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Test: Opel Corsa GSE

Test: Opel Corsa GSE

Heißes Öfchen

Stark motorisierte Versionen des Opel Corsa gab es schon immer. Vom GSi über den OPC wurden sie gern als Basis für den Motorsport verwendet. Jetzt ist die elektrisch angetriebene Ära angebrochen: Der GSE ist der Corsa mit dem stärksten Antrieb und der flottesten Beschleunigung aller Generationen.
Um welches Auto geht’s?
Kleinwagen ist der Corsa keiner mehr – oder vielmehr: Kleinwagen sind heutzutage nicht mehr wirklich klein. Seit 1982 gibt es das Modell in der Opel-Palette, und damals war der Corsa wirklich winzig: nur 3,6 Meter lang, deutlich kleiner als der damalige Kadett D (der erste mit Frontantrieb). Nun halten wir bei der sechsten Auflage, intern Corsa F genannt, sie misst schon über vier Meter. In allen Generationen gab es immer einen „Hot Hatch“: eine sportliche Variante, die nicht nur einen stärkeren Motor, sondern auch entsprechende Fahrwerkskomponenten mitbrachte und nicht selten Basis für Motorsportaktivitäten war. Der Corsa A GSi kam 1988 heraus, er wog nur 820 Kilo und bot runde 100 PS, die ihn 188 km/h schnell machten. Auch von den Nachfolgern Corsa B und Corsa C gab’s heiße GSi-Versionen. Beim Corsa D und Corsa E hießen die schnellen Varianten OPC (das stand für Opel Performance Center), sie kamen per Turboaufladung schon auf über 200 PS. Und jetzt der aktuelle Corsa GSE, ein Kürzel, das Opel schon für ikonische Coupés der Markengeschichte wie Manta und Monza verwendet hat. Das E steht aber auch für den Antrieb – er ist rein elektrisch. Die Eckdaten: 240 PS, 345 Newtonmeter Drehmoment, Frontantrieb. Die 54-kWh-Batterie ist laut WLTP für 354 bis 374 Kilometer Reichweite gut. 

Für Opel ist es das zweite Sportmodell in der aktuellen Palette nach dem Mokka GSE, der auf der gleichen CMP-Plattform und einem ähnlichen Komponentenmix aufbaut. Motorsport und Serie bleiben in Rüsselsheim eng verzahnt sind. Neben dem Einstieg in die Formel E betreibt Opel als einzige Marke einen elektrischen Rallye-Cup, anfangs mit dem Corsa-e Rally und aktuell mit dem Mokka GSE Rally.  

Wie sieht der Corsa GSE aus?
Wie gesagt: Zierlich ist der nicht mehr. Selbstbewusst steht er da auf seinen 18-Zoll-Leichtmetallrädern, durch die gelbe Alcon-Bremssättel durchblinzeln. Er trägt eine neu gestaltete Frontschürze vor sich her, auf der die drei Buchstaben GSE prangen. Diese finden sich auch seitlich auf den Vordertüren. Die Felgen sind in Anlehnung an das Dreispeichen-Design des Corsa GSi von 1988 gestaltet. Sechs Farben stehen zur Wahl: Blau, Schwarz, Silber, Grau und zweierlei Weiß. Das Dach ist schwarz, ebenso der Dachspoiler am Heck. Die Karosserie wurde um 25 Millimeter tiefergelegt, die Spur vorne um 54, hinten um 20 Millimeter verbreitert. Das erzeugt schon rein optisch einen kräftigen Eindruck: Der Corsa GSE versteht sich nicht als Spielzeug.
Ein Sperrdifferenzial sorgt für Traktion aus Kurven heraus. Auch von 0 auf 100 km/h ist der Corsa GSE schneller als jeder andere Serien-Opel.Ein Sperrdifferenzial sorgt für Traktion aus Kurven heraus. Auch von 0 auf 100 km/h ist der Corsa GSE schneller als jeder andere Serien-Opel.
Die Karosserie 25 Millimeter tiefergelegt, die Spur vorne um 54 verbreitert.Die Karosserie 25 Millimeter tiefergelegt, die Spur vorne um 54 verbreitert.
Kunden können zwischen Michelin- oder Hankook-Serienbereifung wählen.Kunden können zwischen Michelin- oder Hankook-Serienbereifung wählen.
Das überarbeitete Fahrwerk gewährleistet höhere Steifigkeit an der Hinterachse, was der Stabilität beim schnellen Einlenken zugutekommt.Das überarbeitete Fahrwerk gewährleistet höhere Steifigkeit an der Hinterachse, was der Stabilität beim schnellen Einlenken zugutekommt.
Wie präsentiert sich der Innenraum?
Es galt, „Opel spürbar zu machen“, sagt Produktmanagerin Helen Walter. Deshalb trifft man im Innenraum immer wieder auf kräftige gelbe Akzente, denn Gelb, Weiß, Grau und Schwarz sind die Opel-Motorsportfarben. Am hellsten leuchten die knallgelben Sicherheitsgurte von den schwarz-grau-gelb karierten Sportsitzen. Dezenter sind die gelben Nähte auf den seitlichen Alcantara-Sitzbezügen, den Türverkleidungen und am Lenkrad.
Die Sitze geben besten Seitenhalt, das war zu erwarten; leider ist die Sitzfläche etwas kurz. Auch das Lenkrad ist teils mit Alcantara bezogen, nämlich auf der Oberseite des Lenkradkranzes – das sieht schön und sportlich aus, wäre aber seitlich, dort, wo links und rechts die Hände liegen, sinnvoller. Immerhin bleibt es so länger samtig und greift sich nicht so schnell ab.
 
