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Test: Kia EV4 Fastback

Test: Kia EV4 Fastback

Mutig in die Verlängerung

Der EV4 Fastback versteckt seinen Limousinen-Kofferraum hinter einem mutigen Schrägheck und kombiniert großzügiges Freigepäck mit viel Beinfreiheit. Der sparsame Antrieb ermöglicht lange Etappen in angenehmer Ruhe. Verglichen mit der bisherigen Kompaktklasse ist das eine neue Welt.
Worum geht es?
Kompaktklasse als Limousine mit großem Heck und entsprechend großem Kofferraum, das ist eine grundvernünftige Sache – die sich in Österreich, Deutschland und dem restlichen Mitteleuropa aber nicht besonders gut verkauft. Im Süden und Osten Europas schaut es schon anders aus, erst recht in der Türkei, in Asien, in Südamerika oder im Nahen Osten. Eigentlich, stellt man fest, fahren nur wir die Kompaktklasse als Hatchback mit senkreckt abfallendem Heck. Dass Kia es trotzdem probiert und dem in der Slowakei mit österreichischem Voest-Stahl produzierten EV4 Hatchback auch bei uns den in Asien gefertigten EV4 Fastback zur Seite stellt, liegt am Design: Der EV4 Fastback versteckt seinen Limousinen-Kofferraum hinter einem auch hierzulande akzeptierten Fließheck.
Natürlich ist der EV4 für Kia zunächst einmal ein elektrischer Ceed, das neue Angebot der Marke genau dort, wo die meisten Kunden kaufen, in der Kompaktklasse – wobei die 4,73 Meter lange Fastback-Karosserie den EV4 Hatchback um 30 Zentimeter überragt, ein ähnlich deutlicher Größenunterschied wie bei Ceed und Ceed Kombi. Dass es sich durch die Elektro-Plattform aber auch grundsätzlich um neue Standards handelt, macht dann der für Platzangebot und Fahrgefühl entscheidende Radstand deutlich: 2,82 Meter zwischen den Achsen sind rund zwanzig Zentimeter mehr als bei Kompaktklasse-Verbrenner-Modellen wie Ceed und Golf. Das ist dann schon eine andere Komfort-Klasse.

Wie schaut der EV4 Fastback aus?

