holz, Edelstahl, Acryl und Gusseisen, manuell oder elektrisch betrieben. Billig ist das Vergnügen, eine Peugeot-Mühle in der Küche stehen zu haben nicht, sind doch - je nach Modell und Größe - schon einmal ein paar Hunderter fällig.

Hauptgeschäft ist und bleibt freilich die Autosparte. Die namensgebende Gründer-Familie stammt aus der damals unter der württembergischen Herrschaft stehenden Umgebung von Montbeliard. Als Gründungsjahr gilt 1810, als die Brüder Jean-Pierre und Jean-Frederic die Firma Peugeot Freres et Compagnie gründeten und die elterliche Ölmühle in Herimoncourt um eine Eisengießerei erweiterten, in der ab 1819 Walzeisen, Sägen, Bajonette, Uhrenfedern und Korsette aus Stahlbändern gefertigt wurden – unter anderem. Die Wende vom Eisenwarenhersteller zum Fahrzeugfabrikanten leitete Jahre später Armand Peugeot ein, der ab 1886 Fahrräder baute, ab 1898 auch motorisierte. Noch im selben Jahr stellte Peugeot ein dampfbetriebenes Dreirad her und bereits im darauffolgenden Jahr den Type 2, Peugeots erstes Auto mit Verbrennungsmotor. Revolutionär: Vollgummireifen, die Peugeot als erster Automobilhersteller überhaupt verwendete.
Da die Sägezähne der Peugeot-Sägeblattproduktion an den Rachen eines Löwen erinnerten, wurde die Großkatze ab 1858 als Markenzeichen registriert. Andere Quellen sprechen zwar auch von einem Löwen, der allerdings nichts mit Eisenwaren zu tun hat, sondern vielmehr dem Stadtwappen Montbeliards entstammt. Wie auch immer: Ab 1906 dient der Löwe als Markenzeichen. Bis heute, wenn auch in durchaus unterschiedlichen Ausführungen: Auf den Pfeffermühlen steht er auf vier Beinen, auf Fahrrädern sitzt er aufrecht, auf den Autos jedoch steht er aufrecht auf den Hinterläufen mit gehobenen Tatzen.
Und auch die Herkunft der Mittel-Null in der Modellbezeichnung hat eine eigene Story: Bis Ende der 1920er-Jahre nummerierte Peugeot alle Modelle unter der schlichten Bezeichnung Type. Ab Anfang der 1930er-Jahre begann Robert Peugeot, Nachfolger Armand Peugeots, mit dem 201 die Fahrzeuge mit Nummern zu versehen. 201 deshalb, weil dieses Auto eben das bis dahin zweihundertste Produkt der Peugeot-Entwicklungsabteilung war. Der Nuller in der Mitte ist übrigens markenrechtlich geschützt – dies führte im Jahr 1963 dazu, dass Porsche im Namensstreit um den 901 unterlag und ihn daraufhin 911 nannte.

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