Welche Technik kommt zum Einsatz?
Was den Antrieb betrifft, hat Opel ins Volle gegriffen: Der Corsa GSE ist der stärkste Corsa aller Zeiten, nicht nur in Sachen Motorleistung, sondern auch in der für Motorsportler so wichtigen Disziplin des Leistungsgewichts, das in Kilogramm pro PS angegeben wird. Trotz des Gewichtsnachteils eines Elektroautos mit seiner schweren Batterie – der Corsa GSE wiegt 1.554 Kilo – erreicht er den besten Wert aller Corsa-Generationen, wenn man die früheren GSis und OPCs mit dem neuen GSE vergleicht: Pro Tonne Fahrzeuggewicht stehen 181 PS Motorleistung zur Verfügung, das entspricht 5,52 kg/PS.
Die Antriebstechnik des Corsa GSE findet sich auch im Schwestermodell Mokka GSE und dem Wettbewerbsfahrzeug Mokka GSE Rally. Der Corsa sprintet schneller von 0 auf 100 km/h als jeder andere Serien-Opel, in 5,5 Sekunden, und erreicht 180 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das überarbeitete Fahrwerk gewährleistet höhere Steifigkeit an der Hinterachse, was der Stabilität beim schnellen Einlenken zugutekommt; dazu wurde auch die Lenkübersetzung von 16,2 auf 14,5 verringert – damit lenkt der Corsa sich direkter als seine zivileren Corsa-Brüder. Ein Torsen- Sperrdifferenzial an der Vorderachse sorgt für bessere Traktion aus schnellen, engen Kurven heraus. Dem 54 kWh-Lithium-Ionen-Akku (netto 51 kWh) hat Opel ein spezielles Kühlsystem spendiert, damit’s auch bei flotter Fahrweise nicht zu Überhitzung kommt.
Klare Designakzente im Corsa GSE-Cockpit: Gelb, Weiß, Grau und Schwarz sind die Opel-Motorsportfarben.Klare Designakzente im Corsa GSE-Cockpit: Gelb, Weiß, Grau und Schwarz sind die Opel-Motorsportfarben.
Racing Timer mit Speicher für die Beschleunigungszeiten.Racing Timer mit Speicher für die Beschleunigungszeiten.
Ikonisches Kürzel neu verwendet: Das E steht für den Antrieb.Ikonisches Kürzel neu verwendet: Das E steht für den Antrieb.
Fesches Muster: Die Sitze mit gemischten Stoff-Alcantara-Bezügen zählen – neben den Gurten! – zu den auffälligsten Einrichtungsgegensänden.Fesches Muster: Die Sitze mit gemischten Stoff-Alcantara-Bezügen zählen – neben den Gurten! – zu den auffälligsten Einrichtungsgegensänden.
Wie fährt sich der Corsa GSE?
Der Elektromotor reißt ordentlich an, die Vorderachse spielt gutmütig mit – wenn man’s nicht heftig übertreibt, fehlt es in keiner Situation an Traktion. Kunden können übrigens zwischen Michelin- oder Hankook-Serienbereifung wählen, jeweils im Format 215/40 R18. Bei schnellem Treiben auf dem Handlingkurs im Driving Camp Pachfurth bei Bruck an der Leitha zeigt sich das Fahrwerk enorm beanspruchbar und durchaus agil, die Bremsanlage standfest. In der Kurver führt das Auto eine feine Klinge, lenkt akkurat ein, zieht exakt aus der Kurve heraus.