In Segmenten mit vielen Vertragsunterschriften verlässt Designer oft der Mut. Dass kann man den Kreativen von Kia nicht nachsagen. Der EV4 ist schon grundsätzlich ein erstaunlich progressiver Typ, mit ihm kommt futuristisches Design in die Kompaktklasse, dessen Proportionen ein bisschen Gewöhnungszeit brauchen, das aber nach Aufbruch aussieht und Frische ausstrahlt. In der Fastback-Version ist Kia dann aber wirklich furchtlos und kombiniert ein riesiges Heck – ein bisschen im Stil von Cadillac – mit dem New Look des EV4. Schräges Schrägheck, sozusagen.
Dafür, dass wir offiziell immer noch in der Kompaktklasse sind, ist es ein wuchtiger Auftritt: Durch die größeren Abmessungen und die auffälligen Designelemente wirkt die EV4-Karosserie mächtiger als andere Autos der Klasse. Das ausstattungsabhängige Styling macht durchaus einen Unterschied, große Räder und der in der GT-line gebündelte Glossy-Look mit schwarzen Hochglanzteilen lassen den EV4 Fastback mehr strahlen.
Verlängerung. Die 4,73 Meter lange EV4 Fastback-Karosserie überragt den Hatchback um 30 Zentimeter.Verlängerung. Die 4,73 Meter lange EV4 Fastback-Karosserie überragt den Hatchback um 30 Zentimeter.
Vertikale, weit außen platzierte Hight-Tech-Scheinwerfer.Vertikale, weit außen platzierte Hight-Tech-Scheinwerfer.
Aerodynamisch günstiges Fließheck mit Doppel-Dachspoiler.Aerodynamisch günstiges Fließheck mit Doppel-Dachspoiler.
In der Fastback-Version ist Kia mutig und kombiniert ein riesiges Heck – ein bisschen im Stil von Cadillac – mit dem New Look des EV4.In der Fastback-Version ist Kia mutig und kombiniert ein riesiges Heck – ein bisschen im Stil von Cadillac – mit dem New Look des EV4.
Was bietet der EV4 Fastback innen?
Der EV4 Fastback hat ein 60 Liter größeres Kofferraumvolumen als der Hatchback und fasst
495 Liter, ohne den Sitzkomfort der fünf Passagiere oder die Sicht des Fahrers durch das Heckfenster zu beeinträchtigen. Der Kofferraum hat keine große Fließheck-, sondern eine normale Limousinen-Klappe. Die Öffnung ist sehr breit, aber nicht besonders hoch. Durch die in den Stauraum ragenden Radkästen und Halterungen ist das Verladen mehrerer großer Koffer schwierig, während weiche Gepäckstücke wie Rücksäcke und Sporttaschen in sehr großer Zahl Platz haben. Das großzügige Freigepäck gibt es aber nicht im Tausch gegen Beinfreiheit, sondern im Gegenteil, zusammen mit einem erstaunlich weitläufigen Fond: Normal große Erwachsene sitzen im EV4 Fastback komfortabel hintereinander, ohne sich einzuschränken, das ist keine Selbstverständlichkeit in der Kompakt- und selbst der Mittelklasse. Reihe eins genießt Sitzheizung und -kühlung, die Stühle werden in der Ladepause zu Liegesitzen für das Nickerchen zwischendurch. Der Theater-Modus stellt automatisch eine fernsehgerechte Position ein und dimmt das Licht runter. Auch in der zweiten Reihe werden die Sitze geheizt, Computer und Handy können dort an einer 220-Volt-Steckdose geladen werden. 
Aus reinen Elektro-Plattformen lässt sich generell mehr Platz rauszuholen. Zudem geht Kia bei Radstand und Karosseriebreite an die Segment-Grenzen, baut ein niedriges Armaturenbrett ein und lässt viel freien Raum zwischen Fahrer und Beifahrer. Das macht den Innenraum extrem luftig und fühlt sich nach ein bis zwei Klassen weiter oben an. Auch im Vergleich zum nicht gerade engen EV3 ist das Raumgefühl noch etwas großzügiger. 40 Millimeter ist die Sitzposition im EV4 niedriger als im EV3. Klingt wenig, macht aber den Unterschied zwischen Integration ins Auto und Aussichtswarte. Geradliniges Design, eine Mischung aus dunklen und hellen Farbtönen sowie Textilbezüge am Armaturenbrett schaffen einen modernen Innenraum. Der Anteil an harten Kunststoffen ist niedriger als im EV3, ein wenig mehr Polsterung und Textil würden trotzdem nicht schaden, auch wenn Kia vorbildlich viele Recyclingmaterialien einsetzt. Die relativ straffen Sitze und die breite Mittelarmlehne ergeben eine überzeugend bequeme Kombination. Das Volant ist dick, der Startknopf liegt direkt hinter dem Lenkrad, der Gangwahlhebel an gleicher Stelle. Losfahren gerät so zum Blitzstart.
Das Cockpit ergibt eine gute Kombination aus Analog- und Digital-Welt. Tasten, die sich aus optischen Gründen nun bündig in die Umgebung integrieren, decken Sitzheizung, Lenkradheizung, Sitzkühlung, Fensterheber, Spiegelverstellung, Auto-Hold-Funktion, Temperatursteuerung und Lenkradfernbedienung ab. Der Rest verteilt sich auf das Panoramadisplay, an das obligatorische Digitalcockpit schließt direkt ein großer Touchscreen mit kabelloser Anbindung von Apple CarPlay und Android Auto an. In die Kia-Navigation integrierte Google-Points-of-Interest erleichtern die Routeneingabe. Neben Apps für Netflix oder Disney+ können nun auch bekannte Videospiele direkt auf das Multimediasystem des Autos runtergeladen werden. Das klangstarke Harman Kardon-Soundsystem ist ein Hörgenuss. Mit der neuen Generation des „Digital Key“ kann man bis zu 15 Personen einen eigenen Schlüssel zustecken, respektive auf das Smartphone oder die Smartwatch übertragen. Und wenn sich die Tür schwerlich öffnen lässt, weil der EV4 zu nah an der Wand oder am Nachbarn parkt, kann er über die Handy-App ferngesteuert werden.
 
Welche Technik kommt zum Einsatz?
Vorderradantrieb und ein Elektromotor mit 204 PS sowie 283 Newtonmetern Drehmoment sind gesetzt. Der im EV4 Fastback serienmäßige 81,4-kWh-Akku bringt es auf bis zu 633 Kilometer offizielle WLTP-Reichweite – was im Mainstream-Kompakt-Segment Maßstäbe setzt. Die 800-Volt-Technik von EV6/EV9 wurde aus Kostengründen weggelassen, die maximale DC-Ladeleistung ist daher geringer und beträgt 128 kW. Unter Idealbedingungen kommt man in gut 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent Batteriestand. Durch die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) ist der EV4 Fastback auch eine 220-Volt-Stromquelle, zum Beispiel um E-Bikes und Scooter zu laden. Plug & Charge, also Laden ohne Zücken der Ladekarte, ist ebenso möglich wie die Einbindung in Hauselektrik (V2H) oder die Einspeisung ins Netz (V2G).
Technisch ist Kia inzwischen grundsätzlich anspruchsvoll. Erhöhung der Karosseriesteifigkeit, Reduktion der Geräusche und Verfeinerung des Federungskomforts sind selbstverständlich. Das EV4 Fastback-Fahrwerk hat MacPherson-Federbeinen und eine Vierlenker-Multilink-Hinterachse. Es verfügt zudem über hochwertige Buchsen und ein spezielles Dämpfungssystem mit frequenzselektiven Ventilen, die das Ansprechverhalten verbessern. Steifere Querträger, schallabsorbierende Materialien und Akustikglas sind verbaut, auch im Motor- und Getriebe-Bereich wurde an der Geräuschreduktion getüftelt.
Der Innenraum ist luftig, das Cockpit eine gute Kombination aus Analog- und Digital-Welt.Der Innenraum ist luftig, das Cockpit eine gute Kombination aus Analog- und Digital-Welt.
Textilbezug am Armaturenbrett.Textilbezug am Armaturenbrett.
Modern in Design und Materialauswahl.Modern in Design und Materialauswahl.
Erstaunlich viel Beinfreiheit im Fond: Normal große Erwachsene sitzen im EV4 Fastback komfortabel hintereinander, ohne sich einzuschränken.Erstaunlich viel Beinfreiheit im Fond: Normal große Erwachsene sitzen im EV4 Fastback komfortabel hintereinander, ohne sich einzuschränken.
220-Volt-Steckdose unter der Rückbank.220-Volt-Steckdose unter der Rückbank.
Die Designsprache von außen setzt sich innen fort.Die Designsprache von außen setzt sich innen fort.
Großzügige Freigepäck: Der EV4 Fastback hat ein 60 Liter größeres Kofferraumvolumen als der Hatchback und fasst 495 Liter.Großzügige Freigepäck: Der EV4 Fastback hat ein 60 Liter größeres Kofferraumvolumen als der Hatchback und fasst 495 Liter.
Wie fährt sich der EV4 Fastback?
Der EV4 Fastback erreicht einen Premiumstandard im Fahrkomfort, diesen nicht quantifizierbaren Eindruck, dass alles rund und ein bisschen besser als Normal läuft. Direkt Beteiligte wie Lenkung, Antrieb und Pedale haben viel Feinabstimmung erfahren. Auch die Geräuschdämmung ist effektiv, im EV4 Fastback ist es ruhig wie in einem Oberklasseauto. Das Fahrwerk spricht sensibel an und ist weniger straff als bei anderen E-Autos der Klasse, gemeinere Unebenheiten kommen mit den 19-Zoll-Felgen der GT-Line aber schon durch.
Nicht zuletzt der lange Radstand machen das Auto komfortabel im Abrollverhalten und souverän bei hohen Geschwindigkeiten, ein Abstand zum EV6 mit seinem adaptiven Fahrwerk bleibt aber schon. Zugleich ist der EV4 Fastback gut austariert und lässt sich flott bewegen, dezitiert sportlich wird er aber nicht. Dafür ist die Lenkung zu wenig direkt und das rund 1.900 Kilo schwere Auto drängt in Kurven nach außen, auch Radstand und Spurbreite spürt man.
Der EV4-Antrieb mit 204 PS hat die erfreuliche Agilität von Elektromaschinen, aber darüber hinaus keine sportliche Note – was nicht heißt, dass man unten heraus nicht souverän und über 100 km/h nicht immer noch ordentlich zulegen könnte. Das Auto liefert da nicht mehr und nicht weniger als man braucht. Das Ding-Dong der Assistenzsysteme nervt kaum noch. Bei der Überwachung der Fahrer-Aufmerksamkeit hat sich Kia zurückgenommen und die traditionell lästigsten Assistenten – Spurführung und Geschwindigkeitswarnung – lassen sich über Lenkradtasten ganz schnell ausschalten.
Im Test war der EV4 mit einem Verbrauchswert von nur 16,5 kWh auffallend sparsam unterwegs, das ergibt mit der 81,4-kWh-Batterie eine Gesamtreichweite im Bereich von 500 Kilometern. Wenn man es darauf ankommen lässt und betont sparsam fährt, sind auch 600 Kilometer und sogar mehr möglich. Bei nicht zu schneller Autobahnfahrt gehen sich um die 400 Kilometer aus. Für das Mainstream-Segment sind das Spitzenwerte.
 