Während der Fahrt können drei verschiedene Fahrmodi eingestellt werden, die auch in der Performance einen spürbaren Unterschied machen. Kein Wunder, wird die abrufbare Leistung im Eco-Modus doch auf 190 PS und 300 Newtonmeter Drehmoment begrenzt. Im Normalmodus stehen 231 PS zur Verfügung und im Sportmodus die volle Power, dazu die gesamten 345 Newtonmeter Drehmoment vom Stand weg, wie es die Natur des Elektroantriebs ist. 

Grundsätzlich bietet sich der Corsa GSE dank kompakter Abmessungen als Stadtfahrzeug an und er kann auch gemütlich dahinrollen. Bei normaler Fahrt in der City und auf Landstraßen kann einem die Fahrwerksabstimmung allerdings schon einmal etwas hart vorkommen, kurze Anregungen, etwa durch Kanaldeckel, werden ungefiltert ins Innere weitergereicht.
 
Wie viel kostet er?
Der Corsa GSE ist seit Anfang September zum Angebotspreis ab 32.990 Euro bestellbar. Da sind diverse Boni bereits abgezogen, die aber teilweise nur unter bestimmten Voraussetzungen gewährt werden (zum Beispiel 4.000 Euro Opel E-Mobilitätsbonus oder 2.000 Euro Eintauschbonus). Dieser Preis gilt also bei Erfüllung aller Bonus-Bedingungen. Der spätere Listenpreis für den Corsa GSE beträgt 41.490 Euro.
 
Das Fazit?
Der neue kleine „Hot Hatch“ von Opel ist ein Angebot für aktive Fahrer, er kann auch gemütlich dahinrollen, aber dazu brauchte man weder seine Power noch sein bewusst sportlich abgestimmtes Fahrwerk. Er ist für dynamisches Fahren konzipiert – und das kann er, da macht er Spaß. Dabei ist er dank kompakter Abmessungen auch als Stadtfahrzeug praktikabel und noch halbwegs leistbar.
Fazit von Motorprofis-Tester Peter Pisecker: „Der Corsa GSE ist für dynamisches Fahren konzipiert – und das kann er, da macht er Spaß. Dabei ist er dank kompakter Abmessungen auch als Stadtfahrzeug praktikabel und noch halbwegs leistbar.Fazit von Motorprofis-Tester Peter Pisecker: „Der Corsa GSE ist für dynamisches Fahren konzipiert – und das kann er, da macht er Spaß. Dabei ist er dank kompakter Abmessungen auch als Stadtfahrzeug praktikabel und noch halbwegs leistbar."

DATEN & FAKTEN

Opel Corsa GSE

(September 2026)

Preis

32.990 Euro (Angebotspreis), 41.490 Euro (Listenpreis).

Antrieb

Elektromotor 207 kW (281 PS), Drehmoment 345 Nm. Li-Ion-Akku, 54 kWh (nutzbar 51 kWh). DC-Aufladen mit 100 kW, in 27 Minuten auf 80%.

Abmessungen

Länge 4.082 mm / Breite 1.773 mm / Höhe 1.426 mm. Radstand 2.557 mm. Kofferraumvolumen 267–1.042 Liter.

Gewicht

Leergewicht 1.554 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, Beschleunigung (0–100 km/h) 5,5 sec. Energieverbrauch (WLTP) 16–17 kWh/100 km. Reichweite (WLTP) 354–374 km.
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