Wie ist der Preis einzuschätzen?
Je nach Ausstattungsstufen bewegen sich die Preise zwischen 52.140 Euro und 56.640 Euro, jeweils rund 1.500 Euro mehr als für den Hatchback. Nicht wenig, vielmehr ein Premiumpreis für ein Premiumauto, unter Zugabe von viel Serienausstattung und abgefedert von attraktiven Leasingraten. Dazu gibt es bei Kia sieben Jahre Herstellergarantie.
 
Das Fazit?
Der EV4 Fastback verbindet viel Beinfreiheit mit großzügigem Freigepäck, vor allem weiche Gepäckstücke wie Rücksäcke und Sporttaschen haben in großer Zahl Platz. Den Limousinen-Kofferraum verstecken die Designer hinter einem mutigen Schrägheck. Mit dem sparsamen Antrieb fährt man lange Etappen in angenehmer Ruhe. Vergleichen mit der bisherigen Kompaktklasse, ist das alles eine neue Welt: Die Vorteile, die eine Elektro-Plattform bei Platzangebot und Fahrkomfort bieten kann, nutzt Kia im EV4 besonders effektiv. Die Koreaner setzten damit Maßstäbe, sind aber auch preislich durchaus selbstbewusst. 
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Verbindet viel Beinfreiheit mit großzügigem Freigepäck. Mit dem sparsamen Antrieb fährt man lange Etappen in angenehmer Ruhe.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Verbindet viel Beinfreiheit mit großzügigem Freigepäck. Mit dem sparsamen Antrieb fährt man lange Etappen in angenehmer Ruhe."

DATEN & FAKTEN

Kia EV4 Fastback

(März 2026)

Preis

52.140 bis 56.640 Euro.

Antrieb

Permanent-Magnet-Synchronmotor, Leistung 150 kW / 204 PS, Drehmoment 283 Nm.
Allradantrieb. 1-Gang Direktgetriebe. Batteriekapazität 81,4 kWh. DC-Laden max. 128 kW. AC-Laden: 11 kW.

Abmessungen

Länge 4.730 mm / Breite 1.860 mm / Höhe 1.480 mm. Radstand 2.820 mm.
Kofferraumvolumen 490 Liter.

Gewicht

Eigengewicht 1.825 – 1.912 kg. Höchstzulässiges Gesamtgewicht 2.355 kg. Anhängelast: ungebremst 750 kg, gebremst 1.000 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 170 km/h, Beschleunigung 0 – 100 km/h 7,7 Sek., WLTP-Normverbrauch 14,4 – 14,9 kWh/100 km, WLTP-Reichweite 612 – 633 km.

Testverbrauch

16,5 kWh = ca. 500 km Reichweite
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